Akten statt Tischtennisschläger: Das berufliche Engagement sorgt dafür, dass Andreas Assner "seinem" Sport heute nicht mehr nachgeht - eine Rückkehr an den Tischtennis-Tisch aber schließt er keinesfalls aus. - © Fotos: Dirk Kröger
Akten statt Tischtennisschläger: Das berufliche Engagement sorgt dafür, dass Andreas Assner "seinem" Sport heute nicht mehr nachgeht - eine Rückkehr an den Tischtennis-Tisch aber schließt er keinesfalls aus. | © Fotos: Dirk Kröger

Kreis Herford Sport-Legenden: Andreas Assner

Ein Erfolg sorgt für den Rückschlag

Dirk Kröger
Irgendwie sieht das falsch aus: Andreas Assner unterschreibt vor seiner Rückkehr zum TTC Mennighüffen einen Wechselantrag - und zwar mit rechts. Dem Linkshänder war schon in der Schule beigebracht worden, mit der rechten Hand zu schreiben - und das tut er auch bis heute noch.
Irgendwie sieht das falsch aus: Andreas Assner unterschreibt vor seiner Rückkehr zum TTC Mennighüffen einen Wechselantrag - und zwar mit rechts. Dem Linkshänder war schon in der Schule beigebracht worden, mit der rechten Hand zu schreiben - und das tut er auch bis heute noch.

Kreis Herford. Tischtennis war seine große Leidenschaft - und wohl niemand im Kreis Herford betrieb diese Sportart in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreicher als Andreas Assner. Irgendwie ist Tischtennis immer noch seine Leidenschaft, auch wenn der heute 54-Jährige schon seit Jahren nicht mehr an der Platte steht. Aber wenn er von Tischtennis redet, dann ist zu spüren, dass Andreas Assner für diesen Sport einfach geschaffen ist. Der Beruf indes - der dreifache Vater ist Geschäftsführer eines Küchen-Herstellers in Löhne - verhindert, dass Andreas Assner seinem Sport auch heute noch nachgeht. Einen Schlussstrich gezogen aber hat er deswegen noch nicht.

Die Sache mit dem Tischtennis begann für den kleinen Andreas, als der acht Jahre alt war und ihn seine in dieser Sportart recht erfolgreiche Mutter mit in die Halle nahm - wie übrigens auch Andreas Brüder Michael und Ralf, die später ebenfalls auf Jagd nach dem Zelluloidball waren. Beim TTC Kirchlengern lernte er die Grundlagen dieses Sports, ehe es ihn zum größeren und erfolgreicheren BTW Bünde zog. Dort spielte er als Jugendlicher, half dann beim Herrenteam in der Bezirks- und Verbandsliga aus - und erweckte Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz. Es musste nicht verwundern, dass Assner 1976 beim TTC Mennighüffen anheuerte, der in der Verbandsliga spielte, der damals dritthöchsten deutschen Spielklasse. "Da war ich aber nur ein Jahr", erinnert er sich nur noch vage. Auf jeden Fall wurde Andreas Assner besser und besser - bald musste er einfach er eigenen sportlichen Entwicklung wegen den Kreis Herford verlassen.

Konzentriert: Andreas Assner beim Aufschlag während eines Meisterschaftsspiels in Mennighüffen.
Konzentriert: Andreas Assner beim Aufschlag während eines Meisterschaftsspiels in Mennighüffen.

Ein "Wandervogel" war Andreas Assner nicht, der TTC Grün-Weiß Bad Hamm war der vierte Verein in seinem Leben, mehr sollten auch nicht dazu kommen. Als 17-Jähriger spielte er in Hamm, zunächst in der zweitklassigen Oberliga, dann in der 1. Bundesliga. Die Bundeswehrzeit verschlug ihn in die Sportkompanie nach Warendorf - und Assners Leistungen verbesserten sich immer noch stetig. Er wurde Jugend-Nationalspieler, stand sogar im Kader des Herren-Nationalteams und heimste Erfolge am Band ein.

Die Titel, die er bei Bezirksmeisterschaften als Jugendlicher und Erwachsener gewann, kann er nicht mehr aufzählen. Aber: "1977 wurde ich Deutscher Meister im Mixed", weiß er noch genau, dass er gemeinsam mit Daniela Henkel sogar einen nationalen Titel gewann, zudem im Doppel gemeinsam mit Michael Plum Deutscher Vizemeister wurde und im Einzel Platz drei belegte. Vorher schon war er Zweiter der Deutschen Jugend- und Zweiter der Deutschen Junioren-Rangliste. Bei den Westdeutschen Meisterschaften der Herren erreichte er ebenfalls Platz drei, wobei genau dieser Erfolg einen Einschnitt in seiner Karriere zur Folge hatte.

