ZURÜCKGEBLÄTTERT Schwartz mischt die deutsche Szene auf

Höhepunkt für den Bad Oeynhausener Berufsboxer ist ein Kampf in Südafrika

Für diesen Kampf in Südafrika wurde ein extra Heft herausgegeben. - © REPRO: NW
Für diesen Kampf in Südafrika wurde ein extra Heft herausgegeben. | © REPRO: NW

Bad Oeynhausen. Es war schon eine Besonderheit, dass sich Ende der 60er und zu Beginn der 70er Jahre ausgerechnet ein Bad Oeynhausener Sportler anschickte, die Mittelgewichts-Krone im Boxsport in den ostwestfälischen Badeort zu holen. Hans-Dieter Schwartz, den sie wie schon seinen kurz nach dem zweiten Weltkrieg bei Arminia Bielefeld fußballspielenden Vater Hans Schwartz nur "Schotte" nannten, war Mitte der 60er Jahre auf dem Weg zu einer großen Boxsport-Ära. Seine Karriere, die über zehn Jahre anhielt, hatte viele Höhepunkte.

Über einige ganz markante Einsätze soll hier berichtet werden. Der gebürtige Bielefelder, der sich in die Obhut des legendären Bad Oeynhausener Boxstalls Buschjost begab und über viele Jahre von dem damals als Meistermacher betitelten Christian Schaath aus Krefeld trainiert wurde, legte sie in der Anfangszeit alle auf die Bretter. 178 Gefechte bestritt der schwarzhaarige Boxer als Amateur, von denen er 159 gewann. Er war Deutscher Jugendmeister, bei den Senioren einmal Zweiter, mehrmals Dritter. Zum Titel hat es nie gelangt.

"Damals beherrschten die Berliner Dieter-Brüder meine Gewichtsklassen", sagte Schwartz seinerzeit in die einem Gespräch mit der Freien Presse, einem Vorläufer der heutigen Neue Westfälischen Zeitung. Nach diesen Erfolgen wechselte Schwartz ins Profilager. In Kiel und Berlin wurden die Trautwein, Michel und Winkler sicher bezwungen, ehe sich am 12. März 1966 vor eigenem Publikum der Italiener Salvatore Magri in Bad Oeynhausen zum Kampf stellte. Aber auch der Südländer hatte gegen Schwartz keine Chance.

Erst sein 16. Kampf endete mit der ersten Niederlage. In Berlin setzte sich im März 1967 der Hamburger Klaus Stockmann durch einen technischen K.O. in der 5. Runde durch. Aber auf diesen Stockmann sollte "Schotte" in seiner weiteren Laufbahn noch einmal treffen. Dazu aber später mehr. Der Name Schwartz war in den europäischen Boxkreisen längst zu einem Markenzeichen geworden. Nun wollten sie alle auf den Ostwestfalen treffen. Der im Mai 1941 geborene technisch hoch veranlagte Faustkämpfer aus Ostwestfalen konnte sich seine Gegner aussuchen.

Gegen "Schotte" Schwartz beweisen

In der damaligen hessischen Box-Metropole Frankfurt gab es dann den ersten Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Karl-Heinz "Karo" Brunnhölz hieß der erste Gegner. Favorit war der Frankfurter Lokalmatador, zumal der schon mehrere Einsätze in der deutschen Box-Nationalstaffel aufweisen konnte und zuvor überraschend den Briten Ron Smith in London niederhielt. Brunnhölzl war noch im April 1968 ausgerufen, in Frankfurter Boxkreisen die neue Nummer eins zu werden, zumal gerade erst Karl Mildenberger seinen EM-Kampf gegen den Briten Martin durch K.O. verloren hatte.

Hans-Dieter Schwartz macht sich für das Training bereit. - © FOTO: NW
Hans-Dieter Schwartz macht sich für das Training bereit. | © FOTO: NW

Nicht Mildenberger, auch nicht der Rüsselsheimer Conny Rudhof waren nun das Aushängeschild in der Frankfurter Festhalle, sondern jener Brunnhölzl, der sich nun gegen "Schotte" Schwartz beweisen musste. Der Bad Oeynhausener konnte sich am 29. November 1968 seinen ersten großen Titel holen. Als Deutscher Meister kam Schwartz nach Bad Oeynhausen zurück. Es folgte schon bald der K.O.-Sieg gegen den Österreicher Michael Blinker in Wien, ehe rund ein halbes Jahr nach dem Sieg über Brunnhölzl der vielleicht schwerste Gang auf Schwartz wartete.

Am 25. Juni – also in rund vier Monaten - sind es exakt 40 Jahre her, als in der Toscana um die Europameisterschaft geboxt wurde. Sein Gegner in Montecatini, einem seinerzeit mondänen Thermen-Badeort zwischen Florenz und Pisa gelegen, war kein Geringerer als der italienische Champion Juan Carlos Duran, der sich ein Jahr zuvor den Europameistertitel in der Sporthalle in Köln-Deutz gegen Jupp Elze holte. Für Elze endete dieser Kampf tödlich, denn nachdem der Kölner von Duran am Hinterkopf getroffen wurde und seine Aufgabe signalisiert hatte, verfiel er ins Koma und starb trotz einer Notoperation acht Tage später an einer Gehirnblutung. Eine Obduktion ergab, dass Elze mit drei verschiedenen Substanzen (unter anderem Pervitin) gedopt war.

