Alles im Blick: Die Punktrichter Michael Laron (Solingen), Kasin Kurnat (Köln) und die Ringrichter Sergej Kowalenko (Hamburg) und Mustafa Erenay (Solingen) leiteten souverän durch die Kämpfe. - © Heike von Schulz
Alles im Blick: Die Punktrichter Michael Laron (Solingen), Kasin Kurnat (Köln) und die Ringrichter Sergej Kowalenko (Hamburg) und Mustafa Erenay (Solingen) leiteten souverän durch die Kämpfe. | © Heike von Schulz

Espelkamp Espelkamp jubelt: „Danke, Champ!“

Boxen: Lokalmatador Christian Pawlak verteidigte in einem packenden Weltmeisterschaftskampf über zwölf Runden seinen WBU-Gürtel im Supermittelgewicht bei der ersten „Fight Night“ im Bürgerhaus

Das Bürgerhaus glich einem Hexenkessel mit explosiver Atmosphäre, als gegen 23 Uhr der Höhepunkt der ersten „Fight Night“ in Espelkamp nahte. Lokalmatador Christian Pawlak, amtierender Weltmeister im Supermittelgewicht des Verbandes World Boxing Union (WBU), trat zur freiwilligen Titelverteidigung gegen Ziso Poulitsa aus Berlin, amtierender Junioren-Weltmeister im Supermittelgewicht, an. Die Anspannung war nervenaufreibend, als es nach dem offiziellen Prozedere mit Nationalhymne und Deutschlandfahne „Ring frei“ und „Box“ hieß. Bewunderer, Fans und Freunde des „Champs“ feuerten ihr Idol an. Rund 350 Besucher im Bürgerhaus fieberten mit Pawlak, hatte es einen derartigen Profiboxkampf in Espelkamp doch noch nie gegeben. Auch für Pawlak was es das erste Mal, dass er in seiner Heimatstadt zum Weltmeisterschaftskampf in den Ring stieg und sich anschließend – gezeichnet, aber glücklich – feiern lassen konnte. Volle zwölf harte, spannungsgeladene Runden sollten es werden, bis feststand: Espelkamp behält seinen Weltmeister. „Champ“ Christian Pawlak wehrte den Angriff seines jungen, hungrigen Herausforderers ab. Für den Junioren-Weltmeister Ziso Poulitsa aus Berlin, 24 Jahre alt, und damit 14 Jahre jünger als Pawlak, war es die erste Chance in seiner Boxkarriere bei den Männer im Supermittelgewicht um einen Weltmeistertitel zu kämpfen. Er bewies Nehmerqualitäten, zeigte eine bemerkenswerte Leistung und teilte selbst aus. Aber letztendlich packte ihn der kampferfahrene 37-jährige Pawlak, der von Runde zu Runde mehr explodierte und seinen Gegner in die Schranken verwies. Mehrfach wurde der Albaner von dem souveränen Ringrichter Mustafa Erenay, Europapräsident der WBU, angezählt. Aber Ziso Poulitsa war nicht so schnell klein zu kriegen und überstand die Weltmeisterdistanz von zwölf Runden. „In der siebten Runde habe ich mir kurz Sorgen gemacht wegen eines Cuts am Auge, in der neunten Runde wurde die Schwellung etwas stärker. Aber es hat ihn nicht beeinträchtigt. Er hat alle Runden für sich entschieden“, so Pawlak-Betreuer Heinrich Schmidt sichtlich erleichtert. Es war ein phänomenaler Kampf. Am Ende tobte das Publikum und die Anspannung wich echter Freude, als Christian Pawlak die Arme bei der Siegerpose hoch riss. Sein Team, seine besten Freunde und Fans klettern in den Ring zum Gratulieren und für Erinnerungsfotos. Der „Champ“ hatte kaum Zeit zum Verschnaufen. Wenige Tage vor der „Fight Night“ hatte er jugendlichen Bewohnern vom Ludwig-Steil-Hof Eintrittskarten spendiert und einmal mehr sein Engagement für junge Leute und seine Heimatstadt bewiesen. Von 19 Uhr an liefen zwölf Vorkämpfe. Viktor Wanitzek und Dennis Gerzen führten als Kampfansager durch den Boxsportabend vom Feinsten, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. „Es ist ein gefährlicher Sport. Die Kämpfer geben alles, um die Zuschauer hier zu unterhalten“, so Viktor Wanitzek. Zusammen mit Dennis Gerzen, Eik Buscham und Eric Filbrich sind sie „Metachemie“, eine Rock/Gothic-Band, die vor ein paar Jahren eigens Lieder für Profi-Boxer Christian Pawlak schrieb. In der Pause liefen die Stücke „Sieg ohne Ruhm“ und „Herzschlag“ und die Band stellte sich vor. Das neue Album erscheint am 7. Juli. André Gnoevoj (32) aus Espelkamp aus dem Gym Pawlak siegte bei seinem Profidebüt nach einer kurzen, aber heftigen Auseinandersetzung gegen Marvin Kumrow aus Kiel im Cruisergewicht. Der Kampf war auf vier Runden angesetzt, doch schon in der ersten setzte Gnoevoj den K.o. Dafür hatte er hart trainiert. „Ja, gewonnen ist gewonnen. Aber der Kampf war zu kurz, ich konnte nicht zeigen, was Christian mir beigebracht hat“, sagte der Schützling von Pawlak etwas unzufrieden. Ein weiterer besonderer Kampf für alle Espelkamper war das Duell von Selim Sarialioglu gegen Gerrit Kumrow aus Kiel im Leichtschwergewicht. Selim Sarialioglu aus Bückeburg kehrte dafür in den Ring in seine Heimatstadt Espelkamp zurück und verbuchte einen K.o.Sieg in der ersten Runde. Extra aus Dubai war die „Granate“ Mohammadali Bayat Farid angereist und bezwang schlagkräftig Emre Altintas aus Köln im Schwergewicht in der zweiten Runde, ebenfalls durch K.o. Auch wenn die Organisation der „Fight Night“ im Vorfeld holprig verlaufen war, gab es trotz fehlender Werbung ein volles Haus und zufriedene Zuschauer. WBU-Präsident Torsten Knille: „Die Leute wollen gutes Boxen sehen, das zählt. Die Halle in Espelkamp ist zwar klein, aber die Atmosphäre war sensationell.“

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