Symbolbild. - © dpa-tmn
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Paderborn Von wegen versnobt und elitär: Über die Vor(ur)teile des Golfspiels

Didi Wedegärtner

Ja, es gibt sie wohl tatsächlich: Golfer, die in Luxus-Karossen vorfahren, ihr First-Class-Schläger-Set auf den Edel-Trolley laden und den im topmodernen Outfit zum Platz schieben. Die den Gruß des neben ihnen aus einem Golf IV gekletterten Anfängers, der gerade seine für schlappe 50 Euro ersteigerten Schlagwerkzeuge schultert, am liebsten gar nicht hören würden und denen es nie in den Sinn käme, mit ihm eine Runde zu spielen – zumal selbst loch- und fransenlose Jeans in manchen Golfclubs eh auf dem Index stehen. Auch hört man hin und wieder von „eingespielten" Zweier- oder Dreier-Gruppen, die stets unter sich bleiben wollen und partout keinen Neuankömmling einsteigen lassen, so dass der sich durchfragen muss, ob woanders noch ein Platz frei ist. Andererseits: Ich weiß von Amateurfußballern, die die Nase rümpfen, wenn ein Spieler der zweiten Mannschaft, der aus beruflichen Gründen nicht an deren Training teilnehmen kann, bei ihnen mitmacht – der wird dann ausgiebig getunnelt und kommt mit Sicherheit kein zweites Mal wieder. Dass es auch anders geht, habe ich im Universitäts-Golfclub Paderborn erlebt. So wollte ich mich vor knapp einem Jahr in der Vorbereitung auf die anstehende Platzreife-Prüfung allein auf eine Übungsrunde begeben, als eine bessere, mir nicht bekannte Golferin fragte, ob sie sich einklinken dürfe. Wir hatten viel Spaß und ich konnte mir so auch noch etwas abschauen. Oder als mich ein nach mir gestarteter und deutlich stärkerer Spieler einholte: Der Etikette nach lässt der langsamere Golfer den schnelleren „durchspielen" und setzt seine Runde hinter ihm fort. Doch er schlug vor, zu zweit weiterzuspielen und war damit um des gemeinsamen Spielerlebnisses willen erst später fertig. Und stieg hinterher in seine Luxus-Karosse. Oder am vergangenen Freitag: Im Rahmen der vom Deutschen Golf Verband bundesweit ausgerufenen Aktion „Gemeinsam golfen" trafen sich 54 Frauen und Männer zu einem ganz besonderen Turnier. Die Hälfte spielte bereits Golf und jeder hatte jemanden mitgebracht, der noch keine Erfahrung mit diesem klischeebeladenen Sport hatte. Beide bildeten ein Team und zogen mit zwei anderen Teams über neun Löcher. Der Golfer schlug immer vom Abschlag bis zum Grün, also dem äußerst kurz gemähten Bereich um die Fahne herum, und sein Partner lochte ein. Viel spannender war aber, dass sich von diesen sechs Menschen unterschiedlichster Alters-, Gehalts- und Leistungsklassen eben nur die jeweiligen Partner kannten und ihnen die anderen bis dahin fremd waren. Und anscheinend hatten alle 54 während dieser zwei Stunden nicht nur am Golfen großen Spaß, sondern auch aneinander. Weshalb sonst musste die Turnierleitung eine Stunde später als üblich um die „last order" der Getränke bitten? In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen ein schönes Spiel!

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