Tiefe Trauer: Marvin Schwannecke (r.) trauert nach dem tragischen Flugzeugunglück in Kolumbien. Der gebürtige Boffzener lebt derzeit in Medellín. - © NW
Tiefe Trauer: Marvin Schwannecke (r.) trauert nach dem tragischen Flugzeugunglück in Kolumbien. Der gebürtige Boffzener lebt derzeit in Medellín. | © NW

Kreis Höxter Boffzer erklärt Flugzeugunglück in Medellín

Stadionbesuch des Grundschullehrers fällt wegen des tragischen Flugzeugunglücks der Mannschaft des AF Chapecoense aus

Rene Wenzel

Kreis Höxter. "Ich hatte schon Tickets und wollte mir das Spiel im Stadion angucken", sagt Marvin Schwannecke. Warum der gebürtige Boffzer nicht das Final-Hinspiel der Copa Suramericana im "Estadio Atanasio Girardot" besuchen konnte, geht immer noch weltweit durch die Medien: Der Gegner von Atlético Nacional aus Medellín, das brasilianische Erstligateam AF Chapecoense, hat an Bord des Unglücksfliegers gesessen. Schwannecke lag bereits im Bett, als ihn eine Eilmeldung des deutschen Nachrichtensenders n-tv erreichte. "Wenn in Deutschland etwas über Kolumbien berichtet wird, dann muss es schon etwas krasses sein", dachte er sich und blickte mit einem müden Auge auf sein Handy-Display. Er konnte es kaum glauben, dass nur knapp eine Stunde entfernt von ihm ein Flugzeug abgestürzt sein soll. "Ich hatte es erst gar nicht so richtig verstanden. Aber am nächsten Morgen hat mir dann eine Kollegin genau erklärt, was passiert ist", berichtete der 27-Jährige. Dass der brasilianische Verein AF Chapecoense gegen seinen Lieblingsverein Atlético Nacional in der Copa Suramericana antreten sollte, wusste er natürlich. Ihm war aber nicht klar, dass fast das gesamte Team des Gegners in der Maschine saß, die kurz vor dem Landeanflug auf den Flughafen Medellín abstürzte. "Jetzt muss auch ich darauf warten, was mit dem Finale passiert. Kommt ein anderer Gegner oder gibt es gar keinen Sieger in diesem Jahr?", fragt sich Schwanneke, der sich zusammen mit seiner fußballverrückten Kollegin auf das wichtige Duell freute. Denn von seinen Stadionbesuchen weiß er, dass die Stimmung im "Estadio Atanasio Girardot" immer besonderes war. 52.872 Zuschauer sorgten in der Vergangenheit oft für einen "Hexenkessel", wie der Boffzer die Atmosphäre beschreibt. Das dürfte sich in den kommenden Wochen etwas beruhigen. Denn auch die Kolumbianer sind geschockt nach dieser Tragödie. "Meine Kollegen stehen im Lehrerzimmer und sprechen darüber. Im Moment gibt es hier kein anderes Thema", erklärt Schwanneke, der an einer Privatschule Deutsch unterrichtet, gestern Mittag im Gespräch mit dieser Zeitung. Wenn er mal nicht auf der Arbeit ist, dann verbringt der Grundschullehrer viel Zeit mit dem runden Ball. Ob vorm Fernseher, im Stadion oder selber auf dem grünen Rasen. "Bei uns in den Nachrichten laufen die ganze Zeit Bilder von einer Schweigeminute, die Real Madrid im Training abgehalten hat. Das ist für alle hier etwas ganz besonderes, weil es für viele der größte Klub auf der ganzen Welt ist", sagt Schwannecke. Das Finale, dessen Hinspiel in seiner neuen Heimatstadt Medellín stattfinden sollte, sei vergleichbar mit einem Endspiel in der UEFA Europa League. Die Grünen, wie Atlético Nacional genannt wird, sind der erfolgreichste Verein des Landes. Und gegen AF Chapecoense wollten sie eigentlich auch auf der ganzen Welt für Aufmerksamkeit sorgen. Diese hat der Lieblingsklub von Marvin Schwanneke aus Boffzen leider auf eine bestürzende Art und Weise erlangt.

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