Guter Besuch zur Weihnachtszeit: Am 23. Dezember besuchen in der niederländischen Ehrendivision 15.012 Zuschauer den 3:1-Heimsieg des AZ Alkmaar gegen den SC Heerenveen. - © Stefan Hageböke
Guter Besuch zur Weihnachtszeit: Am 23. Dezember besuchen in der niederländischen Ehrendivision 15.012 Zuschauer den 3:1-Heimsieg des AZ Alkmaar gegen den SC Heerenveen. | © Stefan Hageböke

Herford Stefans Fußballreisen: Jahresfinale in Nordholland ohne Rudi Carrell

Käsekugeln ersetzen Kultur

Stefan Hageböke

Herford. Temporäre Engpässe haben die Konsultation von Käsemarkt, Biermuseum, markanter Stadtwaage sowie der massiv frequentierten Bronze-Büste des viel zu früh verstorbenen Showmasters Rudi Carrell verhindert. Der strikte Rahmenterminplan unseres NW-Kolumnisten Stefan Hageböke erfordert nämlich bei seiner letzten Fußballreise des Jahres ins nordholländische Alkmaar den unabdingbaren Verzicht auf alle Altstadtattraktionen. Schließlich erfolgt die Reise ins geliebte Nachbarland nicht zum Vergnügen, sondern zur knallharten journalistischen Recherche. Einen Tag vor Heiligabend ist der niederländische Profifußball an Warmherzigkeit nicht zu überbieten. An der südlichen Stadtperipherie lädt die eigentlich für Balljungen gedachte Seitentür unverhofft zum kostenlosen Eintritt für das Spiel AZ Alkmaar gegen SC Heerenveen ein. Nach vollzogenem Gruppenfoto mit der hochwichtigen VIP-Gruppe in der Mixedzone bietet der Presseraum den fachgerechten Unterschlupf bei qualitativ ausbaufähiger Ernährung. Allerdings will der Autor mit den zu schwammig geratenen Roggen- und Weizenbrötchen nicht zu hart ins Gericht gehen, zumal die kulinarische Entschädigung auf der späteren Pressekonferenz noch folgen wird und die mit ehemaligen Alkmaarer Trainerikonen bebilderten Wände einen Hauch des Pariser Louvres widerspiegeln. Und so mutiert Gertjan Verbeek – wegen seiner beruflichen Vergangenheit beim VfL Bochum vom Lokalkollegen Peter Steinert besonders hochgeschätzt – zur stilvollen maskulinen Mona Lisa. Nach torloser erster Halbzeit nimmt die Partie in den zweiten 45 Minuten richtig Fahrt auf: Pelle van Amersfoort bringt Heerenveen in Führung. Die egalisiert Denzel Dumfries in der 80. Minute unfreiwillig per Eigentor, ehe der nigerianische Einwechselspieler Fred Friday mit einem Doppelschlag den 3:1-Sieg für Alkmaar perfekt macht. Da schmecken die nach Schlusspfiff in drei Variationen kredenzten frittierten Käsekugeln noch einmal so lecker und bilden mit den im Überfluss vorhandenen Kaffeevorräten die passende Wegzehrung für die 330 Kilometer lange Rückreise.

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