Information
Sport-Legenden

In unserer Serie möchten wir an Menschen erinnern, die im Kreis Herford Sport-Geschichte geschrieben haben. Bisher erschienen sind:

Bernd Schulenkorf
Istvan Varga
Rolf Muchow
Heinz Teichert
Karl-Heinz Albat
Dieter Ristig
Rolf Gießelmann
Stipan Djanic
Otmar Calder
Tanja Markmann
Uwe Buchtmann
Dieter Röhr
Dieter Pries
Bernd Haake
Andreas Lübeck
Kurt Holtmann
Bernd Wehmeyer
Claudia Schweizer

Bei den "Westdeutschen" hatte Assner im Halbfinale gegen Jochen Leiß verloren, aber zuvor gegen den viel stärker eingeschätzten Ralf Wosik gewonnen. Das ärgerte den Geschlagenen offenbar derart, dass er kurz darauf zum Training in Hamm erschien. "Der wohnte da, war aber vorher nie beim Training", weiß Assner noch, dass es Wosik offenbar nach Revanche gelüstete. Und der Ehrgeiz des gebürtigen Kirchlengeraners wurde dadurch erst so richtig geweckt. "Jetzt mache ich ihn richtig platt!", sagte er zu sich selbst und änderte seine Schlägerhaltung, die vorher die Vorhand besonders betonte und nun die Rückhand verbessern sollte.

"Das gab einen Bruch", weiß er noch genau. Die Vorhand, zuvor seine gefährlichste Waffe, wurde schwächer. "Obwohl ich trainiert habe wie ein Irrer", wie Assner berichtet. Er erinnert sich noch an eine besondere Trainingseinheit, als mitten im Winter in einer Lagerhalle ein Tischtennistisch aufgebaut wurde. An einer Hand trug er einen Handschuh, in der anderen hielt er den Schläger. Es half nichts. "Ich hatte eine echte Krise" weiß Assner noch. Und er erinnert sich auch daran, dass Bundestrainer Christer Johannson ihn wegen der veränderten Schlägerhaltung gewarnt hatte: "Das kommt zu spät", sagte der Schwede - und sollte recht behalten.

Assners Krise sorgte dafür, dass er Hamm wieder verließ und es ihn zurück nach Mennighüffen zog. Hier, wo er nur wenig Druck in einem nahezu familiären Umfeld verspürte, lief es plötzlich wieder: Als Spitzenspieler der Oberligamannschaft blieb er eine ganze Spielzeit lang ohne Niederlage, kam auf eine unglaubliche 31:0-Bilanz und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Mennighüffener in die Regionalliga aufstiegen. "Ich habe da zwei Jahre lang richtig gut gespielt", freut sich der Küchen-Mann heute noch. Trotz der guten Leistungen Assners hielt sich Mennighüffen nur ein Jahr lang in der Regionalliga, der ehemalige Nationalspieler aber blieb.

Lange Zeit hatte er einen besonderen Berufswunsch gehabt, nach seinem Geschichte- und Deutsch-Studium hatte der Tischtennisspieler Lektor werden wollen. Alle Bewerbungen brachten nichts ein, dieser Wunsch erfüllte sich nicht. Assner dachte um, studierte noch einmal, dieses Mal Betriebswirtschaftslehre. Das sorgte auch dafür, dass er es im Sport etwas langsam angehen ließ. In Mennighüffen ging es sportlich bergab, weil der Verein kein Geld mehr für seine 1. Mannschaft ausgeben wollte - Assner blieb, auch als er im Beruf Fuß fasste. Irgendwann aber ging es nicht mehr, seine Frau weigerte sich, die Sporttasche zur Halle zu bringen, wenn er selbst nach der Arbeit es nicht mehr schaffte, daheim in Kirchlengern vorbei zu schauen, bevor es in die Sporthalle ging. "So mit 40 habe ich aufgehört", sagt der Mann, für den die Saison 2001/02 in der Bezirksliga seine letzte sein sollte Aber: Eigentlich hat er ja nie aufgehört.

"Der Beruf war Ersatz für den Sport, ich habe mich da genau so ?reingebissen wie vorher beim Tischtennis", berichtet Assner. Die Bewegung hat ihm gefehlt, auch wenn regelmäßiges Joggen, später auch allmorgendliche Gymnastik und Fahrrad fahren dafür sorgten, dass Gelenke und Muskeln nicht einrosteten. Mitglied im TTC Mennighüffen übrigens ist er immer geblieben. Und, wird der Ex-Bundesligaspieler gefragt, wo könne er denn wohl spielen, wenn er ohne Training jetzt einen Schläger in die Hand gedrückt bekomme. "Bezirksklasse würde ich mir zutrauen", lautet die Antwort. Und dass Andreas Assner auch heute noch Ehrgeiz hat, beweist er mit dieser kleinen Geschichte: "Kürzlich hat der BTW Bünde seine ehemaligen Spieler zu einem Treffen eingeladen. Ich bin da hin gegangen, habe aber vorher meinen Schläger komplett neu belegen lassen. Und da habe ich auch mit Dieter Ristig trainiert - das lief ganz gut und hat richtig Spaß gemacht!". Ristig übrigens, auch ein Ex-Bünder und -Mennighüffener, spielt beim SV Brackwede in der Verbandsliga.

Sport und Alter - auch zu diesem Thema hat Andreas Assner ganz eigene Gedanken. "Ich finde es gut, wenn Menschen mit ihrem Sport alt werden", sagt er, "wenn sie ihn auch mit 60 oder 70 noch betreiben. Genau das macht den Sport doch aus!". Die Aussage, dass es sinnvoll ist aufzuhören, wenn es am besten läuft, empfindet er als "totalen Quatsch". Dass er sich gedanklich von seinem Spirt längst noch nicht verabschiedet hat, wird dann auch deutlich: "Es ist denkbar, dass ich irgendwann noch einmal spiele." Fast klingt es so, als warte der Mann nur darauf, dass er überredet wird.

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