Sektdusche: Yannick Pott hat es auf Stephan Fransen abgesehen, der der klebrigen Feuchtigkeit nicht entfliehen kann. - © Dirk Kröger
Sektdusche: Yannick Pott hat es auf Stephan Fransen abgesehen, der der klebrigen Feuchtigkeit nicht entfliehen kann. | © Dirk Kröger

Herford Acht Spieler sind am Aufstieg des TC Herford beteiligt

Tennis: Wenn belgisches Bier ins Spiel kommt und der ganze Keller voller Bananen ist, dann sind das die Aufstiegshelden. Der Spielertrainer sieht sich als Vater des Teams – aber es gibt auch einen Opa

Dirk Kröger

Herford. Genau acht Spieler setzte der TC Herford in der abgelaufenen Verbandsliga-Saison und im gestrigen Aufstiegsspiel gegen den Mindener TK ein. Die NW-Sportredaktion versucht im Folgenden, die Aufstiegshelden zu porträtieren, wobei Trainer Markus Menzler dabei tatkräftige Unterstützung leistete. Jonas Merckx Der 24-jährige Belgier kann ein paar Worte deutsch. In der Verbandsligasaison hatte er zwei Einsätze, gewann dabei ein Einzel knapp, eines deutlich und war auch im Doppel zweimal erfolgreich. „Ein junger Spieler, der gut in die Mannschaft passt", freut sich Markus Menzler über die Verpflichtung des aus einer Sportlerfamilie stammenden Mannes, dessen Eltern beide Sportlehrer sind. Der Name legt es eigentlich nahe – aber Radfahrer gibt es in dieser Merckx-Familie nicht. Dafür aber Bier: Zum Einstand brachte der Belgier Gerstensaft aus seiner Heimat mit. Alban Meuffels Drei Spiele ohne Satzverlust bestritt der 25-jährige Niederländer für den TC Herford, ehe ihn eine Verletzung bremste. „Er hat sich super ins Mannschaftsgefüge eingefunden", urteilt der Trainer. Meuffels scheint Profi durch und durch zu sein. So erinnert sich Markus Menzler an das erste Saisonspiel in Münster: „Wir sind zeitig dort angereist, aber Alban war schon da." Eines bewegte den Mann aus dem Nachbarland ganz besonders, als er einst im Hause Hoischen übernachtete und sein Auto vor dem Domizil abstellte: „Muss ich hier ein Park-Ticket kaufen?", lautete seine ängstliche Frage. Musste er nicht. Geld gespart. Stephan Fransen Der Niederländer (29) hatte in der Meisterschaftsrunde kaum einen echten Prüfstein (2:0 Siege), gestern stand für ihn die erste ernsthafte Aufgabe an. Und das passte, denn kurz zuvor erspielte er sich bei einem ATP-Turnier in den Niederlanden gerade einen Weltranglistenpunkt. In der Doppel-Weltrangliste übrigens belegte er in der Vergangenheit schon mal Platz 140. Fransen identifiziert sich offenbar richtig mit seinem deutschen Verein, besuchte den schon im Winter, um zu wissen, was ihn in Herford erwartet. Die Anreise erfolgte natürlich auf eigene Kosten . . . Lars Hoischen Der 20-Jährige ist das Aushängeschild des Vereins. „Er ist der Profi unter uns, konzentriert sich voll und ganz auf den Sport", weiß sein Mitspieler Markus Menzler. Hoischen ist als akribischer Arbeiter bekannt und neigt eher dazu, zu viel statt zu wenig zu trainieren – rund 30 Stunden pro Woche ist er auf dem Tennisplatz zu sehen. Und wenn er nicht auf der roten Asche aktiv ist, muss der junge Mann im Keller des elterlichen Hauses sein, denn er gilt als Bananen-Fetischist. Und Markus Menzler vermutet: „Der hat zuhause den ganzen Keller voll damit!". Markus Menzler 39 Jahre alt ist der Mann inzwischen, der nicht nur Vereinstrainer des TC Herford ist, sondern in der 1. Mannschaft auch die Vaterrolle übernimmt. „Ich bin Mädchen für alles", hat er seine Rolle akzeptiert. 6:0 Siege in der Verbandsliga lassen allerdings die Frage zu, warum er sagt, dass es spielerisch für ihn immer schwerer wird. „Ich bin seit 26 Jahren in Mannschaften unterwegs", berichtet er und knüpft daran diese Aussage an: „Wahrscheinlich ist das meine letzte Saison!". Glauben wir übrigens nicht, Herr Menzler. Jonas Müller Fünf Jahre alt war der 1998 Geborene, als er unter Markus Menzler die ersten Schritte auf dem Tennisplatz unternahm. „Er war schon damals sehr talentiert", sagt der Coach über das Herforder Eigengewächs. Jetzt ist er gemeinsam mit seinem damaligen Trainer Stammspieler der 1. Mannschaft – klingt irgendwie wie ein Märchen. Ist aber keins. Genau wie die Tatsache, dass er im vergangenen Jahr erstmals im Training gegen seinen Coach gewann. Und auch die Geschichte, dass er in der Sommersaison 2016 beinahe das Gastspiel in Bielefeld verschlafen hätte, ist mehr als ein Gerücht. Immerhin weckten ihn die Mannschaftskameraden noch rechtzeitig. Müller gewann seine Partie. Martin Bock Da ist er: Der Opa der Mannschaft. Die 40 hat er schon voll. Aber: Alter schützt nicht vor Leistung, auch wenn für Bock Tennis „nur" ein echtes Hobby darstellt. Wenn er aber einmal den Schläger in der Hand hat – gleich, ob beim Training oder im Spiel -, dann ist er höchst motiviert. Und so wird das Hobby eine teure Angelegenheit für den 1976 Geborenen, denn schon mehr als ein Schläger ging dem eigenen Einsatz geschuldet zu Bruch. Vielleicht kann er das ja finanziell ausgleichen, denn Bock gilt als Datenbank des Vereins – das muss sich doch eigentlich auch bezahlbar machen lassen. Alexander Kopp Vor vier Jahren kam er als 16-Jähriger aus Bünde in den Sportpark Waldfrieden. Ganz aktuell ist er der einzige amtierende Kreismeister in der gesamten Mannschaft – vor Wochenfrist holte er sich gerade den Titel. Ansonsten interessiert sich der Mann, der auch in der 2. Mannschaft spielte, vor allem für Kraftfahrzeuge. „Er kennt die PS-Zahl von jedem Auto", weiß Markus Menzler, der sich beim Beobachten von Kopp während des Frühstücks vor Heimspielen erst recht in die Vaterrolle versetzt fühlt, denn einen Kakao-Trinker gibt es ansonsten eher selten. Yannick Pott Zusammen mit dem gleichaltrigen Kopp kam er zum TC Herford, spielte in der beendeten Saison aber vorrangig in der 2. Mannschaft. Einen Einsatz in der Verbandsliga gab’s dann aber doch noch – beim finalen Spiel in Halle. „Den Einsatz hatte er sich verdient", sagt der Trainer. Pott gewann übrigens glatt: 6:3, 6:3.

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