Kräftiger Armzug: Der begnadete Spielregisseur Kurt Holtmann, hier im Spiel gegen den OSC Hörde am 2. Dezember 1972, war auch für die Siebenmeter des TuS Spenge verantwortlich. - © Foto: NW-Archiv (Erich Borowka)
Kräftiger Armzug: Der begnadete Spielregisseur Kurt Holtmann, hier im Spiel gegen den OSC Hörde am 2. Dezember 1972, war auch für die Siebenmeter des TuS Spenge verantwortlich. | © Foto: NW-Archiv (Erich Borowka)

Spenge Sport-Legende Kurt Holtmann

SPORT-LEGENDEN: Kurt Holtmann prägte über Jahrzehnte den Handball in Spenge

Ulrich Finkemeyer
Karrierehöhepunkt: Kurt Holtmann hält die Sonderbeilage dieser Zeitung, die am 2. März 1973 vom Aufstieg des TuS Spenge in die Handball-Regionalliga umfangreich berichtet, vor den vielen Erinnerungen hoch. - © Foto: Ulrich Finkemeyer
Karrierehöhepunkt: Kurt Holtmann hält die Sonderbeilage dieser Zeitung, die am 2. März 1973 vom Aufstieg des TuS Spenge in die Handball-Regionalliga umfangreich berichtet, vor den vielen Erinnerungen hoch. | © Foto: Ulrich Finkemeyer

Spenge. Beinahe zwei Jahrzehnte drückte Kurt Holtmann als Spieler den sportlich stets hoch angesiedelten Spenger Handballern seinen Stempel auf, auf dem Großfeld und in der Halle. Seinen ersten Titel, den des Feldhandball-Ostwestfalenmeisters, holte Holtmann 1955 als 16-Jähriger mit der Jugendmannschaft des TuS Spenge.

Danach folgte die Vize-Westfalenmeisterschaft. Zu Beginn der Feldhandball-Saison 1957/1958 wurde Kurt Holtmann als 18-Jähriger zum ständigen Mitglied (17 Jahre lang) der TuS-Herrenmannschaft und stieg mit ihr sofort von der Landesliga in die Oberliga auf. Zwei Jahre später gehörte der TuS Spenge mit Kurt Holtmann als Lenker und Denker sowie Mannschaftskapitän beispielsweise neben TSV Grün-Weiß Dankersen, TV Hille, VfB Einigkeit Herford und TSV Altenhagen zu den 10 bis 15 besten Feldhandballmannschaften der Bundesrepublik Deutschland.

Vorfreude: Trainer Kurt Holtmann (v. r.), Harald Giesel und Torwart Norbert Lehrich haben den 15:13-Sieg des SC Herford gegen den TuS Spenge vor Augen. - © Foto: NW-Archiv
Vorfreude: Trainer Kurt Holtmann (v. r.), Harald Giesel und Torwart Norbert Lehrich haben den 15:13-Sieg des SC Herford gegen den TuS Spenge vor Augen. | © Foto: NW-Archiv

In dieser Zeit wurde der TuS-Spieler regelmäßig in westfälische- und ostwestfälische Auswahlmannschaften berufen. Am 1. April 1961 spielte Holtmann zusammen mit Helmut Meisolle und Herbert Lübking, den beiden deutschlandweit bekannten Feldhandballspielern von GW Dankersen, in der westfälischen Junioren-Auswahlmannschaft im Ländervergleich gegen den Niederrhein und siegte 18:6.

Seit 61 Jahren Mitglied der Handballabteilung

An solche Spiele erinnert sich der Ur-Spenger, der jetzt schon 61 Jahre Mitglied der Handballabteilung im TuS Spenge ist, sehr gerne. "Es hatte mich schon gereizt, zu GWD zu wechseln. Denn Dankersen war seinerzeit auf dem Weg zur mehrfachen deutschen Feldhandball-Meisterschaft", sagt Holtmann mit etwas Wehmut in der Stimme. Doch Kurt Holtmann blieb der ersten Mannschaft des TuS Spenge bis 1984 treu.

Mit ihr errang "Fritken", wie Holtmann schon in frühen Jahren von seinem Trainer Reinhard Mäsker in Anlehnung an Idol Fritz Walter, Spielmacher und Kapitän des Fußballweltmeisters von 1954, gerufen wurde, seinen größten persönlichen Erfolg.

Information

Sport-Legenden

In unserer Serie möchten wir an Menschen erinnern, die im Kreis Herford Sport-Geschichte geschrieben haben. Bisher erschienen sind:

Bernd Schulenkorf
Istvan Varga
Rolf Muchow
Heinz Teichert
Karl-Heinz Albat
Dieter Ristig
Rolf Gießelmann
Stipan Djanic
Otmar Calder
Tanja Markmann
Uwe Buchtmann
Dieter Röhr
Dieter Pries
Bernd Haake
Andreas Lübeck.

