Engagiert an der Linie: Uwe Beck (28) hat mit dem SV Höxter nach anfänglichen Schwierigkeiten in die Kreisliga A gefunden und zuletzt viermal in Folge gewonnen. - © Foto: christian ulrich
Engagiert an der Linie: Uwe Beck (28) hat mit dem SV Höxter nach anfänglichen Schwierigkeiten in die Kreisliga A gefunden und zuletzt viermal in Folge gewonnen. | © Foto: christian ulrich

"Es ist eine Herausforderung"

Interview: Uwe Beck, 28-jähriger Trainer des Fußball-Kreisligisten SV Höxter, erklärt warum er den Bezirksliga-Absteiger übernahm und auch seine mittelfristigen Ziele

Herr Beck, der SV Höxter hat jetzt viermal in Folge gewinnen. Ist der Knoten nun endgültig geplatzt? Uwe Beck: Wie haben jetzt 13 Punkte aus fünf Spielen geholt. Dass der Knoten geplatzt ist, würde ich jetzt nicht sagen. Wir haben auch vorher gute Spiele gemacht. Aber es ist richtig, wir sind jetzt konstanter, weil wir in einer relativ guten Verfassung sind und als Mannschaft sehr gut funktionieren. Auch sind wir nun in den entscheidenden Phasen einen Ticken galliger als der Gegner. Zu Beginn der Saison haben wir keine Stabilität in der Defensive gehabt und oft auch - auf gut deutsch - auf die Fresse bekommen. Ist nur die stabilere Defensive für den Aufschwung ausschlaggebend? Beck: Nicht nur. Wir haben jetzt auch auf der Torwartposition mit Andy Grassel Stabilität hereinbekommen. Auch werden meine Ideen besser umgesetzt. Ich will, dass wir den Gegner weit von unserem Tor fernhalten. Das war am Anfang noch schwierig, aber wir haben uns da gesteigert. Zudem haben wir unsere Formation nun gefunden, haben wenig Wechsel in der Aufstellung und sind eingespielt. Auch ist die Trainingsbeteiligung mit 18 bis 20 Mann sehr gut. Und natürlich ist nun auch das Selbstvertrauen nun da. Wir spielen jetzt einen guten Fußball, solche Siege wie gegen Vinsebeck oder Erkeln bekommt man nicht geschenkt. »Die Entwicklung der jungen Spieler steht an erster Stelle« Was ist noch drin für den SV Höxter? Beck: Klar wollen wir so viele Punkte wie möglich holen, aber ich werde nicht den Fehler machen und Ziele ausgeben. So blöd es sich anhört: wir müssen von Sonntag zu Sonntag denken. Wir haben jetzt noch zwei Spiele bis zur Winterpause, die wollen wir gewinnen und mit 26 Punkten kann man dann in der Rückrunde etwas weiter oben angreifen. Aber die Steinheimer sind zu weit weg, da wird keiner mehr drankommen. Ob wir Zweiter oder Vierter werden, wäre mir egal. Mir ist die Entwicklung wichtiger und die Art und Weise wie wir spielen. In der nächsten Saison kann man dann Ziele für andere Tabellenregionen ins Auge fassen. Apropos Entwicklung. Sind in der Höxteraner A-Jugend Spieler, die Sie schon im Auge haben? Beck: Auf jeden Fall. Thore Tölke hat als Torwart schon drei Einsätze bei uns gehabt und ist ein sehr großes Talent. Und Jannis Ortmann oder Canek Bicker trainieren regelmäßig bei uns mit. Da haben einige die Qualität für die Kreisliga A. Das ist der Weg, den wir auch gehen wollen: die Entwicklung der jungen Spieler steht an erster Stelle. Bevor wir externe Spieler holen, setzen wir lieber auf den eigenen Nachwuchs. Hatten Sie nicht Bedenken zum SV Höxter zu kommen, der den Durchmarsch von der Landes- bis in die A-Liga machte? Beck: Nein. Es ist eine Herausforderung für mich, zu einem Verein zu gehen, wo es nicht so läuft. Das sehe ich als reizvoller an als sich ins gemachte Nest zu setzen. Wenn man das packt, ist das für mich ein Zeichen von Qualität. Ich wusste, dass es ein Neuanfang ist und wir versuchen es in die richtige Richtung zu schieben. Sie kommen aus dem Paderborner Sportkreis. Kannten Sie den SV Höxter schon? Beck: Höxter kenne ich als gestandenen Landesligisten, die Staffel habe ich schon früher verfolgt. Und ich weiß, dass der Verein eine gewisse Strahlkraft hat. Wie kam der SV Höxter überhaupt auf Sie. Schließlich trainierten sie zuletzt den SC Ostenland II in der Paderborner B-Liga? Beck: Frank Schünemann und ich kennen uns. Da gab es dann den ersten Kontakt mit ihm und den Vorsitzenden Dietlef Bitterberg. Wir waren schnell auf einer Wellenlänge. Es muss nicht nur sportlich, sondern auch menschlich passen. Von der Mannschaft sowieso und auch vom Verein bin ich ganz angetan. Und der Aufwand von Paderborn nach Höxter zu fahren ist mir nicht zu groß. Ich bin beruflich auch viel unterwegs, das macht mir nichts aus. Lucas Balch und Luca Hasenbein gehören zu den Leistungsträgern. Der Verein war froh, die beiden halten zu können. Wie wichtig sind sie für den SV Höxter? Beck: Meine erste Entscheidung in Höxter war Frederic Gierse zum Kapitän zu machen, obwohl er erst 20 Jahre ist. Ich habe es nicht bereut, er macht seine Sache sehr gut. Balch und Hasenbein sind zwei absolute Ausnahmespieler in der A-Liga, die ein Spiel entscheiden können. Aber auch sie müssen sich der Mannschaft unterordnen und im Training Leistung zeigen. Sonst spielen sie nicht. Luca Hasenbein war zum Beispiel zweimal nur Ersatz. Bei mir zählt nicht, ob man in der Landes- oder Bezirksliga Leistungsträger war. Wir haben einen großen Kader und haben somit immer eine Konkurrenzsituation. Sie selbst haben letzte Woche auch gespielt beim SV Höxter II und den späten Ausgleich gegen Brenkhausen II erzielt. Beck: Ja, aber dabei habe ich mich etwas kurios verletzt. Nach dem 2:2 ging es etwas tumultartig zu beim Jubeln, ich bin umgeknickt und habe mir einen Außenbandriss im Knöchel zugezogen. Aber ich helfe gerne in der Zweiten aus, ich will damit auch das Zusammengehörigkeitsgefühl unterstützen - die Zweite und auch die A-Jugend sind mir wichtig. Am Sonntag steht der Rückrundenauftakt mit dem Derby gegen den SV Brenkhausen/Bosseborn an. Was tippen Sie? Beck: Ich tippe auf einen 2:1-Sieg für uns. Aber es wird schwer, denn Brenkhausen schätze ich stärker ein als die letzten Ergebnisse. Außerdem haben wir noch etwas gutzumachen, denn das Hinspiel haben wir 1:3 verloren. Da waren wir Nullkommanull auf dem Platz, waren zu faul. Im Derby muss man auch brennen. Das habe ich damals etwas unterschätzt und uns fehlte die nötige Aggressivität. Der Fehler wird mir nicht noch einmal passieren. Das Interview führte Uwe Müller

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