Mit viel Kampfgeist zur Titelverteidigung: Vorjahressieger Mathias Nahen landete trotz eines erheblichen Trainingsrückstandes beim Sälzer Marathon erneut auf dem ersten Platz. - © Marc Köppelmann
Mit viel Kampfgeist zur Titelverteidigung: Vorjahressieger Mathias Nahen landete trotz eines erheblichen Trainingsrückstandes beim Sälzer Marathon erneut auf dem ersten Platz. | © Marc Köppelmann

Salzkotten Mathias Nahen gewinnt zum siebten Mal den Marathon in Salzkotten

Bei den Frauen feiert die Scharmederin Nadja Koch in souveräner Manier ihren dritten Sieg in der Sälzerstadt

Frank Beineke

Salzkotten. Er hat es wieder getan: Mathias Nahen gewann gestern zum siebten Mal den Klingenthal-Sport-Marathon in Salzkotten. Und doch war dieses Ergebnis eine echte Überraschung - vor allem für Nahen selbst. Denn vor dem Start hatte der 46-Jährige vom TV Jahn Bad Driburg nicht geglaubt, dass er bei der zehnten Auflage des Sälzer Marathons überhaupt die Ziellinie sieht. Eine Knochenhautentzündung im linken Schienbein hatte ihn zehn Monate außer Gefecht gesetzt. Erst seit zwei Wochen ist Nahen wieder im Training. Daher war er eigentlich nur an den Start gegangen, um seinem Vereinskollegen Markus Böddeker möglichst lange als Tempomacher zur Verfügung zu stehen. "Ich wollte Markus ein, zwei Runden ziehen und dann tot umfallen", witzelte das Ausdauer-Ass aus Driburg, das dann doch wieder zuschlagen sollte. Dabei hatte es lange Zeit nach einem tschechischen Sieg ausgesehen. Tomás Svoboda lag vor der letzten von vier 10,55-Kilometer-Runden gut zwei Minuten vor dem Duo aus Driburg. Doch dann wurde der Läufer aus Salzkottens Partnerstadt Bystrice immer langsamer. "Ich hatte nur Kraft für drei Runden, denn für einen Marathon hatte ich wohl zu wenig trainiert", erklärte Svoboda, der sich immerhin noch auf Rang drei retten konnte. Bei Kilometer 37 aber zogen Nahen und Böddeker an ihm vorbei. "Da habe ich Lunte gerochen. Und ich erhöhte noch einmal das Tempo an, um Markus abzuhängen. Denn ich wusste, dass ich gegen ihn im Schlussspurt keine Chance hätte", schildert Nahen die Rennphase, die ihm den siebten Sieg einbringen sollte. Am Ende hatte der Seriensieger in exakt 2:53 Stunden mehr als eineinhalb Minuten Vorsprung auf Markus Böddeker, der von Nahen im Ziel mit folgenden Satz begrüßt wurde: "Entschuldigung, dass ich weggelaufen bin." Dass der erfolgreiche Titelverteidiger seinen Streckenrekord aus dem Jahre 2015 um fast 15 Minuten verfehlte, war angesichts seines Handicaps mehr als verständlich. Die Hitze tat ihr Übriges. In den ersten zwei Stunden versteckte sich die Sonne zwar zumeist hinter Wolken. Doch dann sollte sie unbarmherzig brennen. Nadja Koch machten die hohen Temperaturen jedoch nichts aus. In 3:23,33 Stunden eilte die 33-Jährige vom SCC Scharmede mit 30 Minuten (!) Vorsprung zu ihrem dritten Marathon-Sieg in Salzkotten. Koch wirkte im Ziel alles andere als erschöpft. Wen wundert's? Schließlich ist die Scharmederin sonst noch ganz andere Streckenlängen gewohnt. "Seit zwei Jahren bin ich als Ultraläuferin unterwegs", erklärt Nadja Koch, die ihr Ultralauf-Debüt 2015 bei der 51 Kilometer langen Harzquerung feierte. Im selben Jahr meisterte sie ihr erstes 100-Kilometer-Rennen. Im vergangenen Herbst sicherte sich Koch bei einem 24-Stunden-Lauf durch den Arnsberger Wald den Deutschen Trailrun-Meistertitel. "Da habe ich 160 Kilometer und 5.000 Höhenmeter geschafft", berichtet die Scharmederin, die an der Heder mit einer modischen Kurzhaarfrisur aufwartete. "Ich war vorher extra noch beim Friseur. Die kurzen Haare bringen auf 100 Kilometer locker 40 Sekunden", scherzte Nadja Koch, die gestern ebenso wie alle anderen Teilnehmer eine perfekt organisierte Laufveranstaltung genoss. Das Team um Renndirektor Sascha Wiczynski freute sich hierbei über einen neuen Teilnehmerrekord. Mit 2.292 Starterinnen und Startern konnte die Bestmarke aus dem Vorjahr um 414 Läufer übertroffen. "Das ist der Wahnsinn. Phänomenal", jubelte Wiczynski. Und trotz der hohen Teilnehmerzahl und der sommerlichen Hitze hatten die Rettungskräfte vom Deutschen Roten Kreuz verhältnismäßig wenig zu tun. Zwar musste der Rettungswagen drei Mal ausrücken, doch in allen Fällen gab es schnell Entwarnung. Nur ein Dutzend Läufer musste im Zielbereich behandelt werden. Mathias Nahen zählte nicht dazu. Er hätte wohl sogar noch eine Runde drehen können.

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