Kreis Höxter Kreisvorsitzender Hermann Josef Koch im Interview

"Plätze werden viel zu schnell gesperrt"

Uwe Müller

Herr Koch, muss den Fußballfans im Kreis Höxter Angst und bange werden, dass es bergab geht? Mit dem SV Steinheim und TuS Erkeln haben schließlich zwei Traditionsvereine ihre Mannschaften aus der Kreisliga A zurückgezogen. Hermann-Josef Koch: Ich denke nicht, hier spielten sicherlich auch interne Gründe ein große Rolle. Es zeigt sich aber, dass es keinen Sinn macht eine Mannschaft aus sogenannten Legionären zusammen zustellen. Der Zuschauer vor Ort will Spieler aus seiner Gemeinde sehen. Verärgert sind jetzt natürlich die A-Ligisten. An jedem Wochenende haben gleich zwei Teams spielfrei. Hätte der Kreisvorstand da nicht flexibel reagieren können und den Spielplan für die Rückrunde entsprechend anpassen können oder gibt das die Spielordnung nicht her? Koch: Natürlich ist das ärgerlich und auch nicht mehr spannend. Aber eine Änderung ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Ein Spielplan wird nach einem Schlüssel aufgebaut, dieser Schlüssel kann nicht mehr verändert werden, da er auch auf andere Klassen dann Einfluss haben wird. Die Spielordnung gibt es aber auch nicht her. Noch einmal: das ist nicht die Regel und war in diesem Jahr eine Ausnahme, ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in Zukunft immer mit derartigen Vorkommnissen zu rechnen haben. Natürlich gibt es immer mal wieder einen Rückzug von Mannschaften, dieser aber kommt fast nur in der Kreisliga C vor, wo die Mannschaften sowieso schon an Personal knapp bemessen sind. Das Wetter hat diesmal schon Anfang August den Fußballern einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Was hat Sie als Kreisvorsitzender noch in diesem Fußballjahr gestört? Koch: Das Wetter ist nicht beeinflussbar, wir müssen es so hinnehmen wie es kommt. So schlimm wie in diesem Jahr ist es aber noch nie gewesen. Was mich aber sehr ärgert ist die Tatsache, dass die Plätze immer schneller gesperrt werden. Wenn ich ein Schreiben einer Kommune bekomme, dass deren Rasenplatz von Ende Oktober bis Ende März gesperrt wird, so kann ich das nicht nachvollziehen. Natürlich müssen die Kommunen aufpassen, dass die Plätze nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber aus meiner Sicht wird viel zu schnell gesperrt. Wir haben uns einige dieser Plätze angesehen und konnten die eine oder andere Sperre nicht nachvollziehen. Aber auch Platzsperren als Freundschaftsdienst machen uns zu schaffen. Da ist eine Feierlichkeit am Wochenende, wo einige Spieler involviert sind, kurzerhand holt man die Platzsperre raus. Was kann der Kreisvorstand da machen? Koch: Hier werden wir reagieren und zur Serie 2018/2019 die Durchführungsbestimmungen ändern. Sollte in der Hinserie eine Platzanlage gesperrt werden, so findet das Spiel automatisch beim Gegner statt - es gibt einen Heimrechttausch. Diesen Vorschlag werde ich dem Fußballausschuss unterbreiten, ich gehe davon aus, dass er diesem folgen wird. Und was hat Sie 2017 gefreut, was war spannend? Koch: Gefreut hat mich die außerordentlich gute Zusammenarbeit mit den Vereinen. Teilweise sind schon echte Freundschaften entstanden. So stelle ich mir eine Zusammenarbeit mit allen Beteiligten vor. Ein großes Problem sind die Schiedsrichter. Die Werbe-Kampagne hatte nicht den erhofften Erfolg, Anwärterlehrgänge mussten abgesagt werden. Haben Sie als langjähriger Schiedsrichter eine Idee, wen man ansprechen sollte und wie man die Leute für die Schiedsrichterei gewinnen könnte? Koch: Das Finden von geeigneten Schiedsrichtern kann nur über die Vereine erfolgen. Wir haben keinen Einblick in Vereinsstrukturen, um uns ein Bild über geeignete Kandidaten zu machen. Würde deutlich mehr Geld etwas bringen? Koch: Wir haben im letzten Jahr die Spesen einheitlich in allen Kreisen deutlich angehoben, wir werden diese zu Beginn der Saison 2018/2019 um nochmal zwei Euro auf dann 24 Euro auf Kreisebene bei den Senioren anheben. Am Geld kann es aus meiner Sicht nicht liegen. Vielmehr ist der Umgang mit den Schiedsrichtern das größte Problem. Hier müssen sich die Verantwortlichen in den Vereinen hinterfragen, ob sie wirklich alles tun, um die Schiedsrichter zu schützen. Niemand ist bereit sich beschimpfen oder bedrohen zu lassen. Eine Entscheidung einfach mal hinnehmen, sich umdrehen und vom Tatort wegzugehen, das würde ich mir von so manchem Spieler wünschen. Ein weiteres Problem ist der Nachwuchs. Die Jugendteams werden weniger, es gibt immer mehr Jugendspielgemeinschaften. Und die richtig guten Spieler der Dorfvereine sind schnell bei der Spvg. Brakel oder bei anderen Stadtvereinen. Spielen in zehn Jahren in der Jugend nur noch die Städte gegeneinander? Koch: Das liegt aber am demografischen Wandel. Auf unseren Dörfern