ZURÜCKGEBLÄTTERT FC Gohfeld lässt es im Pokal krachen

Schöne Erinnerungen an die 80er Jahre / Fast wäre der VfB Stuttgart am Mittelbach gelandet

Der Torwart der Amateure des 1. FC Köln packt im Franz-Kremer-Stadion beim Pokalfight zu. Klaus Wunder (r.), Stürmer des FC Gohfeld, kommt in dieser Szene einen Schritt zu spät.
Der Torwart der Amateure des 1. FC Köln packt im Franz-Kremer-Stadion beim Pokalfight zu. Klaus Wunder (r.), Stürmer des FC Gohfeld, kommt in dieser Szene einen Schritt zu spät.

Löhne-Gohfeld. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin", hieß es damals noch nicht, als sich der heimische Fußballclub FC Gohfeld anschickte, die westfälische Fußballszene aufzumischen und sich zweimal in Folge für die Hauptrunde im DFB-Vereinspokal zu qualifizieren. Für alle Beteiligten war es Neuland, was zu Beginn der 80er Jahre betreten wurde. "Der Provinzklub mit Raketenantrieb vom Mittelbach", titelte die Boulevard-Zeitung damals. "Im Pokal vielleicht gegen die Großen im deutschen Fußball?"

Der Verein um Mäzen Paul Witte und dem damaligen Präsidenten Willi Baumbach sowie dem einstigen Sportdirektor Lothar Johanning hatte seine Ziele gesteckt. "Wir wollen in Westfalen mitreden", sagten die Verantwortlichen damals. Entsprechend groß war die Erwartung schon bei der Auslosung im ersten Pokaljahr 1981/82. Am 30. August 1981 um 15 Uhr erfolgte der erste Gohfelder Pokalauftritt, als sich der hessische Oberligist FVgg 06 Mainz-Kastel am Mittelbach vorstellte. Schon lange im Vorfeld der Partie beschäftigten sich die Gohfelder Offiziellen mit dem Gegner, dem der langjährige Mainzer Karnevals- und Sitzungspräsident von "Mainz bleibt Mainz", der Straßenfeger der damaligen Fastnachtsgeschichte, der legendäre Rolf Braun vorstand. Dem Verein also, dem auch der Stimmungsmensch Ernst Neger "heile, heile, Gänsje" und "humba, humba, täterä" eng verbunden war.

Die Mannschaften im DFB-Pokal.
Die Mannschaften im DFB-Pokal.

Der damalige Gohfelder Trainer Friedrich Kirchner – heute Betreiber einer Gaststätten-Kette in Bad Oeynhausen und Niedersachsen –, der seinen Fußball-Lehrerschein unter DFB-Trainer Karl-Heinz Heddergott mit der Note 1 bestand, sah sich den Pokalgegner zuvor im Meisterschaftsspiel an und befand danach: "Eigentlich müssten wir eine Runde weiterkommen!" Der FC Gohfeld gewann am Mittelbach vor 700 Fans nach zwei Toren von Uli Schäffer mit 2:1 und wartete ein paar Wochen später gespannt auf die Auslosung für die 2. Runde. Die meinte es an jenem 7. September nicht gerade gut mit den Grün-Weißen, denn der zweite Pokalgegner hieß FSV Frankfurt, der deutsche Vizemeister von 1925 (scheiterte seinerzeit mit 0:1 am 1. FC Nürnberg), zumal die Gohfelder auch noch auswärts am legendären Bornheimer Hang antreten mussten.

Liebend gern Arminia Bielefeld gezogen

Liebend gerne hätten die Gohfelder das Los Arminia Bielefeld (6:3-Sieg beim SV Sandhausen) gezogen. Gohfelds Nachbar SC Herford musste indessen bereits die Segel streichen. Beim südwestdeutschen Klub SV Leiwen gab es eine 1:2-Niederlage und damit das überraschende Pokal-Aus. Aber was soll’s, für die Gohfelder ging es am 10. Oktober in die Banken-Metropole Frankfurt. Nicht erst am Spieltag, sondern schon einen Tag vor dem Spiel machten sich Gohfelder Kicker auf nach Hessen. Genächtigt wurde im Hotel der Turnschule an der Otto-Fleck-Schneise, gleich neben der Kommando-Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes, der die Gohfelder am Vormittag des Spieltags noch einen einstündigen Besuch abstatteten.

Der Schiedsrichter (r.) stellt einen Spieler des FSV Frankfurt vom Platz, während sich ein Fußballer des FC Gohfeld vor Schmerzen am Boden wälzt.
Der Schiedsrichter (r.) stellt einen Spieler des FSV Frankfurt vom Platz, während sich ein Fußballer des FC Gohfeld vor Schmerzen am Boden wälzt.

