Sein neue sportliche Heimat: Jürgen Fleer auf der Trainerbank des SC Enger. - © Dirk Kröger
Sein neue sportliche Heimat: Jürgen Fleer auf der Trainerbank des SC Enger. | © Dirk Kröger

Sport Legenden: Jürgen Fleer stand einst im Endspiel des UEFA-Cups

Dirk Kröger
Auf dem Spielfeld im Gespräch: Ex-Nationalspieler Hansi Müller (l.) analysiert mit Jürgen Fleer eine Partie zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach. - © privat
Auf dem Spielfeld im Gespräch: Ex-Nationalspieler Hansi Müller (l.) analysiert mit Jürgen Fleer eine Partie zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach. | © privat

Enger. Irgendwie scheint sich der Kreis zu schließen. Jürgen Fleer, heute 59-jähriger gelernter Bekleidungsschneider, begann seine fußballerische Laufbahn einst bei Rot-Weiß Dreyen. Und jetzt ist er wieder in der Stadt Enger tätig, sitzt in Belke-Steinbeck bei den Spielen des frisch gebackenen Kreismeisters SC Enger auf der Bank. Dazwischen allerdings zog es ihn in die weite Welt des ganz großen Fußballs.

Zehn Jahr alt war der kleine Jürgen, als er mit dem Fußballspielen begann. "Eigentlich viel zu spät", kommentiert er heute seine ersten Schritte, die er bis zur D-Jugend bei Rot-Weiß Dreyen unternahm, ehe es den damaligen Stürmer zur großen Arminia nach Bielefeld zog. Als die Jugendzeit vorbei war, wussten alle Experten, welch großes Talent die Bielefelder da hatten. Die aber boten ihm einen Vertrag an, der Fleer nicht gefiel, woraufhin er etwas tat, was heutzutage mehr als nur verpönt ist: Er wechselte von der "Alm" zu Preußen Münster und spielte dort in der 2. Liga, wurde zudem vom damaligen Trainer Rudi Faßnacht zum Verteidiger umgeschult. Die Preußen stiegen trotz Fleer ab - da passte es prima, das im gleichen Jahr der SC Herford in die 2. Bundesliga aufstieg, wo Fleer prompt unter Trainer Otmar Calder seine zweite Profistation erlebte.

Erinnerungen: Jürgen Fleer sieht sich im Sportlerheim Belke-Steinbeck Fotos und Zeitungsartikel aus seiner Zeit als Fußballprofi an. - © Dirk Kröger
Erinnerungen: Jürgen Fleer sieht sich im Sportlerheim Belke-Steinbeck Fotos und Zeitungsartikel aus seiner Zeit als Fußballprofi an. | © Dirk Kröger

Doch bald schon zog es ihn weiter, nun zu Arminia Hannover. Gerd Bohnsack war dort Trainer - und der war mit Jupp Heynckes befreundet, gab dem den Tipp, dass er da vielleicht einen Spieler für die "Fohlen" habe. Und so passierte es, dass der ehemalige Dreyener auf den Bökelberg wechselte, wo er fünf Jahre lang blieb und seine größten Erfolge feierte. 1981 stand Fleer mit den Borussen im Halbfinale des UEFA-Cups, dem Vorgänger der heutigen Europa League. Es ging gegen Inter Mailand - und dieses Spiel wird der Ex-Profi wohl nie vergessen. "Das war das größte Erlebnis meiner Laufbahn", sagt er, "als wir vor 110.000 Zuschauern als erste deutsche Mannschaft in San Siro gewonnen gewonnen haben." Mit 4:2 gewannen die Borussen, um dann im Endspiel auf Eintracht Frankfurt zu treffen und dieses Spiel zu verlieren - es gab also nur einen "Vize"-Titel.

Autogrammkarte: Auf dieses Foto, das Jürgen Fleer (l.) im Zweikampf mit dem heutigen Trainer Arminia Bielefelds, Norbert Meier, zeigt, setzte der frühere B-Nationalspieler oft seinen Namenszug. - © privat
Autogrammkarte: Auf dieses Foto, das Jürgen Fleer (l.) im Zweikampf mit dem heutigen Trainer Arminia Bielefelds, Norbert Meier, zeigt, setzte der frühere B-Nationalspieler oft seinen Namenszug. | © privat

Nach diesem Höhepunkt, an den sich andere mit Gastspielen in Barcelona, Madrid und auch Magdeburg in der DDR anschlossen, folgte bald ein arger Rückschlag. Zwei B-Länderspiele hatte der schnelle Verteidiger aus Dreyen schon absolviert, als er kurz vor dem Sprung in die A-Nationalmannschaft stand, ehe das Verletzungspech unbarmherzig zuschlug: Fleer brach sich die Kniescheibe, musste nahezu zwei Jahre lang pausieren.

