Durch den Matsch: Sieger Paul Lindenau vom Stevens Racing Team ließ sich von der anspruchsvollen Strecke nicht beeindrucken. - © Yvonne Gottschlich
Durch den Matsch: Sieger Paul Lindenau vom Stevens Racing Team ließ sich von der anspruchsvollen Strecke nicht beeindrucken. | © Yvonne Gottschlich

Herford Herforder Erfolge beim Radrennen sind rar gesät

Paul Lindenau gewinnt in der Eliteklasse beim Herforder Silvester-Querfeldeinrennen. Yannick Gruner scheidet aus. Aus dem Melde- wird kein Teilnehmerrekord, weil viele Fahrer der Hobbyklasse nicht nach Herford anreisen

Dirk Kröger

Herford. Es war der wärmste Tag, an den sich Volker Platz beim Herforder Silvester-Querfeldeinrennen erinnern konnte. 12, 13 wurden zur Mittagszeit gemessen - von Schnee und Eis gab es keine Spur. Dafür aber viel Matsch, denn die Regenfälle in den Tagen zuvor hatten den Rundkurs an der Gesamtschule Friedenstal gewaltig aufgeweicht. "Eine brutal harte Strecke", stellten denn auch schon die Teilnehmer der Nachwuchsklassen fest. Das schlechte Wetter an den letzten Tagen des vergangenen Jahres war wohl auch schuld daran, dass aus dem Melderekord für das traditionelle Rennen kein Teilnehmerrekord wurde. 327 Radsportler und -sportlerinnen hatten ihre Meldung abgegeben, nur gut 200 starteten. Vor allem in den Hobbyklassen gab es viele Ausfälle. "Der Boden ist extrem", stellte auch Dietmar Müller, Vorsitzer des gastgebenden RC Endspurt Herford, fest. Weil der Rundkurs so schwer zu befahren war, wurde er sogar verkürzt. "Wir haben im Wald und auf der Wiese etwa 200 Meter 'rausgenommen, weil die Rundenzeiten ansonsten zu lang gewesen wären", erklärte er. Möglicherweise war diese Strecken-Verkürzung auch schon ein Hinweis auf das Rennen des Jahres 2018, denn das muss auf jeden Fall wegen anstehender Bebauungen im südlichen Teil der bisherigen Strecke verändert werden. "Ich habe eine Alternative für die Streckenführung im Kopf", erklärte Müller, "aber auch ein erneuter Umzug ist möglich." Zu hören war sogar von inoffiziellen Überlegungen, das Rennen in Kooperation mit einem anderen Verein auszutragen - und dann nicht mehr in Herford. Denkbar ist auch das, denn Müller sagt: "Wir müssen ein Rennen für die Sportler machen, nicht für die Zuschauer." Rund 1.000 Besucher hatten sich dieses Mal auf den Weg zum letzten sportlichen Ereignis des Jahres in der Hansestadt gemacht. Sie sahen nur wenige RCE-Erfolge - bester Herforder Fahrer war ausgerechnet der Vereinsvorsitzende Müller, der in der Masters-3-Klasse den siebten Rang belegte. »Wir werden ihn wieder aufbauen!« Auch im Eliterennen gab es rein sportlich aus Endspurt- Sicht wenig Positives, denn der für das Stevens Racing-Team fahrende Herforder Yannick Gruner musste an sechster Position liegend nach gut der Hälfte des Rennens wegen eines technischen Defekts an seinem Rad aufgeben und schlich danach sichtlich geknickt über das Veranstaltungsgelände. "Wir werden ihn wieder aufbauen!", versprach indes sein Teamkamerad Paul Lindenau. Der 21-Jährige Titelverteidiger, tags zuvor auch schon in Vechta erfolgreich, hatte sich den Sieg vor seinem Bruder Max (23) gesichert und gilt nun als Favorit auf den Titelgewinn bei den Deutschen Meisterschaften in knapp zwei Wochen. Ein wenig war der Sieger, der auch den Deutschland-Cup in der U-23-Klasse gewann, selbst von seinem Erfolg zum Jahresabschluss überrascht, denn: "Eigentlich bin ich ein Schönwetter-Fahrer. In Herford ist aber immer schlechtes Wetter, und die Strecke war technisch sehr anspruchsvoll", erklärte er. Rund ein Drittel des zwei Kilometer langen Rundkurses musste Lindenau mit geschultertem Rad laufen, in den Runden drei und vier setzte er sich dann aber entscheidend ab. Für eine Überraschung sorgte der Mann, der hinter den Lindenau-Brüdern als Dritter aufs Siegertreppchen durfte: Wolfram Kurschat nämlich erkämpfte sich die Bronzemedaille - und das, obwohl er als 43-Jähriger durchaus Vater der beiden vor ihm liegenden Sportler hätte sein können. Der zweifache ehemalige Deutsche Meister im Mountainbike-Fahren übrigens gehört keinem großen Team an: Der Mann aus Neustadt an der Weinstraße fährt auf eine Rechnung - für das Kurschat Consulting Racing-Team.

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