Es war ein verregneter Tag, der 10. Oktober 1981. "Englisches Wetter, vielleicht unser Vorteil", hoffte Klaus Wunder, damals die Wunderwaffe des FC. Auf Nationalspieler Wunder ruhten damals natürlich große Hoffnungen und auch auf Karl-Hermann Eickhoff, dem Lenker und Denker der Grün-Weißen, sowie auf Wolfgang Flüshöh, dem Laufwunder der Gohfelder. Überhaupt hatten die Ostwestfalen eine Mannschaft zusammen, die sich in Westfalen nicht verstecken musste. Aber irgendwie lief es an diesem Samstagnachmittag nicht so recht zusammen. Die Gohfelder kamen nie richtig ins Spiel, konnten aber bis zur 70. Minute einen Rückstand verhindern.

Nach einer eher harmlosen "Rempelei" entschied der schwache Schiedsrichter Paulus aus Bingen auf Strafstoß für Frankfurt, der zum 1:0 genutzt wurde. Vier Minuten vor Spielende fiele die Entscheidung vor knapp 1.000 Besuchern, als Rompel den 2:0-Endstand besorgte. Die Frankfurter mussten von der 28. Minute an mit nur zehn Mann auskommen. Ihr Spielmacher Josef Sarocca wurde nach einem Foulspiel an Helmut Schewe vom Platz gestellt. "Eine unmögliche Entscheidung", kommentierte damals Wolfgang Avenarius, Fernsehreporter des Hessischen Rundfunks in der Aufzeichnung in der anschließenden Hessenschau. Trotz des Pokal-Aus bekamen die Gohfelder Kicker Lob von allen Seiten. "Habe kaum Unterschiede gesehen", konstatierte FSV-Trainer und Kirchner-Freund Rolf Birkhölzer (früher hinter Manfred Manglitz Torsteher Nummer zwei beim 1. FC Köln. "Wir waren ein würdiger Pokalgegner", meinte auch Friedrich Kirchner.

Alt-Bundestrainer Helmut Schön zog die Lose

Am Abend fand dann die Auslosung für die 3. Runde beim Hessischen Rundfunk statt. Alt-Bundestrainer Helmut Schön zog die Lose. Nicht mehr dabei war der FC Gohfeld. Aber im Topf der FSV Frankfurt, der in Runde drei zu Wormatia Worms reisen musste und mit 2:0 gewann, aber erst in Runde vier mit 0:1 am SSV Ulm scheiterte.

Die Gohfelder spielten in Frankfurt mit dieser Mannschaft: Rolf Bockermann; Uli Switala, Joachim Fuhrberg, Paul Dunker, Klaus Wunder, Helmut Schewe, Uli Schäffer, Hans "Mecki" Imort, Wolfgang Flüshöh, Karl-Hermann Eickhoff und Burkhard Flaake. Eingewechselt wurden Norbert Rauch und Rolf "Keule" Müller.

Schon zwei Jahre später standen die Gohfelder erneut in der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde. Die Auslosung zur 1. Runde meinte es wieder einmal nicht gut, musste der FCG doch bei den Amateuren des Bundesligisten 1. FC Köln antreten, der an jenem 27. August 1983 vom heutigen DFB-Trainerausbilder Erich Rutemöller trainiert wurde. Es hatte sich inzwischen viel getan am Mittelbach. Trainer Kirchner musste inzwischen seinen Hut nehmen, dafür wurde der ehemaligen Bielefelder Bundesligaspieler Georg "Schorsch" Stürz geholt, der kürzlich verstorben ist. Von der Gohfelder Mannschaft, die 22 Monate zuvor in Frankfurt mit 0:2 ausgeschieden war, waren nur noch fünf Spieler dabei. Im Tor stand Friedel Schüller, sein Ersatz war Andreas Laduch. Ferner wurde mit Werner Pradella, Norbert Pohl, Dieter Pries, Michael Meyer, Peter Aufdemkamp, Kadir Karatay und Thomas Kummer gespielt.

Aber im Kölner Franz-Kremer-Stadion, dem Nebenplatz des ehemaligen Müngersdorfer Stadions, gab es wiederum nichts zu holen. Mit 2:1 blieb der Sieg am Geißbockheim. Klaus Wunder hatte Gohfeld vor 280 Zuschauern und einem heißen Nachmittag (etwa 35 Grad) nach sieben Minuten in Führung geschossen, ehe die Kölner noch den Spieß umdrehten und mit 2:1 den Platz als Sieger verließen. Dabei hatte man in Gohfeld doch fest auf ein Weiterkommen gehofft. Hätte, ja hätten die Gohfelder gewonnen, in der 2. Runde wäre am Mittelbach Bundesligist VfB Stuttgart der nächste Pokalgegner gewesen. So hatten die Kölner Amateure das Vergnügen gegen die Stuttgarter zu spielen, aber sie kassierten am 7. Oktober 1983 eine 1:8-Heimniederlage.

Der FC Gohfeld konnte sich indessen auf die Meisterschaft konzentrieren und das weitere Pokalgeschehen konnten die Stürz, Wunder und Co nur noch am Fernsehschirm betrachten. Die großen Pokal-Auftritte waren für die Gohfelder Kicker damit beendet. Sie waren kurz, aber auch mit viel Schmerz verbunden. Wie sagte damals Gohfelds Eigengewächs Michael Meyer: "Außer Spesen ist nichts gewesen!"

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