Nun hatte es Hans-Dieter Schwartz in der Toscana mit eben jenem Boxer zu tun, der Jupp Elze auf eine etwas ungewöhnliche Art und Weise besiegt hatte. Ein mulmiges Gefühl begleitete die Crew des ostwestfälischen Boxers. In der "Emilia Romagna" hatte der gebürtige Argentinier mit italienischem Pass klare Vorteile und beendete den Kampf als Sieger durch technischen K.O. in der 14. Runde. Schon am 1. November 1969 verteidigte "Schotte" Schwartz seinen Meistertitel, als er sich einen auf zwölf Runden angesetzten Kampf gegen den Herausforderer Klaus Stockmann in der Kieler Ostseehalle nach Punkten erfolgreich durchsetzte und sich damit für die Niederlage im März 1967 revanchierte.

Dick in den Notizbüchern der Box-Promotoren

Für Stockmann war es eine vernichtende Niederlage, während der Bad Oeynhausener weiter dick in den Notizbüchern der Box-Promotoren stand. Einer von ihnen war der Hamburger Gastronom Theo Wittenbrink (wegen seiner zahlreichen Ringe an den Fingern nur "Mister Goldfinger" genannt), der zahlreiche Boxer unter Vertrag hatte. Auch den damals 32-jährigen Schlachter Dampmann aus Hamburg-Harburg. Ein Jahr später stand Schwartz erneut auf den Brettern der Kieler Ostseehalle, als mit Reinhard Dampmann ein weiterer Herausforderer wartete. Schwartz bereitete sich in Essen akribisch auf diesen Fight vor, ehe sich der Schwartz-Tross auf den Weg nach Schleswig-Holstein machte.

Zuvor gab es in Bad Oeynhausen in der Diskothek "Crasy Horse" von Klaus Oelke an der Königstraße (heute ist dort das Weinkontor Biethahn) ein letztes Pressegespräch. Schwartz Manager Schaath, ein temperamentvoller Rheinländer, damals 70 Jahre alt, bereitete seinen Schützling bestens vor. "Ich habe noch nie einen so nervenstarken Jungen betreut wie Schwartz", sagte Schaath. Immerhin zählte der gelernte Werkzeugmacher zu den technisch besten, reaktionsschnellsten und zähesten deutschen Boxern. Schwartz siegte vor 4.000 Zuschauern in der Ostseehalle nach 14 Runden durch Abbruch und behielt damit seinen Titel. Es war der nunmehr dritte in seiner Laufbahn.

"Schwartz – ein Boxer ohne Nerven", schrieb später das Hamburger Abendblatt und die Kieler Nachrichten drückten es so aus: "Trotz der großen Hitze strahlte Schwartz eine eisige Kälte aus".

Dinner-Schaukampf in Kapstadt

"International" wurde es ein paar Monate später. Am 12. Januar 1971 wurde Schwartz zu einem Dinner-Schaukampf nach Kapstadt Südafrika eingeladen. Sein Gegner war der mehrfache südafrikanische Champion Piere Fourie, der in Europa ziemlich unbekannt war und seine Kämpfe vorwiegend in seiner Heimat bestritt. Vor rund 200 ausgesuchten Besuchern, alle ausnahmslos festlich mit Fliege, Frack und Zylinder ausgestattet, konnte Schwartz lange Zeit mithalten, unterlag aber im Good Hope Centre in Cape Town über zwölf Runden nach Punkten.

Für die kleine Schwartz-Equipe aus Bad Oeynhausen war aber nicht nur der Boxkampf der Höhepunkt der drei Tage in Südafrika, sondern vielmehr der Besuch bei Prof. Christiaan Barnard im Groote Schuur-Hospitel, der durch die weltweit erste Herztransplantation im Dezember 1967 Weltruhm erlangte. Nach dem Abstecher auf den afrikanischen Kontinent verlief die weitere Karriere von Hans-Dieter Schwartz äußerst kurvenreich. Seinen Deutschen Meistertitel musste er im Mai 1973 an den Hamburger Klaus Peter Tombers abgeben, dem er in Kiel in der 5. Runde durch K.O. unterlag. Tombers verlor seinen Titel ein Jahr später gegen Eckehard Dagge.

Mit sechs Niederlagen in Folge und einem Remis gegen den Belgier Christian Moussoux in Eupen endete am 14. Februar 1976 eine bewegte und erfolgreiche Laufbahn von Hans-Dieter Schwartz. Mit 33 Siegen, davon 14 vorzeitig, zwei Unentschieden und 17 Niederlagen konnte der Bad Oeynhausener seine Berufsboxer-Laufbahn abschließen, wobei er als Profi immerhin sechsmal um die Deutsche Meisterschaft boxte und einmal in einem Kampf um den europäischen Titel stand. Ferner wurde er als Amateur 1958 Deutscher Meister und zweimal Vizemeister und erhielt 16 Einberufungen die Deutsche National-Boxstaffel. Viele deutsche Berufsboxer haben nicht eine so erfolgreiche Laufbahn hinter sich. Heute lebt der gebürtige Bielefelder und Wahl-Bad Oeynhausener Hans-Dieter Schwartz zurückgezogen in Minden.

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