gibt es immer weniger Kinder, um eigene Jugendmannschaften ins Rennen zu schicken. Daher bleibt den Vereinen gar nichts anderes übrig als sich zusammen zu tun und JSG zu gründen. Diese Maßnahme halte ich im übrigen für gar nicht so verkehrt, dient sie doch auch dazu unsere Kinder beim Fußball zu halten. Dass dieses Model gut funktionieren kann, zeigt die JSG Marienmünster. Wenn du die Kinder beschäftigen willst und sie im Verein intrigieren möchtest, bleibt einem nichts anderes übrig als sie zu zentralisieren. Dass Spieler zu einem größeren Verein gehen, ist insofern nicht verwerflich, wenn man ein gewisses Talent sieht und dieses dann auch entsprechend fördern muss. Was ist nicht nachvollziehen kann, ist die Tatsache, dass auch viele andere Spieler den Verein wechseln und dann aber nur in der dritten oder vierten Mannschaft spielen. Das macht keinen Sinn. Ich habe den Eindruck, dass der DFB schon lange den Kontakt zur Basis verloren hat. Die Kampagnen in Sachen Ehrenamt usw. sind für mich nur Alibi. In den oberen Ligen geht es nur noch um Geld und Vermarktung. Mit den vielen Sonntagsspielen in der Bundesliga wird es den Kreisliga-Vereinen ja noch schwerer gemacht. Haben die Verbände oder auch Kreise irgendeine Chance, sich mal bemerkbar zu machen? Koch: Sie werden verstehen, dass ich diese Meinung nicht teilen kann. Gerade der DFB gibt jährlich zwölf Millionen an den Amateurfußball, dazu kommen noch weitere zweistellige Millionenbeträge von der DFL. Dass die Aktionen Ehrenamt, Masterplan usw. nur als Alibi zu sehen sind, weise ich strikt zurück. Gerade in diesem Jahr haben wir im Kreis im Zuge unserer Qualifizierungsoffensive auf Basis der genannten Aktionen sechs Seminare durchgeführt. Die Teilnehmer waren allesamt mehr als begeistert und haben ihre Teilnahme an weiteren Bildungsmaßnahmen angekündigt. Der SC Herstelle ist ein Paradebeispiel dafür, sie waren bei fast allen Seminaren vertreten und haben sich mehr als löblich über diese ausgelassen. Diese Seminare werden ausschließlich aus Geldern dieser genannten Aktionen finanziert. Natürlich geht es in oberen Ligen nur ums Geld. Diese Vereine sind aber auch Wirtschaftsunternehmen mit einem hohen Arbeitnehmeranteil beziehungsweise einen hohen Steueraufkommen. Auch im internationalen Vergleich werden weitere Einnahmen benötigt. Dass die Sonntagsspiele nicht förderlich waren, ist auch klar, aber so schlimm wie befürchtet war es dann doch nicht. Kein Mensch hier bei uns interessiert sich wenn Sonntagnachmittag Freiburg gegen Bremen spielt, die Paarungen der Westvereine untereinander sind auf eine Saison begrenzt - nach meinen derzeitigen Kenntnisstand waren das gerade einmal vier bis sechs Paarungen. Etwas zum Schluss: Nirgendwo in der Welt ist der Zusammenschluss Profis - Amateure so eng wie in Deutschland. Nicht in Italien, Spanien oder auch England, dort interessiert der Amateurfußball keinen. Also wir profitieren schon sehr davon. Wie sehen Sie zurzeit unsere überkreislich spielenden Mannschaften? Koch: Ich denke, dass wir mit unseren überkreislichen Mannschaften mehr als zufrieden sein können. Das war so nicht zu erwarten, hoffentlich hält das auch in der Rückserie an. Es hat keine der Mannschaften bisher enttäuscht. Bei den Damen bin ich gerade von Phönix Höxter sehr positiv angetan. Auch Bökendorf und Ottbergen spielen in ihren Klassen eine gute Rolle. Das ist aber auch wichtig - so lange wir Mannschaften haben, die auf diesem Level spielen, werden wir auch Nachwuchs haben. Für unserer Frauenstaffel ist dieser Trend sehr wichtig. Es ist Winter und daher auch die Zeit des Hallenfußballs. Steht ein neuer Versuch an, Hallenkreismeisterschaften für Senioren zu veranstalten? Gibt es Ideen? Koch: Wir machen uns in jedem Jahr darüber unsere Gedanken, aber so lange die Vereine nicht wollen, werden wir auch nichts mehr unternehmen. Was nutzt es, wenn wir Konzepte entwickeln und es doch niemanden interessiert? Viele Vereine wollen einfach keine Hallenrunde und nehmen nur noch am Masters teil, weil man dort auch viel Geld verdienen kann. Hallenturniere insgesamt sind für viele Trainer nicht mehr angesagt, aus ihrer Sicht ist die Verletzungsgefahr zu groß. Das soll natürlich nicht heißen, dass wir eine Hallenmeisterschaft grundsätzlich ablehnen, wenn es die Vereine wünschen, nehmen wir das sicherlich wieder auf. Zum Abschluss ein paar Tipps: Wer wird Meister der Kreisliga A, welche Teams schaffen den Aufstieg aus den beiden B-Ligen und wer wird Deutscher Meister? Koch: In der A-Liga wird es der TSC Steinheim machen und in der B-Liga Nord die Spvg. Brakel II. In der Gruppe Süd werden wohl Westheim und Scherfede den Meister unter sich ausmachen. Und in der Bundesliga wird wieder Bayern München Meister werden.

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