Herford Ein Globetrotter ist Trainer des Jahres

SPORT-LEGENDEN: Ehemaliger Herforder Eishockey-Coach Bernd Haake arbeitet erfolgreich in Litauen

Walter Dollendorf
Auszeichnung: Bernd Haake erhielt als Trainer des Jahres in Litauen ein Geschenk der besonderen Art, ein dreidimensionales Abbild seiner selbst in einem Glaskörper. - © Fotos: Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Auszeichnung: Bernd Haake erhielt als Trainer des Jahres in Litauen ein Geschenk der besonderen Art, ein dreidimensionales Abbild seiner selbst in einem Glaskörper. | © Fotos: Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Der Mann ist 69 Jahre alt, wirkt aber mindestens 20 Jahre jünger und denkt nicht an den Ruhestand. Bernd Haake ist ein Weitgereister in Sachen Eishockey. Trainierte zwischen 1983 und 1987 die damalige Herforder EG und war bei unzähligen Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften im offiziellen Einsatz.

Haake führte die HEG, ein Vorläuferverein des heutigen Herforder EV, Mitte der 80-er Jahre in die Regional-und Oberliga. „Wir hatten in manchen Spielen 4.000 Zuschauer. Das war eine unglaubliche Zeit“, sagt Haake. Derzeit ist der gebürtige Preußisch-Oldendorfer, der seit 1981 den Schlittschuh-Verleih auf der Herforder Eisbahn „Im Kleinen Felde“ betreibt, Nationaltrainer Litauens. Im vergangenen Jahr holte sein Team bei der B-Weltmeisterschaft, die im eigenen Land in Wilnius ausgetragen wurde, die Bronzemedaille. „Wir haben uns alle sehr gefreut, aber es war sogar noch ein wenig mehr drin. Das entscheidende Spiel haben wir gegen Kroatien 2:3 verloren. Da hatte uns der Gegner ein wenig Erfahrung voraus, denn die Kroaten haben mit Zagreb eine Vereinsmannschaft, die mit sieben Profis aus Nordamerika in der russischen Eliteliga spielt“, sagt Haake.

Mit der U 20 Litauens holte er zudem bei der U-20-Weltmeisterschaft in Talinn (Estland) die Silbermedaille. Erfolge, die das kleine Land, in dem eigentlich Basketball die Sportart Nummer 1 ist, zu würdigen weiß. Haake und die Nationalmannschaft wurden zu einem Empfang bei Staatspräsidentin Dalia Grybauskaité eingeladen. Für die Mannschaft des Jahres gab es Urkunden in von Elfenbein umfassten Rahmen. Bernd Haake erhielt später eine besondere Ehrung: Er wurde zum litauischen Trainer des Jahres ernannt, erhielt dafür einen Glaskörper mit einer dreidimensionalen Fotografie seiner selbst.

Diese Ehrung ist so etwas wie der Höhepunkt einer langen Karriere. Haake begann als Vorsitzender, Trainer und Spieler in Brackwede. Seine ersten große Erfolge feierte er in Herford. Später war er fünf Jahre Co-Trainer des Kölner EC, wo er unter anderem mit dem russischen Star-Coach Wladimir Wassiljew zusammenarbeitete. Sechs Jahre arbeitete Haake als Co-Trainer bei den Iserlohn Roosters. In Südtirol wurde der Mann aus Ostwestfalen italienischer Meister mit Bozen und Sterzing. Er trainierte die Nationalmannschaften von Spanien, Australien und Neuseeland. In Südafrika führte er 2004 ein Team aus der namibischen Hauptstadt Windhoek zum Titelgewinn im Inline-Hockey. In Brasilien leitete er ein Trainingszentrum. Zudem arbeitete er 17 Jahre für den Deutschen Eishockey-Bund in Füssen. „Da habe ich insgesamt rund 7.000 Kinder trainiert“, sagt Haake, Er betreute unter anderem die Nationalmannschaften von Kanada und den USA bei diversen Weltmeisterschaften oder Olympischen Turnieren und arbeitete auch bei der Organisation von Fußball-Großereignissen mit. Der Mann spricht neben Deutsch auch Französisch, Spanisch, Italienisch und Englisch. Eishockey studierte der Ostwestfale an der Universität von Edmonton in Calgary. Dort erwarb er die höchste kanadische Trainerlizenz, was nicht die schlechteste Referenz darstellt.

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Kandidaten

Der Herforder EV, Aufsteiger in die Regionalliga, will die internationalen Kontakte Bernd Haakes nutzen und hat ihn beauftragt, sich nach Verstärkungen umzuschauen. Haake hat auch zwei Kandidaten seiner litauischen Nationalmannschaft im Visier. „Voraussetzung ist aber, dass der HEV eine dritte Trainings-Eiszeit in der Woche bekommt, denn zweimal Training wäre für die Jungs zu wenig“, sagt Haake. Möglich sei dies, wenn die Eiszeit der britische Armee, die in diesem Jahr aus Herford abzieht, dem HEV zugeschlagen werde.

Auch wenn er derzeit viel Zeit in Litauen verbringt, verfolgt Bernd Haake das Eishockey-Geschehen in Deutschland im allgemeinen und in Herford im speziellen ganz genau. Wenn es möglich ist, schaut er sich die Herforder Heimspiele an. „Es ist für mich wie eine kleine Zeitreise. Immer wieder begrüßen mich Leute, die schon in den 80-er Jahren im Eisstadion waren. Heute kommen sie mit ihren Kindern zum Eishockey“, sagt Haake mit einem Lächeln.

Der Aufstieg des Herforder EV hat ihn sehr gefreut. „Die Regionalliga ist für Herford derzeit genau die richtige Klasse. Das Ziel sollte sein, um die Deutsche Regionalliga-Meisterschaft mitspielen zu können“, sagt Haake. Insgesamt sieht er in Herford keine schlechten Voraussetzungen für leistungsorientiertes Eishockey, obwohl der Verein eine Menge Geld in die Hand nehmen muss, um die Eiszeiten bezahlen zu können und das Stadion „Im Kleinen Felde“ zudem nicht ganzjährig genutzt werden kann. „Das Stadion ist nach und nach modernisiert worden. Eine Entlüftungsanlage wie in Herford gibt es zum Beispiel am DEL-Standort Iserlohn nicht“, sagt er. Dass aber immer mehr Eishallen in Deutschland aus Kostengründen schließen, sieht er mit Sorge. „17 Eishallen haben in den letzten Jahren in Deutschland zugemacht. Gefährdet sind derzeit auch die Hallen in Hamm, Unna, Soest und Bergkamen“, so Haake.

Sorge bereitet dem erfahrenen Sportler, der sich nicht nur für Eishockey begeistert, zudem, dass den Kindern durch die Ganztagsschulen immer weniger Zeit für die sportliche Betätigung bleibt. Dabei erfüllt der Sport für Haake wichtige gesellschaftspolitische Aufgaben. „Wer Sport treibt, lernt neben körperlicher Disziplin unter anderem auch Respekt, was für mich ein ganz hohes Gut ist. Deshalb kann ich allen Politikern nur raten, auf keinen Fall am Sport zu sparen“, so Haake.

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