ZURÜCKGEBLÄTTERT Höhenflug an der Schützenstraße

OTC-Team zwei Jahre in der Regionalliga / Schleifchenturniere statt Bundesliga-Aufstieg

Der Südafrikaner Rodney Fowler.
Der Südafrikaner Rodney Fowler.

Bad Oeynhausen. Der Oeynhausener Tennisclub hat eine lange Vereinsgeschichte hinter sich. Im April 1926 wurde der Club von 26 Personen aus der Taufe gehoben und in den Jahrzehnten danach war das Vereinsleben des OTC eher unscheinbar als aufgeregt. Während die einen den OTC als "elitär" bezeichneten, sah man im eigenen Club die Rolle ganz anders. "Wir sind ein Club aus dem Volk", meinten die Verantwortlichen schon in den Jahren vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Jedenfalls spielte der OTC in den ostwestfälischen Tabellen eher eine bescheidene und untergeordnete Rolle.

Herausragend waren dabei die traditionellen und sicher auch inzwischen legendären "Schleifchenturniere". Das änderte sich spätestens in den 80er Jahren, als aus der "Grauen Maus" ein "Club mit höheren Ansprüchen" wurde. er OTC setzte auf den Nachwuchs und Jahr für Jahr gab es viele gute Talente. Wie beispielsweise die Brüder Theine. Markus, der ältere, sowie Torben, der jüngere Sohn der tennisspielenden Familie um Vater Adalbert und Mutter Ursula, sowie Tochter Cordula Theine. Aber es waren nicht nur die Theine-Brüder, die den Namen OTC in die Tenniswelt trugen, da spielten auch mit Bernd Stukenberg, Stefan Rosenkranz und andere Eigengewächse eine gute Rolle im Mannschaftssport. Immerhin hatte sich die über viele Jahre anhaltend gute Jugendarbeit bezahlt gemacht, obwohl der Mineralwasser-Sponsor lieber "fertige" Spieler gesehen hätte.

Einen leichten Stand hatten schon damals nicht die jeweiligen Vorsitzenden Zerbe und Ibold. Über die Verbandsliga wurde 1985 die Oberliga erreicht und spätesten von diesem Zeitpunkt an mussten auch die Tennis-Experten eingestehen, dass im Staatsbad Oeynhausen etwas entstehen sollte, was Jahre zuvor als undenkbar erschien. In unserer heutigen Folge "Zurückgeblättert" soll über die vielleicht spannendste Saison in der Vereinsgeschichte berichtet werden. Eine Saison, die eher einer Berg- und Talfahrt erinnerte. Sie begann alles andere als optimal, endete aber schließlich mit einem Happy-End.

Mineralwasser-Sponsor

Markus Theine (v.l.), Roman Groteloh, Rodney Fowler, Jochen Lübbing, Uwe Schulze, Volker Wenzel und Torben Theine vom Oeynhausener Tennisclub.
Markus Theine (v.l.), Roman Groteloh, Rodney Fowler, Jochen Lübbing, Uwe Schulze, Volker Wenzel und Torben Theine vom Oeynhausener Tennisclub.

Der bereits angesprochene Mineralwasser-Hersteller  nahm sich von nun an dem OTC auch finanziell an und förderte dabei speziell die 1. Männer-Mannschaft, die nach dem überraschenden Aufstieg in die Regionalliga nun auch über die ostwestfälischen Grenzen hinaus auf sich aufmerksam machte. Im August 1987 begann für den OTC ein neues, unbekanntes Tennis-Abenteuer in der zweithöchsten deutschen Tennis-Liga. Um Regionalliga-Punkte wurde dann erstmals am 2. August gespielt, als das Team morgens um 11 Uhr beim HTC Blau-Weiß Krefeld antreten musste.

Mit den Spielern Torben und Markus Theine, Uwe Schulze aus Hiddenhausen und dem Bünder Roman Groteloh sowie dem beim Sponsor lange Zeit umstrittenen südafrikanischen Spielertrainer Rodney Fowler, der über den TC Herford nach Bad Oeynhausen kam. Immerhin wurde Fowler drei Jahre in der Weltrangliste geführt, kam also nicht als ein unbeschriebenes Blatt an die Schützenstraße. Ferner gehörten noch Jochen Lübbing, Volker Wenzel und Bernd Stukenberg zum Aufgebot des OTC-Team, das sich den Klassenverbleib in der Regionalliga zum Ziel gesetzt hatte.

Mit einem großen Fan-Aufgebot ging für die Fowler und Co. die Reise zum Titelkandidaten an den Niederrhein. Gelingt dem OTC zum Auftakt vielleicht eine Überraschung? Die gab es nicht, denn nach vielen spannenden Matches ging das erste Spiel mit 3:6 verloren. Die Siege von Rodney Fowler gegen Klerx, Torben Theine gegen Lopez-Maeso und das Doppel Torben Theine/Roman Groteloh gegen Klerx und Hüschen waren zu wenig, um den ersten Sieg unter Dach und Fach zu bringen. Überragend war dennoch der Auftritt von Youngster Torben Theine, der sich doch im Jahr zuvor an der Seite von Eva Maria Schürhoff bei den Deutschen Meisterschaften auf der Anlage des Bielefelder TTC an der Voltmannstraße den Meistertitel im Mixed holte.

Bad Oeynhausen und die rote Laterne

Torben Theine vom OTC.
Torben Theine vom OTC.