Information

Sport-Legenden

In unserer Serie möchten wir an Menschen erinnern, die im Kreis Herford Sport-Geschichte geschrieben haben. Bisher vorgestellt wurden im Rahmen der Serie:

  • Bernd Schulenkorf
  • Istvan Varga
  • Rolf Muchow
  • Heinz Teichert
  • Karl-Heinz Albat
  • Dieter Ristig
  • Rolf Gießelmann
  • Stipan Djanic
  • Otmar Calder
  • Tanja Markmann
  • Uwe Buchtmann
  • Dieter Röhr
  • Dieter Pries
  • Bernd Haake
  • Andreas Lübeck
  • Kurt Holtmann
  • Bernd Wehmeyer
  • Claudia Schweizer
  • Andreas Assner
  • Horst Gamon
  • Lutz Siegert
  • Helmut Rethemeier
  • Michael Oberbremer
  • Peter Erdbrügger
  • Volker Krukenbaum

"Ich hätte in Mönchengladbach bleiben sollen"

Danach versuchte er zunächst bei Fortuna Düsseldorf, dann bei Hannover 96 sein Glück - und fand es nicht wieder. "Das war wahrscheinlich mein größter Fehler", sagt er heute rückblickend, "ich hätte nach der Verletzung und vier Operationen in Mönchengladbach bleiben sollen. Da hätte ich vielleicht auch ein paar Spiele mehr gemacht. Am Ende waren es 101 Bundesliga- und 88 Zweitligaspiele, die auf der Visitenkarte standen, als der damals 30-Jährige seine Profi-Karriere beendete.

Jürgen Fleer blieb bodenständig. "Wenn ich irgendwann mal nicht mehr im großen Fußball tätig bin, komme ich nach Dreyen zurück", hatte er seinem Heimatverein Jahre zuvor versprochen. Und natürlich hielt er dieses Versprechen, war noch fünf Jahre lang als Spielertrainer bei den Rot-Weißen tätig. Es folgten Trainerstationen in Stift Quernheim, Langenheide, im Nachwuchsbereich des SV Rödinghausen und beim TSV Riemsloh.

Dann war Schluss, im Oktober 2014. Fleer, für den eine Laufbahn als Trainer im Profibereich nie ein Thema war, wollte auch bei den Amateuren nicht mehr weitermachen. "Ich habe meine sämtlichen Sportklamotten weggeworfen, leider auch die Thermo-Unterwäsche", berichtet er mit einem Grinsen im Gesicht. Ein Fehler, wie sich ein gutes Jahr später herausstellte, denn nachdem Trainer Michael Bernhardt den SC Enger verlassen hatten, erinnerten sich viele der jungen Spieler an ihren damaligen Rödinghausener Nachwuchstrainer. "Sie wollten, dass ich komme", erklärt der verheiratete Familienvater. Es gab ein Gespräch mit dem Verein. Und nach zehn Minuten war alles klar: Fleer setzte seine Trainerlaufbahn fort, teilt sich seitdem alle Aufgaben mit Sven Tippe. Und endlich einmal hatte er auch einen Aufsieg zu feiern.

Ob er heute - abgesehen von seinem Wechsel zu Fortuna Düsseldorf - alles noch einmal genau so machen würde? "Ich bin nicht unzufrieden", sagt Jürgen Fleer, "weil ich unglaublich viel erlebt habe." Und dann erzählt er von seinem Wechsel nach Mönchengladbach. "Die hatten 26 Spieler im Kader. Wie sollte ich das nur schaffen, da auch zu spielen?". Fleer schaffte es. Und gleich in seinem ersten Bundesligaspiel hatte er mit Rüdiger Abramczik einen populären Gegenspieler. Und dann erst seine Mitspieler am Bökelberg! "Ich habe mir oft das Zimmer mit Lothar Matthäus geteilt", berichtet er. Und natürlich hängt sein Herz auch heute noch an den Gladbachern. "Wenn ich da anrufe und Bescheid gebe, dass ich zu einem Spiel kommen will, ist immer ein Platz in der Business-Lounge für mich reserviert", freut sich der SCE-Trainer darüber, dass er im Rheinland offenbar noch längst nicht vergessen ist.

Reich wurde Fleer als Profi nicht. "Aber durch das Geld habe ich mir ein Haus bauen können", sagt er. Und natürlich wurde in Enger gebaut. Da kommt er her, da gehört er hin.

Und überhaupt: Fleer hat mit Begeisterung von seiner Vergangenheit erzählt. Aber überhaupt nicht mehr zu bremsen ist er, wenn es um die Zukunft geht. Die gehört dem SC Enger. Der Ex-Profi plant die neue Mannschaft des Vereins, will natürlich mit der nicht absteigen. Natürlich wissen die SCE-Spieler um seine Erfolge. "Das ist für einen Trainer aber kein Vorteil. Respekt haben die Jungs eher vor dem Alter", glaubt er. Übrigens: Pro Woche erhält Jürgen Fleer noch zwei bis drei Briefe mit Autogrammwünschen. Schön, wenn man nicht vergessen wird. Und natürlich unterschreibt er gern alles, was ihm da zugesandt wird.

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