Kurt Holtmann und der TuS Spenge erspielten sich in der Hallenhandball-Saison 1972/73 den Aufstieg in die Regionalliga, der zweithöchsten Klasse im Bereich des Deutschen Handball-Bundes. "Kurt nenne ich Fritken, denn er spielt Handball, wie Fritz Walter Fußball: denkend und lenkend", sagte Mäsker seinerzeit. Die Vorstufe zur Meisterschaft wurde vor 1.000 Zuschauern in der relativ kleinen Werburger Sporthalle mit einem 13:11-Erfolg über den hohen Favoriten TSV Altenhagen genommen. Nach der souveränen Herbstmeisterschaft machte der TuS Spenge am 3. März 1973 mit einem 16:6-Sieg gegen den VfL Kamen die Meisterschaft klar. Stolz nahm Spielführer Kurt Holtmann die Meisternadel des Westfälischen Handball-Verbandes entgegen.

Holtmann wurde erster Ehrenspielführer des TuS Spenge

Nach seinem Ausscheiden aus der Regionalligamannschaft im Jahr 1974, wurde Holtmann in Anerkennung seiner Verdienste zum bis dato einzigen Ehrenspielführer des TuS Spenge ernannt. Als nunmehr 35-Jähriger startete der begnadete Handballer seine Trainerkarriere, die ihn von der Kreisklasse bis hin zur Regionalliga führte.

Mit dem druckfrischen Trainer-C-Schein in der Tasche, heuerte Kurt Holtmann zunächst bei der Spielvereinigung Versmold an. "Ich wollte erst einmal aus Spenge heraus", sagte Holtmann, der nicht in seinem Heimatort als Trainer beginnen wollte. Holtmann blieb drei Jahre in Versmold und schaffte in der Zeit drei Aufstiege.

Dann trainierte er in der Saison 1978/79 den Verbandsligisten TuS Brake. "Der zweite Tabellenplatz war ein guter Abschluss für mich", erinnert sich das Spenger Urgestein. Dann wurde es für ihn richtig spannend. Handball-Regionalligist SC Herford rief Holtmann in die zweithöchste DHB-Spielklasse; er trainierte und coachte eine Saison lang den Sportclub, auch gegen seinen Stammverein TuS Spenge. Zu dem ging er zur Saison 1980/81 zurück. Nach seiner sechsjährigen Trainertätigkeit beim TuS Spenge endete Kurt Holtmanns über 31 Jahre belaufene handballaktive Zeit. Die begann im Jahr 1955 recht spät für den 16-jährigen Jungen vom Spenger Heistersiek.

Eltern hatten keinen guten Eindruck von den Handballern

Der Grund war, dass Kurt Holtmanns Eltern einen nicht so guten Eindruck von den Spenger Handballern hatten. "Sie hatten wohl Angst, ich würde bei denen das Biertrinken erlernen", erzählt Kurt Holtmann am Anfang eines langen Gespräches in seinem Wohnhaus "Am Heistersiek", in dem Großeltern und Eltern schon gelebt haben, und wo Kurt Holtmann seit April 1939 aufgewachsen ist.

Erst als Onkel Erwin aus Oberhausen mit dem Abbruch der familiären Beziehungen zu Schwester und Schwager drohte, durfte der 16-Jährige beim TuS Spenge Handball spielen. "Entweder Kurt spielt jetzt beim TuS oder ich komme nicht wieder." An diese Worte seines zu regelmäßigen Besuchen nach Spenge kommenden Onkels erinnert sich der heute 76-Jährige noch gerne.

Schließlich löste dessen familieninterne Intervention den Startschuss aus für eine beinahe zwanzigjährige Handballspieler-Karriere im TuS Spenge.

Eine „erfolgreiche Zeit“

Als Mitglied des Spielausschusses ließ Kurt Holtmann seine vereinsaktive Zeit beim TuS Spenge ausklingen. Seitdem verfolgt der Radler und leidenschaftliche Skatspieler die Handballpartien des TuS Spenge in der Rolle des Zuschauers. Er begleitete die Handballerkarrieren der Söhne Heiko und Jörn stets mit Rat und Tat, war sogar einmal deren Trainer. Ferner verfolgt er die Trainerlaufbahn von Heiko und die Entwicklung von Enkel Philipp, der in der Spenger A-Jugend und zusammen mit seinem Vater Heiko in der „Dritten“ spielt. „Fast mein gesamtes Freizeitleben drehte sich und dreht sich immer noch um den Handball. Einiges würde ich heute anders machen. Doch die Zufriedenheit überwiegt beim Blick zurück“, sagt Kurt Holtmann. Es war sportlich wie menschlich „eine erfolgreiche Zeit für mich“, schließt der längst zum HandballDenkmal Gewordene seine Erinnerungen ab.

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