Hinter Gefängnismauern: Fußballlehrer Christoph Daum trainierte und diskutierte gestern mit jugendlichen Straftätern in der Justizvollzugsanstalt Herford. - © Ulrich Finkemeyer
Hinter Gefängnismauern: Fußballlehrer Christoph Daum trainierte und diskutierte gestern mit jugendlichen Straftätern in der Justizvollzugsanstalt Herford. | © Ulrich Finkemeyer

Herford Fußballtrainer Christoph Daum zu Gast in der Herforder Justizvollzugsanstalt

Er gibt Tipps zum Fußball und zum Leben

Ulrich Finkemeyer

Herford. "Aus Fehlern lernen und nach Rückschlägen niemals aufgeben" sind Elemente der Lebensphilosophie des Fußball-Lehrers Christoph Daum - aus eigener Lebenserfahrung ("Ich habe mal Schei... gebaut und bin wieder aufgestanden") entwachsen. Mit dieser Einstellung trat der national und international bekannte Fußballtrainer gestern 22 Fußball begeisterten jugendlichen Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Herford entgegen, spielte mit ihnen Fußball und wechselte im Anschluss an die einstündige Trainingseinheit vom Hartplatz der Anstalt in die Sporthalle, um mit den jungen Straftätern zu diskutieren. "In der Gemeinschaft, und sei sie noch so heterogen, Fußballspielen ist wie im richtigen Leben: Eigenverantwortlich in der Gruppe agieren, sich einfügen und gemeinsam ein Ziel verfolgen, nämlich Erfolg haben. Aber auch mit Misserfolg umgehen und aus Fehlern lernen, will gelernt sein - wie im richtigen Leben", erklärte Christoph Daum (64). Der ist kein Sozialromantiker, sondern aus jahrelanger Erfahrung als Spieler und Trainer knallharter Realist. Das zeigte der ehemals jüngste Bundesliga-Trainer (mit 31 Jahren) auf dem Fußballplatz, wenn er seine Teilzeit-Schützlinge mit klaren Anweisungen positiv motivierte. Eine Auswahl: "Umschalten, nicht abschalten. Macht es langsam, dafür genau. Es muss am Anfang nicht alles perfekt sein." Dieser positive Umgang mit den Häftlingen, aber vor allem die Kleinprojektvorstellung des Fußballlehrers Daum motivierte JVA-Leiter Friedrich Waldmann spontan zur Aussage: "Das spricht aus meinem Herzen." Resozialisierung ist das zentrale Anliegen Waldmanns und seiner vielen Mitarbeitern in der Justizvollzugsanstalt. Berufsausbildung und Schulabschluss sind ein Teil des Planes, die jungen Straftäter wieder ins Leben zurückzuführen. Aber auch körperliche Ertüchtigung, vornehmlich in Mannschaftssportarten wie Fußball, American Football, Volleyball und auch Tischtennis, gehören zum Programm, ergänzt mit Auftritten erfahrener Fußballer wie Horst Eckel, Oliver Kahn, Klaus Fischer oder Willi Landgraf. Dass jetzt ein welterfahrener Fußballlehrer wie Christoph Daum den Weg in die JVA Herford fand, ist der "schwachen" Belegung der JVA Münster geschuldet. Eigentlich wollte Daum ein zweites Mal dort sein Projekt "Training und Diskussion mit jugendlichen Straftätern" durchführen. Doch es konnte aufgrund mangels geeigneter Insassen keine Mannschaft gebildet werden. Daums Vermittler Wolfgang Töpfer fragte deshalb in der JVA Herford nach - mit Erfolg. "Durch Leistung bekannte Sportler werden von den Jugendlichen anerkannt. Da ist ein Erfolg solcher Initiativen, wie sie Christoph Daum unternimmt, programmiert", untermauerte JVA-Leiter Waldmann die Einladung des zuletzt in Rumänien tätigen Fußballtrainers Christoph Daum.

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