Versuchte viel zu korrigieren: Armin Hensel, der Trainer der Weher Frauen. - © Foto: Stefan Pollex
Versuchte viel zu korrigieren: Armin Hensel, der Trainer der Weher Frauen. | © Foto: Stefan Pollex

Lübbecke Von Nervosität und großer Freude

Handballkiste: Den beiden Verbandsligisten HSG Hüllhorst und TuS Nettelstedt II gelingen zum Saisonauftakt wichtige Siege. Der Oberliga-Einstand der Hüllhorster Frauen geht ziemlich daneben

Vor dem ersten Spieltag herrscht immer eine gewisse Nervosität und Angespanntheit – niemand weiß wirklich, wo man nach der langen Vorbereitungszeit leistungsmäßig steht. Deshalb freuten sich Lars Halstenberg und Sebastian Redeker, die Trainer der beiden Handball-Verbandsligisten HSG Hüllhorst und TuS Nettelstedt II, mächtig darüber, als ihre Teams mit Siegen in die neue Saison starteten. GROSSE ERLEICHTERUNG Bei Lars Haltenberg war deutlich zu spüren, dass ihm nach dem 25:21-Auftakterfolg gegen die HSG Spradow eine große Last von den Schultern genommen worden war. „Ich war vor dem Anpfiff total angespannt, weil ich wusste, wie wichtig dieses Spiel für uns war“, meinte der 29-Jährige nach der Begegnung, die einen der so wunderbaren Hüllhorster Abende bereit hielt. In der ersten Hälfte gelang den Hausherren wenig bis gar nichts, nach dem Seitenwechsel beinahe alles. „Wir haben gezeigt, dass wir gerade vor diesem tollen Publikum unsere Punkte zum angestrebten Klassenerhalt holen wollen und müssen“, freute sich Halstenberg über die starke Darbietung der zweiten 30 Minuten. Was schon jetzt abzusehen ist: funktioniert die Hüllhorster Deckung mit dem energisch zufassenden Innenblock Kreft/Meyer im Zusammenspiel mit den Torhütern (dieses Mal war es Jan-Philipp Schnute), ist immer die Chance zu punkten vorhanden. Dazu kam die wieder einmal überragende Unterstützung durch die HSG-Zuschauer, die sich guter Dinge auf den Heimweg machen konnten. Zuvor hatte der Hüllhorster Trainer in der Halbzeitpause an den Charakter seiner Spieler appelliert, sich „nicht noch weitere 30 Minuten so schwach zu präsentieren“. REDEKERS GEBURTSTAG Sebastian Redeker, der neue Trainer des Verbandsliga-Neulings TuS Nettelstedt II, hatte sich zu seinem 36. Geburtstag einen Sieg seines Teams zum Saisonauftakt gewünscht – und die Mannschaft lieferte prompt. Damit war nicht nur Redekers Geburtstag sportlich gesehen eine rundum gelungene Angelegenheit, dazu kam eine eher lustige Rückfahrt per Bus aus Bergkamen. „Ich muss der Mannschaft ein großes Kompliment machen. Sie war von Beginn an sehr konzentriert und hat die schwere Aufgabe sehr gut angenommen und gelöst. Ich habe nichts auszusetzen an diesem Einstand“, freute sich der 36-Jährige über die ersten zwei Punkte in seiner Trainerlaufbahn. Gleichwohl mahnt Redeker („Ich war ganz schön nervös, das muss ich noch besser in den Griff bekommen“), nicht gleich überzuschnappen, sondern solide weiter zu arbeiten. Am kommenden Samstag steht das erste Heimspiel in der Nettelstedter Sporthalle auf dem Programm, dann erwartet der Aufsteiger den TV Verl – der am ersten Spieltag mit 30:25 gegen den TV Emsdetten II gewann. Grund genug für Redeker, seine Schützlinge unter der Woche akribisch auf den offensichtlich starken Gast vorzubereiten. Zu Beginn der Woche fehlte Rückraumspieler Jan Schröder („Er hat in Bergkamen trotz der Schmerzen viele wichtige Akzente setzen können“) bei den Trainingseinheiten, da er sich eine Rückenprellung zugezogen hat. Sebastian Redeker hofft aber auf einen Einsatz seines stets torgefährlichen Rückraumspielers. GEHLENBECK STEIGT EIN Mit einer Woche Verspätung steigt Landesliga-Aufsteiger TuS Gehlenbeck am kommenden Wochenende in die Saison ein, da das Auftaktspiel in Brake verlegt werden musste. Die Mannschaft Christian Kemenahs