Rot wie ein Porsche: John Kevin Grams ist mit diesem VW-Scirocco im Deutschen Tourenwagen-Cup unterwegs - für ihn ein großer Schritt zum Profitum. - © Privat
Rot wie ein Porsche: John Kevin Grams ist mit diesem VW-Scirocco im Deutschen Tourenwagen-Cup unterwegs - für ihn ein großer Schritt zum Profitum. | © Privat

Enger John Kevin Grams aus Westerenger steht auf dem Sprung zum Profi-Rennfahrer

Der große Traum lebt weiter

Yvonne Gottschlich

Enger. Mit fünf Jahren saß John Kevin Grams, den alle nur John nennen, zum ersten Mal in einem Kart. Mittlerweile fährt der 18-Jährige aus Westerenger mit einem VW-Scirocco um die Podiumsplätze im Deutschen Tourenwagen Cup (DTC). "Kurzfristig möchte ich in der DTC starten, langfristig möchte ich Profi werden und damit mein Geld verdienen", gibt sich Grams selbstbewusst. Immerhin hat er schon zahlreiche Erfolge vorzuweisen. "Mit fünf Jahren saß ich das erste Mal im Kart, damals noch bei Papa auf dem Schoß, weil ich nicht an die Pedale kam", berichtet der Motorsportler vom Beginn seiner Rennfahrerkarriere. "Das ging ein Jahr lang so, dass John nur mitgefahren ist, aber immerhin gelenkt hat", ergänzt Mutter Christina. Schon bald konnte der Sprößling das Kart selbst fahren und düste vier Jahre lang über die gleiche Strecke in Werther. "Wir haben eine kleine Trainingsgruppe auf die Beine gestellt", erinnert sich Vater Eduard. "Nach vier Jahren wurde es langweilig, ich wollte neue Strecken und andere Hallen kennen lernen", erzählt der Rennfahrer heute. »Egal, welches Material er hatte - er war immer vorn dabei« Es folgten Teilnahmen beim ADAC-Youngster-Cup und 2012 der Einstieg in die Juniormeisterschaft Rotax Max Challenge, einer Kart-Rennserie. "Ich habe von DTM-Pilot Timo Scheider ein gebrauchtes Kart bekommen, das war schon ausgemustert und hing eigentlich an der Wand. Aber ich hatte ein Kart", blickt der junge Grams zurück. Sechs Wochenenden im Jahr war die Familie auf den Rennstrecken unterwegs. "Donnerstag ging es los, Sonntags nachts waren wir zurück, die ganze Woche drehte sich nur um die beiden Rennen", sagt Christina Grams. "Unser erster Wohnwagen war so klein, dass kaum das Material hinein passte", lacht sie heute. Sie kümmert sich um die Organisation, während Vater Eduard als Schrauber und Techniker hilft. "Uns fehlte anfangs aber die Erfahrung - sowohl mir als Schrauber, als auch Kevin auf der Strecke. Dennoch stellten sich schnell die ersten Erfolge ein", erzählt der stolze Papa. "Egal, welches Material Kevin hatte, er war immer vorne dabei", freut er sich. Das Material änderte sich in den folgenden Jahren kaum. "Teilweise haben wir die alten Reifen der Konkurrenz aufgezogen, weil wir selbst keine neuen mehr hatten, aber Johnny stand trotzdem auf dem Podium", erinnert er sich an das Jahr 2013. "Da waren wir noch relativ alleine im Zelt, hatten aber immerhin erste Kontakte zu einem Techniker hergestellt, der uns fortan unterstützte", so Eduard Grams. "Außerdem hatten wir ein neues Kart gekauft. Das war auch gebraucht, aber um Klassen besser als das Erste", erinnert sich John. 2014 wechselte die Familie Grams zum RTC-Team. "Fahrtechnisch und im Schrauberbereich hatten wir jetzt deutlich mehr Erfahrung", sagt Eduard. "Ich habe 18 Rennen in Folge gewonnen", blickt John zurück. Als Sieger der Rennserie hatte er auch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im spanischen Valencia ergattert. "Hier hatten alle Teilnehmer das gleiche Material", erklärt Eduard Grams. 72 Fahrer kämpften um die Plätze. "Im ersten Rennen bin ich gleich mal 'rausgeschoben worden", erinnert sich John an die ungewohnte Härte. Im zweiten Lauf schob er sich auf Rang drei vor und überraschte die Konkurrenz. Im letzten Lauf führte er das Feld bis zur letzten Runde an, doch in der vorletzten Kurve gab es einen kleinen Unfall und den Ausflug ins Kiesbett. "Das war tragisch", erinnert sich Christina Grams heute noch. John durfte noch in der Trostrunde starten, wo sechs Plätze für den Endlauf ausgefahren werden. "Ich wurde Siebter", so der Kartfahrer. Im Jahr 2015 gab es dann neue Gegner auf der Strecke: "Ich bin in den Seniorenbereich gewechselt und hatte internationale Gegner, außerdem hat sich die gesamte Rotax Max-Serie enorm gesteigert, weil viele Teams mit sehr viel Geld dort eingestiegen