Mit Leistung und Körpersprache überzeugt: Jens Bechtloff gehörte in der Hinrunde zu den positiven Erscheinungen. Foto: Oliver Krato - © Oliver Krato
Mit Leistung und Körpersprache überzeugt: Jens Bechtloff gehörte in der Hinrunde zu den positiven Erscheinungen. Foto: Oliver Krato | © Oliver Krato

Lübbecke Zur Halbzeit über dem Strich

Handball-Bundesliga: Auf einem Nichtabstiegsplatz und mit acht Pluspunkten geht Aufsteiger TuS N-Lübbecke in die Spielpause. Diese Ausbeute findet Trainer Aaron Ziercke nach zwischenzeitlich 0:14 Punkten und einer Achterbahnfahrt „völlig in Ordnung“

Andreas Gerth

Wäre die Saison 2017/2018 in der Handball-Bundesliga schon zur „Halbzeit“ zu Ende, hätte der TuS N-Lübbecke sein großes Ziel erreicht. Nach 19 von 34 Spieltagen und vor der nun anstehenden Spielpause rangieren die Ostwestfalen als Tabellen-16. und bester der drei Aufsteiger über dem Strich. „Diesen Platz wollen wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Wir haben es selbst in der Hand“, betont Trainer Aaron Ziercke und stellt diese Aussage in den Mittelpunkt seiner Bilanz. DER START „Acht Punkte sind angesichts unseres Spielplans völlig in Ordnung“, sagt Ziercke. Damit weist der Aufstiegstrainer noch einmal auf das heftige Startprogramm des Aufsteigers hin, der mit 0:14 Punkten ans Tabellenende rutschte. „Realistisch gesehen, wären sogar 0:24 Punkte möglich gewesen. Doch wir haben vor der Saison offen über den Spielplan gesprochen und waren gedanklich darauf vorbereitet, dass wir in eine solche Situation kommen können“, erinnert sich Aaron Ziercke an diese „für uns keinesfalls leichte Phase.“ Deshalb nahm er zunächst auch Abstand von der reinen Ergebnisbetrachtung. „Ich denke, es war sehr wichtig, den Jungs vor Augen zu führen, dass sie trotz der Niederlagen gute Phasen in den Spielen hatten. Sie haben sich von den 0:14 Punkten nicht umwerfen lassen und weiter an sich geglaubt.“ ERSTE ERFOLGSERLEBNIS Im achten Saisonspiel am 8. Oktober war es dann soweit. Das 26:26 beim SC Leipzig bedeutete den ersten Punktgewinn der Lübbecker, die bei einer 26:22-Führung schon wie der Sieger ausgesehen hatten. „Dass Peter Tatai den Siebenmeter abwehrt und uns den Punkt rettet, war enorm wichtig. Wenn wir dort nach diesem Spielverlauf erneut ohne Belohnung geblieben wären, hätten wir wohl einen Knacks bekommen. So aber hat die Mannschaft gesehen, dass es geht“, hebt Ziercke hervor. AUSWÄRTSPUNKTE Die Pluspunkte Nummer zwei und drei verbuchte der TuS N-Lübbecke in den Auswärtsspielen in Ludwigshafen (23:23) und Erlangen (22:22). Kam das Remis gegen die „Eulen“ dank Tim Remers Treffer kurz vor Spielende eher als Punktgewinn zustande, lag der TuS in Erlangen schon mit 17:13 vorn. „Uns fehlt in gewissen Situationen die Bundesligaerfahrung. Man darf ja nicht vergessen, dass wir einige Grünschnäbel im Rückraum haben “, macht Ziercke deutlich und verweist in diesem Zusammenhang auf Spieler wie Kenji Hövels, Jo Gerrit Genz und Ante Kaleb, die ihr erstes Erstligajahr bestreiten. ACHTERBAHNFAHRT Die folgenden Spiele erlebte der Coach als „emotionale Achterbahnfahrt“. Zunächst ging es bergab bei der schmerzhaften 26:27-Heimniederlage gegen Gummersbach. Doch die Mannschaft zeigte eine „großartige Reaktion“ (Ziercke) und stieß den Bock am 26. November mit einem 29:28 beim TVB Stuttgart endlich um. Die Euphorie des ersten Saisonsieges nahmen die Lübbecker mit ins Heimspiel gegen Göppingen und erkämpften im Endspurt ein gefeiertes 25:25 – um zehn Tage später mit dem 22:24 in Hüttenberg wieder ans Tabellenende zu stürzen. „Das war unsere schlechteste Leistung“, legt sich Ziercke fest. DIE DERBYS Beim 22:25 gegen Lemgo war der TuS schon dicht dran. Doch den Sieg gegen einen OWL-Nachbarn hob sich der TuS N-Lübbecke für die „Mutter aller Derbys“ gegen GWD Minden am 21. Dezember auf. „Wir haben das Spiel nicht nur verdient gewonnen, sondern die zweite Halbzeit dominiert. Das war unser emotionales Highlight, weil die Jungs gesehen haben, was möglich ist, wenn wir unsere Sachen durchziehen und auf den Punkt bringen“, unterstreicht Ziercke. DAS FAZIT „Die Niederlage gegen Hüttenberg ist natürlich ärgerlich. Doch es macht keinen Sinn, über nicht geholte Punkte zu reden. Schließlich können wir nicht mehr beeinflussen, was gewesen ist, sondern nur das, was noch kommt. Ich freue mich eigentlich mehr über die acht Punkte, die wir geholt haben, denn damit haben wir weiterhin die Option, unser großes Ziel zu erreichen“, fasst der 45-Jährige zusammen. GEWINNER UND VERLIERER Pechvogel der Hinrunde war Kenji Hövels. Der quirlige Spielmacher zog sich schon im dritten Saisonspiel in Minden einen Mittelhandbruch zu und fiel fast drei Monate aus. „Nur in zwei Spielen hatten wir alle Spieler dabei“, merkt Ziercke mit Blick auf den engen Kader an. Ein Sonderlob des Trainers erhielt Jens Bechtloff, „weil er mit seiner Leistung und Körpersprache vorangegangen ist“. Nicht von ungefähr wurde der Vertrag mit dem 31-Jährigen verlängert. Positiv entwickelt haben sich Joel Birlehm und Moritz Schade. DIE RÜCKRUNDE „Sie wird kein Selbstläufer“, macht Ziercke deutlich. Vorteil ist, dass Lübbecke die direkten Konkurrenten Stuttgart, Hüttenberg, Erlangen und Ludwigshafen allesamt in der Merkur-Arena zu Gast hat. „Druck und Augenmerk liegen auf den Heimspielen. Doch wir sind gut beraten, auswärts für die ein oder andere Überraschung zu sorgen, um den Druck von den Heimspielen zu nehmen“, hat sich Aaron Ziercke vorgenommen.

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