Schon eine Woche später gab es die zweite Niederlage für das OTC-Team. Diesmal auf eigenem Platz und mit 3:6 fiel die Niederlage gegen Rechen Bochum wie die Schlappe in Krefeld aus.
Kuriosität am Rande: Aufgrund der starken Regenfälle im Verlauf der Partie an der Schützenstraße mussten die Akteure später in die Tennishalle nach Hiddenhausen-Schweicheln ausweichen, nachdem zuvor in Bad Oeynhausen die Partie für längere Zeit unterbrochen werden musste. "Ich glaube, wir stehen schon in der Abstiegsrunde", sagte Rodney Fowler nach der Niederlage, denn nach dem erneuten Punktverlust hing die "Rote Laterne" nun in Bad Oeynhausen.

Zwei weitere Niederlagen hagelte es eine Woche später. Am Freitag wurde zunächst beim ostwestfälischen Rivalen TTC Bielefeld mit 3:6 verloren und zwei Tage danach setzte es gegen den Tabellenzweiten THC Mettmann eine klare 2:7-Niederlage. Und auch die äußeren Bedingungen waren wieder einmal alles andere als optimal, denn statt des angekündigten Sonnenscheins und Temperaturen an die 25 Grad öffnete Petrus zu Spielbeginn seine Schleusen. Dennoch war die Partie gegen die Rheinländer durchaus sehenswert, zumal Mettmann mit Rolf Gehring einen ehemaligen Deutschen Meister und Ex-Mitglied der deutschen Daviscup-Mannschaft aufgeboten hatte.

Die Bilanz nach vier Spielen sah nicht so rosig aus, denn 0:4 Punkte standen auf dem Konto und am nächsten Doppelspieltag warteten auswärts der VfL 1848 Bochum und auf eigenem Gelände der Vorletzte TC Blau-Weiß Wickrath auf das OTC- Ensemble.

Sieg mit geliehenem Schläger

Bereits nach dem ersten Spiel stand fest: Der OTC muss in die Abstiegsrunde, denn in Bochum gab es eine knappe 4:5-Niederlage. Da nutzten auch nichts die guten Leistungen von Torben Theine, der Bochums Schweden David Engel in die Knie zwang, und auch nichts der Sieg von Uwe Schulze mit einem geliehenen Schläger gegen Christian Schüler, nachdem seine beiden Rackets zu Bruch gegangen waren. Aber der OTC hatte dennoch nicht das Siegen verlernt. Im letzten Spiel gegen den TC Wickrath landete der OTC einen verdienten 5:4-Sieg, mit dem es in die Abstiegsrunde ging, die eine Woche später in Köln-Klettenberg ausgetragen wurde.

Blau-Weiß Köln hieß der Gegner und der hatte beim 2:7 gegen den OTC überhaupt keine Chance. Nun traf das Team aus der Kurstadt im zweiten Spiel auf  den ETB Schwarz-Weiß Essen, der sich überraschend gegen den TC Rechen Bochum durchgesetzt hatte. "Das Spiel begann finster, endete aber mit dem Platz an der Sonne". So lautete am Montag, 31. August, die Schlagzeile in der Neuen Westfälischen nach dem erfolgreichen Kölner Wochenend-Ausflug an den Rhein. Die Aufstiegsrunde gewonnen, aber den Abstieg in der Tasche. Wochen der Ungewissheit folgten nun. Findet sich der OTC nach nur einem Jahr in der Oberliga wieder?

Vom sportlichen Abrutsch

Die Entscheidung sollte im September fallen, wenn die letzten Würfel in der Bundesliga und in der Auf- und Abstiegsrunde gefallen sind. Der OTC musste einerseits auf einen Aufstieg des renommierten Clubs Etuf Essen und andererseits auf den Aufstieg von Rot-Weiß Hagen oder TG 48 Bochum hoffen. Nichts wurde es aber mit dem Essener Klassenverbleib oder mit dem Aufstieg von Hagen oder Bochum. Es kam ganz anders, denn die beiden Außenseiter TTV Kelkheim und Iphitos München schafften den Aufstieg in die Eliteklasse. Und der OTC? Der war nach eigentlich aus der Regionalliga abgestiegen. 

Den Abstieg nicht mehr abwenden konnte der OTC dann in der darauffolgenden Saison nach einem mannschaftlichen Umbruch. Die Brüder Markus und Torben Theine hatten sich ebenso verändert wie Lübbing oder Groteloh. Dafür standen mit Dietmar Glamann, Henning Hartmann, Peter Kaiser oder dem damals 15-jährigen Talent Marc Kuchenbecker neue Spieler zur Verfügung, die den sportlichen Abrutsch allerdings nicht verhindern konnten. Der Tennis-Höhenflug der Bad Oeynhausener Tennis-Cracks fand schnell ein unrühmliches Ende. Am 11. September 1988 konnte erst einmal für einige Jahre ein Schlussstrich unter die Regionalliga gesetzt werden. Träumereien von einem möglichen Aufstieg in die Bundesliga waren längst ausgeträumt.

Der OTC konzentrierte sich wieder auf sein Schleifchenturnier oder dem Besuch einer Tennis-Mannschaft aus München-Laim. Spieler wie Torben Theine (heute Coach beim Bundesliga-Neuling Bremerhaven), Bruder Markus (Manager beim Bielefelder TTC) sind wie die anderen ehemaligen Kollegen mehr oder weniger dem Tennissport weiterhin verbunden. Fowler ist schon damals zurück in seine südafrikanische Heimat gezogen. Der Rest  spielt gelegentlich bei dem einen oder anderen Seniorenturnier. Alle natürlich in fortgeschrittenen Altersklassen. 

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