Bad Driburg Sophia Klee erlebt Dramatik pur

Tischtennis: Die erst 14-jährige Spielerin des Bundesligisten TuS Bad Driburg muss eine bittere Erfahrung machen - ausgerechnet gegen ihre Doppelpartnerin verliert sie ein gewonnen geglaubtes Match

Christian Seel

Bad Driburg. "Es war ein Tischtennis-Drama, wie ich es noch nie erlebt habe", konnte Franz-Josef Lingens, Manager des Bundesligisten TuS Bad Driburg den verpassten Sieg gegen Busenbach nicht wirklich fassen. Ein dreieinhalb Stunden dauernder Krimi mit einem dramatischen letzten Einzel bot den über 100 Zuschauern ein Ende, dass keiner so schnell vergessen wird. Nach einem tollen Einstand und erstmals zwei Siegen in den Doppeln konnte Sarah de Nutte und Linda van der Leurs- Cremers ihre Spiele gewinnen, so dass der TuS mit einer 5:3-Führung in die letzten beiden Partien ging. Linda van der Leurs-Creemers verlor klar mit 0:3 gegen ihre ehemalige Hövelhofer Mitspielerin Yvonne Kaiser. Somit kam es zum mit Spannung erwarteten Freundinnenduell: Sophia Klee gegen Anastasia Bondareva. Das war von Dramatik, Spannung und fantastischen Ballwechseln nicht zu überbieten. Die Junioren-Europameisterinnen lieferten sich einen tollen Schlagabtausch auf höchstem internationalen Niveau. »Ich hatte drei Matchbälle und viele Chancen zum Sieg« Klee spielte wie entfesselt auf und war auf der klaren Siegerstraße. Mit 2:1-Sätzen und einer 8:5-Führung im vierten Satz schien der Gesamtsieg zum Greifen nah. Drei Punkte fehlten zum Sieg. Dann nahm Klees Coach Patrick Ruhland eine Auszeit und urplötzlich drehte sich das Spiel. Später mischte sich auch noch der Schiedsrichter ein und ermahnte Anastasia Bondareva mit der Gelben Karte. Immer wieder hatte sie zuvor sich mit lauten Anfeuerungsrufen zwischen den Ballwechseln gepusht und in die Konzentrationsphase beim Aufschlag von Sophia Klee hineingerufen. Ebenso hatte sie das eigene Aufschlagspiel verzögert, begründete der Schiedsrichter seine Entscheidung. Das war der Wendepunkt der Partie. Mit viel Wut im Bauch, angestachelt von der für sie nicht gerechtfertigten Entscheidung des Schiedsrichters und einen unbedingten Siegeswillen kam Bondareva Punkt um Punkt heran und drehte den Satz zum 11:9-Sieg. Sophia Klee blieb äußerlich ruhig. Im fünften Satz lief dann anfangs überhaupt nichts zusammen und Bondareva schaffte es, Klee mit einer großen Energieleistung in die Defensive zu drängen - plötzlich stand es 4:8 gegen Klee. Doch die 14-jährige Bad Driburgerin gab nicht auf und schaffte erneut die Wende. Mit großem Kampfgeist erlief sie die Bälle Bondarevas und brachte fast unmögliche Bälle auf die gegnerische Hälfte zurück. Fünf Punkte in Folge und eine 9:8-Führung waren der Lohn. Alles schien wiederum für Klee zu laufen, bis es erneut zu einer unerwarteten Aktion Bondarevas kam. Nach einem Aufschlag Bondarevas monierte Sophia Klee diesen als einen Netzroller, spielte wie üblich den Ball zurück und hob die Hand. Im Normalfall gibt es nun eine Wiederholung des Aufschlags. Jedoch verweigerte Bondareva dies, der Schiedsrichter gab ihr im Anschluss Recht und zählte den Punkt für Bondareva. Eine umstrittene Szene des Spiels am Ende des Krimis und für viele Zuschauer nicht nachvollziehbare Aktion. Es stand 9:9. Weiterhin erarbeitete sich Sophia Klee mit toller Übersicht und kämpferischer Leistung drei Matchbälle. Jedoch vergebens, stattdessen verwandelte Bondareva ihren ersten Matchball zum 14:12 auch noch mit einem unglücklichen Kantenball auf die Grundlinie. Plötzlich war es ganz still in der Halle und eine riesige Enttäuschung war zu spüren, so dass Sophia Klee zu Boden sank und ihren Tränen freien Lauf ließ. Der Traum vom ersten Heimsieg war geplatzt, das 5:5 war ein gefühlter Punktverlust für den TuS Bad Driburg. "Das ist sehr bitter. Natürlich bin ich sehr enttäuscht. Ich wollte unbedingt gewinnen. Das Verhalten von Anastasia fand ich teilweise unsportlich. Jedoch möchte ich nicht nachkarten, eher muss ich mir an die eigene Nase fassen. Ich hatte den Sieg vor Augen und lag deutlich in Führung, ich hatte drei Matchbälle und viele Chancen zum Sieg auf dem Schläger. Leider habe ich schon im vierten Satz nicht konsequent genug meine Taktik zu Ende gespielt und zu passiv agiert. Es war sicher ein tolles Spiel für die Zuschauer mit einem sehr unglücklichen Ende für mich und mein Team". meinte die sichtlich niedergeschlagene Sophia Klee. Zum Gesamtsieg fehlten ihr und dem TuS Bad Driburg somit nur ein Punkt. Noch lange Zeit später wurde in der Halle nach der Partie über das Spiel diskutiert. In der kommenden Woche trainieren die Doppelpartnerinnen schon wieder gemeinsam im Olympiastützpunkt in Frankfurt mit dem Hessischen Tischtennisverband. Da wird bestimmt auch noch viel Gesprächsbedarf sein.

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