Anspruchsvoll: Das Buch ist zum 60-jährigen Bestehen der Krebsliga Graubünden entstanden. - © Krebsliga Graubünden
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Höxter/Graubünden Vom Sportstudium zur Krebsliga

Karriere: Der Höxteraner Christoph Kurze wollte eigentlich Sportlehrer werden, leitet nun aber einen Verein, der sich in der Schweiz um die Beratung und Unterstützung von Krebsbetroffenen und Mitbetroffenen kümmert

Torsten Wegener

Höxter/Graubünden. Der gebürtige Höxteraner Christoph Kurze gehört zu den 68ern. Nein, nicht zu der 68er Bewegung, die vor 50 Jahren (11. April) ein Attentat auf ihren Wortführer Rudi Dutschke erlebte, sondern zum Geburtsjahrgang 1968. Nach dem Abitur am König-Wilhelm-Gymnasium folgte neben dem Maschinenbaustudium auch das Lehramtsstudium mit der Fachrichtung Sport. Schon während des Sportstudiums zog es Christoph Kurze in die Schweiz, aus sportlichen, aber auch aus privaten Gründen. Nach dem Studium wurde das Kanton Graubünden, mit den bekannten Wintersportorten St. Moritz und Davos schließlich zu seiner neuen Heimat. Die berufliche Aufgabe hat allerdings nichts mehr mit Sport zu tun, auch wenn er in führender Position in einem Verein arbeitet - der Krebsliga Schweiz. Die Krebsliga ist ein Verein, der sich schweizweit für die Krebsprävention und -früherkennung, die Forschungsförderung sowie die Unterstützung von Menschen mit Krebs und ihren Angehörigen einsetzt. Die Krebsliga Schweiz ist in 19 regionale Verbände aufgeteilt. Einer der größeren davon ist die Krebsliga Graubünden mit dem Geschäftsführer Christoph Kurze. Während eines Besuches seiner Eltern in Höxter schaute Kurze auch in der Redaktion der Neuen Westfälischen vorbei und berichtete, wie er zu diesem herausfordernden Job kam. Zunächst war Kurze am Zürcher Reha-Zentrum in Davos tätig. In der Zeit war er auch an einer Projektarbeit für den Eishockeyclub HC Davos beteiligt, der bei den europäischen Eishockeyfans für den jährlich ausgetragenen Spengler Cup bekannt ist. "Schon in dieser Reha-Zeit war ich mit Menschen konfrontiert, die kämpfen müssen", sagt Kurze, der zu Studienzeiten gerne Triathlon betrieb. Nach fast acht Jahren beruflicher Tätigkeit mit verschiedenen Inhalten und Weiterbildungen an der Reha-Klinik Davos habe es dann verschiedenste Gründe gegeben sich zu verändern. "In dieser Zeit kam ich durch Zufall an die temporäre Aufgabe als Projektleiter eines Jubiläums-Projektes der Krebsliga Schweiz, der Dachorganisation des Verbandes Krebsliga", so der Wahlschweizer. Der Zufall wollte es dann so, dass ausgerechnet in dieser Zeit die damalige Geschäftsführerin der Region Graubünden erkrankte. "Da der Vorstand mit meiner Arbeitsweise als Projektleiter sehr zufrieden war, setzte er mich interimsweise als Geschäftsführer ein. Da die Frau aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in diese Rolle zurückkommen konnte, wurde ich vom Vorstand als offizieller Nachfolger ausgewählt und mit sofortiger Wirkung eingesetzt", berichtet Kurze, wie er zu seinem Posten kam. Sein Büro ist seitdem in der Stadt Chur, wo Christoph Kurze mit der Familie auch wohnt. Dieser Posten sei die Bandscheibe zwischen der operativen und der strategischen Ebene. "Neben der Personalführung geht es an sechs Standorten um die Arbeitsbereiche Kommunikation, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising und im Dialog mit einer Treuhandfirma um die Finanzbuchhaltung", so der Familienvater. Seit zwei Jahren darf er auch als Vorstandsmitglied der Krebsliga Schweiz mitwirken. Einerseits sei das sehr herausfordernd, gleichzeitig aber auch extrem spannend, über den Tellerrand des Kantons hinaus sich zu engagieren und mitzuhelfen, den wertvollen Dienst national wie regional weiterzuentwickeln. Das Kerngeschäft der Krebsliga ist die Beratung und Unterstützung von Krebsbetroffenen und Mitbetroffenen. "Das gehört inhaltlich nicht zu meinen alltäglichen Herausforderungen, das macht unser Beratungsteam." Geraden in dem direkten Kontakt mit den Menschen sieht Kurze einen Vorteil im Schweizer Krebshilfesystem. "Gerade die Nähe zu den Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befinden, ist sehr wertvoll." In fast allen Fällen sei ein System betroffen, also eine größere Anzahl von Personen von denen eine die Diagnose trägt, aber die anderen auch extrem gefordert sind. Das Gespür für die Situation sei am Telefon nur bedingt möglich, das Gespräch an einem Tisch kristallisiere da besser den wirklichen Beratungs-und Unterstützungsbedarf heraus und ermögliche auch zeitnahes Handeln. "Unsere Beratenden stehen im Dialog mit den behandelnden Onkologen, sind in den Regionalspitälern präsent und wir versuchen, den Zugang zu unserem Angebot so niederschwellig wie möglich zu halten", erklärt Kurze. In der Region Graubünden unterhält die Krebsliga sechs Anlaufstellen. Das sei auch nötig, wenn man bedenke, dass man mit dem Pkw einige Zeit brauche, um im Kanton auf den engen Gebirgsstraßen in alle Ecken zu kommen. "Wir sind mit unseren Anlaufstellen da, wo die Menschen sind." »Dann wird der eigene Rucksack schnell leichter« Durch die allmonatlich zu besprechenden finanziellen Gesuche und natürlich den Dialog mit den Mitarbeitenden seien die einzelnen Schicksale auch immer präsent. "Es fällt nicht schwer, eine finanzielle Unterstützung im Rahmen unserer Möglichkeiten zu bewilligen, denn das nimmt den betroffenen Personen oder Familien eine große Last von den Schultern. Die Auseinandersetzung mit den Inhalten hat immer eine gewisse Schwere, man wird konfrontiert mit einem Thema, über das keiner gerne redet. Gleichzeitig relativiert das aber auch die eigenen Probleme. Wenn man sieht, liest oder hört, welchen Schwierigkeiten und Herausforderungen sich die betroffenen Systeme stellen müssen, dann wird der eigene Rucksack schnell leichter." Dass die Hilfesuchenden finanziell unterstützt werden können, ist wiederum eine große Aufgabe von Kurze, denn gut 85 Prozent der anfallenden Kosten müssen über Spenden reingeholt werden.

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