Siegerin: Charlotte Schwagmeier zeigt stolz den Pokal des internationalen Blindenturnieres im Tennis. - © Foto: Nicole Sielermann
Siegerin: Charlotte Schwagmeier zeigt stolz den Pokal des internationalen Blindenturnieres im Tennis. | © Foto: Nicole Sielermann

Löhne Blindentennis: Charlotte Schwagmeier ist die weltbeste Spielerin

17-Jährige gewinnt internationales Turnier in Spanien und führt die neue Weltrangliste an. Nur fünf bis zehn Prozent Sehkraft

Nicole Sielermann

So richtig realisiert hat Charlotte Schwagmeier es noch nicht. Vor rund einer Woche stand die Löhnerin im Endspiel des ersten internationalen Blindentennisturnieres in Alfaz del Pi (bei Benidorm/Spanien) – und siegte. Damit führt die 17-jährige Löhnerin die Weltrangliste an – als erste Spielerin in der Geschichte des Blindentennis. Dass Charlotte von Geburt an nur fünf bis zehn Prozent Sehkraft hat, merkt ihr niemand an. Auch auf dem Tennisplatz nicht. Seit 13 Jahren drischt die 17-Jährige auf den kleinen gelben Ball ein – und hatte bis vergangene Woche noch nie gegen „Ihresgleichen" gespielt. „Ich wollte einfach sehen, wo ich stehe", erklärt sie den Grund für die Teilnahme. Fazit? „Es war anders als gewohnt", sagt die Gymnasiastin. Zum einen weil im Blindentennis mit anderen Bällen und mit kleineren Schlägern gespielt wird. Und weil Charlotte Schwagmeier ansonsten ganz „normales" Tennis spielt, hat sie fürs Turnier Extrastunden mit Trainer Marc-René Walter eingelegt. Die haben sich ausgezahlt. 14 Nationen mit rund 60 Spielern traten in Spanien in drei Klassen gegeneinander an. Mittels Attest vom eigenen Arzt und medizinische Tests vor Ort in Spanien wurden die Spieler je nach Sehkraft in Gruppen eingeteilt. „Das Niveau der Teilnehmer war total unterschiedlich", bilanziert der Trainer. „Charlotte war mit Abstand die Beste." Schon alleine, weil „Lotti", wie sie von allen genannt wird, halt Tennis spiele. „Rund ein Drittel der Teilnehmer hat behinderten Sport gezeigt. Die waren technisch überhaupt nicht gut ausgebildet", hat Walter beobachtet. „Warum aber sollen Sehbehinderte oder Blinde nicht auch die Technik sauber lernen?" Ein Ziel, dass er sich zusammen mit Charlotte gesetzt hat: Gemeinsam trainieren sie in Löhne eine Blindentennisgruppe. Und die sind alle total stolz auf ihre erfolgreiche Trainerin. „Ich war vor dem ersten Spiel extrem nervös", gibt die 17-Jährige zu. Mit Vollgas ging sie ins Spiel. „Danach war ich nass geschwitzt – vor Aufregung, nicht vor Anstrengung", sagt sie lachend. Beim ersten internationalen Auftritt waren auch die Eltern – Linda und Friedrich Schwagmeier – an ihrer Seite. „Das war ein tolles Erlebnis", sagen sie stolz. Gemeinsam haben sich Schwagmeiers und Trainer Walter ein Ziel gesetzt: Sie hätten das nächste internationale Blindentennisturnier 2018 am liebsten in Löhne. Das letzte Wort haben aber die Verantwortlichen der Gold-Kraemer-Stiftung – und die haben ihren Sitz in Köln. Bis dahin geht das Training für Charlotte Schwagmeier normal weiter. „Zwischendurch werde ich sicherlich mal wieder speziell Blindentennis trainieren", überlegt sie. „Aber nicht ausschließlich."

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