Hemer VfL Mennighüffen scheitert im Sauerland an seiner miserablen Chancenverwertung

Auch doppelte Überzahl vertan

Toni Bertrams

Hemer. Auf dem Parkett war Party: Die Oberliga-Handballer des HTV Sundwig/Westig feierten ihren 28:27 (17:14)-Erfolg. Zur selben Zeit hockten drei Frustrierte des VfL Mennighüffen in einer Kabine des schmucken Grohe-Forums: Arne Halstenberg, der wegen seiner Knieentzündung nicht gespielt hatte, saß links, ihm schräg gegenüber Trainer Pierre Limberg und ganz hinten rechts in der Ecke Torwart Daniel Habbe. Ihre große Enttäuschung konnten sie nicht verbergen. Überhaupt nicht. "Es ist ja nicht das erste Mal, seitdem ich seit Dezember hier bin, dass das passiert ist", sagte der Mennighüffener Coach später. »Wenn du so viele freie Dinger nicht verwandelst, gewinnst du kein Spiel« Wieder einmal waren die Mennighüffener an ihrer nicht ausreichenden Chancenverwertung gescheitert. "Wenn du so viele freie Dinger nicht verwandelst, gewinnst du kein Spiel", betonte Pierre Limberg. "Dafür ist die Oberliga zu stark." Und als er diese Worte so sprach, rauschten offensichtlich zahlreiche Szenen noch einmal durch seinen Kopf. Es muss sicherlich anerkannt werden, dass es die VfL-Handballer bis zum 27:27 schafften, nachdem sie schon mit 21:26 zurückgelegen hatten. Es gibt allerdings ein großes Aber. In dieser Phase scheiterten Alexander David und Arne Kröger jeweils frei durch an HTV-Keeper Matthias Kohl - und dann bewarb sich der VfL auch noch um einen Fairplay-Preis, als er nach drei Zeitstrafen gegen die Hemeraner ständig in Überzahl war. Das Ergebnis war für das Team von Trainer Hendrik Ernst großartig, mehr als fair eben. Es sprang nur ein Kröger-Törchen heraus. Dabei hatten die Mennighüffener fast eine Minute lang sogar eine Sechs-gegen-vier-Überzahl. Doch Matthias Kohl, der 42-Jährige, lenkte den Ball nach einem Wurf von Arne Kröger an den Pfosten, Jonas Köster bekam einen schlampigen Pass erst hinter der Torauslinie zu packen, Mats Köster ballerte weit am HTV-Kasten vorbei, und Torwart Daniel Habbe traf das leere Sundwiger Tor nicht. "Dann", sagte VfL-Coach Pierre Limberg, "hast du es auch nicht verdient." Obwohl: Der Traum vom Sieg im Sauerland hatte noch einmal reale Züge erhalten. Das lag vor allem auch daran, dass der HTV Sundwig/Westig seine Fehlerquote in der zweiten Halbzeit deutlich erhöhte und längst nicht die Qualität abrief, die Pierre Limberg bei seinen Video-Analysen mehrmals ausgemacht hatte. "Das ist ja das Ärgerliche, wenn die Heimmannschaft nicht so zu ihrem Spiel findet und du als Auswärtsmannschaft die Sachen auf der Hand hast", erklärte der VfL-Trainer, dessen Team nach dem 28:27-Sieg des OSC Dortmund beim Soester TV nun nur noch zwei Minuspunkte weniger als der Tabellenvorletzte hat. Nachdem Arne Kämper per Gegenstoß, Arne Kröger aus dem Rückraum und Kreisläufer Malte Krause nach einem feinen Anspiel von Jonas Köster das 27:27 geschafft und sich die Hemeraner einen Ballverlust geleistet hatten, nahm Pierre Limberg eine Auszeit. "Wir wollten voll auf Sieg gehen", sagte der 45-Jährige. 42 Sekunden waren noch zu spielen. Doch dann zeigten die Unparteiischen passives Spiel an, Arne Kröger musste werfen und fand in Matthias Kohl seinen Meister. Es kam aber noch schlimmer. Sundwigs Rückraum-Mann Christian Klein wurschtelte sich durch, warf irgendwie, und der Ball flutschte Daniel Habbe zum HTV-Sieg durch die Beine. »Da holen wir so geil auf, und dann so eine Grütze« "Den muss man umkloppen", ärgerte sich Mennighüffens Arne Kämper. "Da holen wir so geil auf, und dann so eine Grütze." Indes überlegte Arne Kröger, der zehnmalige Torschütze, ob er seinen letzten Wurf anders hätte platzieren können. "Leider habe ich wieder unten rechts geworfen", meinte der 25-Jährige, dessen Verbleib beim VfL trotz Zusage nach wie vor ungewiss ist. Und wann wird es Klarheit geben? "Wahrscheinlich in der nächsten Woche", erklärte das Rückraum-Ass am Samstagabend im Grohe-Forum. Dass Liga-Rivale TSG A-H Bielefeld sehr großes Interesse an der Nummer eins der Oberliga-Torjägerliste hat (jetzt 150 Treffer), ist kein Geheimnis. "Es wäre natürlich klasse, wenn er zu uns käme", sagt TSG-Teammanager Matthias Geukes.

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