sind", erklärt John die neuen Rahmenbedingungen. Die Familie investierte viel Zeit und noch mehr Geld in den Kartsport. "Wir waren mit knapp 30.00 Euro Etat unterwegs, die anderen Teams hatten rund 120.000 Euro zur Verfügung", erklärt Grams Junior die Unterschiede. "Dennoch hat sich John auf der Strecke viel Respekt verschafft und schloss als Vierter bei den Senioren ab", so Mutter Christina. Der Fahrer des RSC-Team sammelte bei der Europameisterschaft in Wackersdorf weitere Erfahrungen. "Das Kart lief überhaupt nicht und ich ging als Vorletzter an den Start", erinnerte sich der junge Mann aus Westerenger. "Nach dem ersten Lauf war das Kart kaputt. Wir haben es soweit es ging repariert und auch die Fehler gefunden, so dass es endlich vorwärts ging", sagt Eduard Grams. Die direkte Qualifikation für das Finale verpasste John, überraschte dann aber im Hoffnungslauf. "Ich musste als Letzter starten und habe mich in sechs Runden auf Rang sechs noch ins Finale gefahren", erinnert sich der Sportler. "Das war wie ein Wunder. Ich hatte schon alles zusammen gepackt, weil es so aussichtslos war", erzählt Christina Grams. "Egal, welches Material Kevin fährt, er ist immer schnell unterwegs", war Eduard Grams einfach nur stolz. Am Ende war es Platz 20 und Grams kam als zweitbester Deutscher ins Ziel. "Mit alten Reifen, meine neuen hatte ich ja im Hoffnungslauf gebraucht", so John. "Wenn ich nur im Mittelfeld dabei wäre, würde es mir auch nicht so viel Spaß machen, aber ich will es immer allen beweisen, will zeigen, dass ich der Beste bin. Das motiviert mich und es macht mir unglaublich viel Spaß", erklärt John selbst seine Motivation. »Wir machen keinen Urlaub, alles dreht sich um den Motorsport« Der Auszubildende zum Kfz-Mechatroniker ist Feuer und Flamme, wenn es um Motorsport geht. Für das Jahr 2016 hatte die Familie schon die Kart-Serie geplant, absolvierte aber nur ein Rennen. Es gab die Chance, mit dem Auto in die Tourenwagenklasse zu wechseln. Nach einigen Starts im BMW 318 i-Cup wurde Grams von Profirennfahrer und Fahrercoach Dominique Schaak entdeckt, der ihn zum Training im VW-Scirocco zum HTF-Team einlud. "Das war natürlich überraschend, die BMW-Klasse war der Einstieg. Jetzt ist der Traum vom Profi natürlich da", so Mutter Christina. Bei den ersten Tests im neuen Auto überzeugte der Engeraner, hatte nur vier zehntel Sekunden Rückstand auf einen etablierten Fahrer. "Im zweiten Rennen hat er sich die Pole Position geholt, die schnellste Rennrunde hingelegt und das Rennen als Zweiter beendet", erzählt Eduard von den beeindruckenden Ereignissen der vergangenen Wochen. "Es hat sich sehr schnell bestätigt, dass der Schritt aus dem professionellen Kartsport in den Tourenwagen richtig war. Schnelle und konstante Rundenzeiten, dazu erste Podiumsplätze", schwärmt John von der DTC- Serie im Tourenwagen. "Das ist die zweite Bundesliga, die DTC ist eine hervorragende Plattform für Nachwuchsfahrer, da sie eine sehr hohe Medienwirksamkeit für die Rennfahrer und ihre Sponsoren bietet. Die Rennen finden im Rahmen der TCR und der GT-Masters statt, und werden im Fernsehen bei Sport 1 ausgestrahlt", berichtet John und verweist auf seine Homepage und Facebookseite mit vielen Videos. "Jetzt brauchen wir Sponsoren. Wir können das selbst nicht mehr finanzieren. Jedes Training kostet Geld, dazu die Rennen am Wochenende und das Material", rechnet die Mutter vor. "Wir machen keinen Urlaub, alles dreht sich bei uns um den Motorsport", ergänzte John. Wenn er neben Ausbildung und Berufsschule noch etwas Freizeit findet, ist er gern mit Freunden unterwegs, trainiert aber auch regelmäßig. "Ohne die Kraft- und Ausdauer hätte ich keine Chance auf der Strecke", sagt er selbst. Er hat sein Ziel klar vor Augen und sucht jetzt aktiv nach Unterstützern. "Die Planungen laufen und ich möchte unbedingt weiter dabei sein, mein ganzes Leben dreht sich um den Motorsport", sagt er mit voller Überzeugung. Der nächste Höhepunkt für den Rennfahrer ist die Essener Motorsportshow am 26. und 27. November. "Da bin ich mit dem HTC-Team vor Ort und wir präsentieren das Team und unser Auto", freut sich der junge Mann schon. Mehr gibt's im Internet: www.grams-racing.de www.facebook.com/pages/John-Kevin-Grams

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