47 Jahre lang sorgte Didi Wedegärtner als Spieler und Trainer auf den Sportplätzen der Region für Furore. - © NW
47 Jahre lang sorgte Didi Wedegärtner als Spieler und Trainer auf den Sportplätzen der Region für Furore. | © NW

Paderborn Didis falscher Einwurf: „Holzklasse für Holzmedaillen“

Über die motivierende Sitzordnung im Olympia-Flieger

Didi Wedegärtner

Am Wochenende flog ein sicher erwartungsfrohes deutsches Olympia-Team nach Südkorea. Doch zuvor am Abfertigungsschalter wird so mancher Athlet leicht irritiert dreingeschaut haben. Denn während sein Kumpel, mit dem er seit Jahren während des Weltcups das Zimmer teilt, eine Boarding-Card für die Business-Class mit reichlich Beinfreiheit, Liegesitz und allem Pipapo entgegennahm, wurde ihm eine für die Holzklasse in die Hand gedrückt. Hieß also elf Stunden mit anliegenden Ellenbogen, eingeklemmten Beinen, eingeschlafenen Füßen und in ständiger Sorge, den brühheißen Kaffee des Sitznachbarn in den Schoß zu bekommen. Doch das war kein Zufall. Die Sitzplätze wurden nämlich nach dem Kriterium "Medaillenkandidat ja oder nein?" verteilt. Wem der DOSB Gold, Silber oder Bronze zutraut, den umsorgte er eben bereits auf dem Hinflug, während er den anderen auf diese Weise beiläufig vermittelte, dass er sie eher als Olympia-Touristen einordnet. Hoffen wir, dass es später bei der Zimmerzuweisung im Olympischen Dorf ausgewogener zuging. Denken wir nur an unseren ersten Malle-Urlaub: Zwölf Quadratmeter direkt über der Hotelküche mit seitlichem Straßenblick, putzigen Krabbeltierchen im Bett und einem Gemeinschafts-WC auf dem Flur. Da sind Amateurfußballer besser dran, denn bei ihnen ist vor Auswärtsspielen jeder seines Glückes Schmied. Sobald der Trainer am Treffpunkt das Startzeichen gibt, verteilen sich alle in Windeseile auf die wenigen PKW und stopfen hektisch ihre Taschen in die Kofferräume. Denn wer dabei am schnellsten ist, schwingt sich flugs auf den freien Beifahrersitz. Wer zu spät kommt, den bestraft die Rückbank - im schlimmsten Fall in einem alten Ford Fiesta zwischen den beiden Innenverteidigern. In einigen Teams gibt es sogar feste Besatzungscrews, die ihre Taschen bereits vorher verstaut haben. Einzig der "erste Vornesitzer" wird immer wieder neu ausgespielt.  Das Auto des Trainers hingegen bleibt fast leer. Gegebenenfalls packt er die beiden leicht ratlosen Youngster ein, die diese Variante der Reise nach Jerusalem noch nicht verinnerlicht und keinen Platz abbekommen haben. Und manchmal steht ein Spieler sogar aus eigenem Antrieb neben der Beifahrertür. Der hat zuletzt meist auf der Ersatzbank gesessen und klärt seinen Coach dann während der Fahrt über seine Fähigkeiten auf. Oder erzählt, warum er vor acht Jahren nicht zur U15 des SC Paderborn wechselte ("das Knie - die Gesundheit war mir wichtiger"), obwohl angeblich sogar Wilfried Finke auf dem elterlichen Sofa saß und Papa und Mama anflehte, ihren hochbegabten Sohnemann umzustimmen. Solche Chancen zur Einflussnahme hatten die vermeintlichen Olympia-Touristen nicht. Denn es ist wohl anzunehmen, dass die Entscheidungsträger eher in der Nähe von Laura Dahlmeier saßen. Aber wer weiß: Vielleicht werden die Rückflug-Sitze ja nach dem selben Muster verteilt. Und sollte der DOSB das schon vor dem ersten Wettkampf bekanntgeben, dürfen wir uns auf eine richtige Medaillenflut freuen. In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen ein schönes Spiel!

realisiert durch evolver group