Viel gefragt: Maarten Nijland (l.) im Gespräch mit Franz Urban, dem Vater seines langjährigen Konkurrenten Malte Urban. - © Yvonne Gottschlich
Viel gefragt: Maarten Nijland (l.) im Gespräch mit Franz Urban, dem Vater seines langjährigen Konkurrenten Malte Urban. | © Yvonne Gottschlich

Herford Stammgast aus den Niederlanden fährt den nächsten Sieg in Herford ein

Radsport: Maarten Nijland startet zum 15. Mal beim Herforder Silvester-Crossrennen. Der langjährige Konkurrent des Herforders Malte Urban gewinnt in der Masters-Klasse und denkt dann in der Badewanne darüber nach

Dirk Kröger

Herford. "Ist das nicht . . .?", ließ ein Besucher des Herforder Querfeldeinrennens seine Frage unvollständig. Und sie wurde dennoch beantwortet: Ja, er ist es. Gemeint war Maarten Nijland, mittlerweile 41-jähriger Niederländer, der sich vor Jahren beim Crossrennen am Elisabethsee stets spannende Duelle mit Lokalmatador Malte Urban lieferte. "Ich habe das Eliterennen sieben Mal gewonnen", weiß Nijland. Am letzten Tag des Jahres 2017 startete Nijland bereits zum 15. Mal in Herford, denn der Mann, der erst als 16-Jähriger mit dem Radsport begann, war schon als Junior und als U-23-Fahrer zu Gast in Ostwestfalen. Nach seiner erfolgreichen Zeit in der Eliteklasse legte er eine Pause ein. Sieben Jahre lang war von Maarten Nijland in sportlicher Hinsicht kaum etwas zu hören. Und dann juckte es ihn wieder. Im Jahr 2016 machte er sich wieder auf den Weg nach Herford - inzwischen als Matersklasse-Fahrer. Und ein Jahr später gewann er mal wieder. 50 Euro Siegprämie gab es dafür. "Das ist viel", sagt der Routinier, "in Holland gbt?s nur 15 Euro." Nun gut: In Herford hatte Nijland zuvor auch noch 13 Euro Startgeld bezahlen müssen. Und die 50 Euro waren ohnehin schon vor dem Rennen wieder weg: "Ich kaufe für den Betrag in Deutschland Silvester-Raketen, die sind hier billiger als in Holland", sagt er. »Ich kann besser laufen als fahren« Der letzte Tag des Jahres begann für den Mann als Oldenzaal so richtig gegen 9 Uhr, als er sich auf die 115 Kilometer lange Strecke nach Herford aufmachte. "Die Fahrt hat länger gedauert als gedacht, weil ich noch in eine Polizeikontrolle geraten bin", berichtete er. Zwei Stunden nach der Abfahrt war er mit dem Rad auf der Strecke. "Der viele Matsch liegt mir", berichtet der Vater dreier Kinder im Alter von acht, zehn und zwölf Jahren. "Ich musste viel laufen. Aber ich kann sowieso besser laufen als fahren", erklärte er seinen Erfolg bei den "Senioren". Nach der Siegerehrung gab's für Nijland Kaffee und Kuchen. "Das gehört für mich dazu", sagt er. Gegen 15 Uhr ging's wieder Richtung Oldenzaal. Und dort dann in die Badewanne. "Da kann ich entspannen, und habe außerdem das Rennen noch einmal im Kopf und überlege, was ich falsch gemacht habe", berichtet er. Viel zu überlegen gab es da dieses Mal wohl eher nicht. Aber bei Nijlands wird natürlich auch gefeiert. "Wir essen gemeinsam mit unseren Eltern und Freunden, dann wird der Fernseher eingeschaltet und es gibt Spiele für die Kinder. Um Mitternacht kommt dann regelmäßig Nijlands 50-Euro-Einkauf aus Deutschland zum Einsatz, dann wird geböllert. Und gestern war das Crossrennen in Herford fast schon wieder vergessen, denn auch im Hause Nijland gibt es Traditionen: "Um 11 Uhr kommen meine Eltern und Schwiegereltern zu Kaffee und Kuchen." Der Mann hat also zum Jahreswechsel stets eine Menge vor. Stört es die Familie da nicht, dass er da auch noch zwischendurch auf zwei Rädern über matschige Wiesen fährt? "Nein", muss er lachen, "die kennen das ja gar nicht anders. Und ich freue mich immer auf Herford, weil ich hier jedes Mal viele Freunde treffe." Zu denen gehört natürlich auch sein einstiger Widersacher: Auch mit Malte Urban plauderte der Niederländer. Zu einem erneuten Duell auf der Crossstrecke allerdings vermochte auch er den ehemaligen Deutschen Meister aus Herford nicht zu überreden. "Die Zeit ist vorbei", sagte Urban.

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