genießt dabei Heimrecht gegen Handball Bad Salzuflen (zum Auftakt gab es für die Badestädter eine 27:33-Heimniederlage gegen die SG Bünde-Dünne). Kemenah geht es nun wie seinen Kollegen vor Wochenfrist: er ist ziemlich gespannt darauf, wie sein Team den ersten Härtetest in der neuen Umgebung unter Wettkampfbedingungen bestehen kann. 13 TORE ZU WENIG Das erste Spiel in der Frauen-Oberliga ging für die HSG Hüllhorst ziemlich daneben. Ein realistischer Blick auf das Ergebnis zeigt auch sofort die Schwäche der Mannschaft Christian Wiecherts – sie erzielte lediglich 13 Tore. „Damit kann man natürlich kein Spiel gewinnen. Zu Beginn hat man den Spielerinnen die Nervosität angemerkt, dann kam eine äußerst schwache Chancenverwertung hinzu“, blickte Wiechert noch einmal kurz auf die Partie in Arnsberg zurück. Doch der HSG-Coach übt keinerlei Druck auf sein Team aus. „Ich weiß doch, was wir können. Wir dürfen eben nicht noch einmal so in Ehrfurcht erstarren“, sagt der HSG-Coach, der am kommenden Samstag ab 18.30 Uhr im ersten Oberliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte wieder auf Rückraumspielerin Susann Grüning zurückgreifen kann, die ihren Urlaub beendet hat. „Die Mannschaft kann deutlich mehr als sie in Arnsberg gezeigt hat“, ergänzt Christian Wiechert, der allerdings um die Schwere der Aufgabe gegen den Vizemeister der vergangenen Saison, DJK Everswinkel, genau weiß. Everswinkel wird von Beginn an auf das Tempo drücken. „Dem wollen wir unter anderem mit Emotionen begegnen“, betont der Hüllhorster Coach. DUO FREUT SICH Sehr gute Laune hatten am Samstagabend Torsten Meyer und Torsten Waldmann, die beiden Trainer der Handballfrauen des TuS Nettelstedt. „Vieles ist wirklich gut gelaufen, so ein Start ist schon ordentlich und dürfte für Selbstvertrauen sorgen“, meinte „Jerry“ Meyer zu dem deutlichen 29:19 gegen Aufsteiger TuS SW Wehe. Er wollte den Heimsieg aber auf keinen Fall überbewertet wissen, auch wenn Vanessa Olbrich nach einem Blick auf die Tabelle meinte, man könne die Saison doch am besten sofort stoppen. Torsten Meyer warnt jedoch davor, nach einem Sieg in Euphorie auszubrechen und die Auswärtsaufgabe am kommenden Wochenende in Ibbenbüren mit dem nötigen Ernst anzugehen. „Nur wenn wir wieder so konzentriert in der Deckung arbeiten, werden wir dort eine Chance besitzen“, sagt Meyer, der wieder auf Rückraumspielerin Mona Kruse zurückgreifen kann, die ihren Urlaub beendet hat. HENSEL VERLIERT ZWEIMAL Auf Aufsteiger TuS SW Wehe wartet am zweiten Spieltag ein Heimspiel gegen den TuS Lahde-Quetzen. Trainer Armin Hensel hatte viele Unzulänglichkeiten bei der Derbyniederlage in Nettelstedt zu sehen bekommen, die es möglichst schnell abzustellen gilt. „Die Mädels waren unglaublich nervös vor ihrem ersten Verbandsligaspiel und haben schlicht und einfach zu großen Respekt gehabt“, so Hensel, der sich seinen Einstand auf der Trainerbank sicherlich ganz anders vorgestellt hatte. „Wir haben überhaupt kein Mittel gegen die Nettelstedter 6:0-Deckung gefunden“, sah er als weiteren Grund für die deutliche Niederlage. „Das gilt es jetzt ganz schnell abzuhaken und zu Hause eine bessere Leistung abzurufen“, hofft Hensel auf eine Leistungssteigerung im Kreisduell gegen den TuS Lahde-Quetzen. Bei einer kleinen persönlichen Hochrechnung hofft der Weher Trainer „auf drei oder vier Siege aus den ersten acht Spielen, wobei wir den Großteil unserer Zähler daheim holen müssen“. Zu allem Überfluss kassierte Hensel einen Tag später mit den Weher Herren in der Landesliga gegen den HSV Minden-Nord trotz einer sehr ansprechenden Leistung die zweite Niederlage, so dass sein persönlich wirklich unerfreuliches Wochenende endgültig perfekt war.

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