Sein persönliches Dreamteam: Trainer Karl-Heinz Eckert (l.) mit der A-Jugend des VfL Holsen 1982.
Sein persönliches Dreamteam: Trainer Karl-Heinz Eckert (l.) mit der A-Jugend des VfL Holsen 1982.

Bünde. Karl-Heinz Eckert arbeitete sogar für einen Verein, den es nie gab

Der erste Stammverein von Karl-Heinz Eckert ist der TuS Eintracht Südlengern. Über Jahrzehnte geprägt hat er den VfL Holsen

Thorsten Mailänder
Zufrieden: Karl-Heinz Eckert genießt es es heute, gemütlich im Garten zu sitzen, nachdem er sich lange Jahre dem Fußball beim VfL Holsen und zuvor bei Eintracht Südlengern gewidmet hat. - © Thorsten Mailänder
Zufrieden: Karl-Heinz Eckert genießt es es heute, gemütlich im Garten zu sitzen, nachdem er sich lange Jahre dem Fußball beim VfL Holsen und zuvor bei Eintracht Südlengern gewidmet hat. | © Thorsten Mailänder

Bünde. Karl-Heinz Eckert sitzt in seiner gemütlichen Gartenlaube an seinem Haus in Bünde-Holsen. Vor ihm ein Berg von Dokumenten, Fotos und Zeitungsberichten.

"Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass ich nächstes Jahr 80 Jahre alt werde", sagt Eckert, der am letzten Freitag sein 79. Lebensjahr vollendete. Im Alter von zwölf Jahren begann er als Fußballer beim TuS Eintracht Südlengern und durchlief alle Jugendmannschaften. Karl-Heinz Eckert spielte sechs Jahre in der Seniorenabteilung des Vereins. "Ich gehöre zu den Leuten, die den Verein nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Im Herzen hatte ich in Südlengern meine schönsten Jahre", stellt Karl-Heinz Eckert auch etwas melancholisch fest.

Im jungen Alter von nur 25 Jahren wurde er "Altherrenobmann" in Südlengern. "Unsere Altliga war zu jener Zeit die wohl beste Mannschaft im Kreis Herford", schwärmt der Holser. Der Sportplatz "Heidekampfbahn" in Südlengern wurde 1954 zum einem Aschenplatz umgebaut. Zuvor bestand der Belag aus Rasen und Erde. "Das Motto zum 100. Geburtstag von Eintracht Südlengern ?100 Jahre Asche? ist eigentlich falsch gewesen", erzählt Eckert und schmunzelt. Er betont, dass er die Vereinschronik von Eintracht Südlengern, wie kaum ein Anderen, kennt.

Eckert hatte 1964 seine Frau Isolde geheiratet und ein Jahr später in Holsen gebaut. Im gleichen Jahr war der Neu-Holser in Südlengern Geschäftsführer, Schriftführer und Altherrenobmann in Personalunion und für vier Wochen auch Vereinsvorsitzender. "Der Schlachtermeister Karl Niermann war auf der Jahreshauptversammlung nicht anwesend und konnte nicht gewählt werden. Auf einer außerordentlichen Sitzung wurde seine Wahl ein Monat später nachgeholt", erinnert sich Eckert.

1967 ging seine Ära in Südlengern endgültig zu Ende. Er wurde 1965 Geschäftsführer beim VfL Holsen und ist seit über 50 Jahren das Gesicht des Vereins im Bünder Westen. Karl-Heinz Eckert war Pressewart, Altligaobmann für Holsen und die Vereine der Stadt Bünde, dritter Vorsitzender und Verwaltungsgeschäftsführer sowie Ehrenamtsbeauftragter beim VfL. Er gründete die Gruppe "Die Älteren VfLer" und führt sie seit über 20 Jahren. Eckert wirkte auch als Senioren- und Jugendtrainer, coachte die Spieler der Jahrgänge 1964/65 ab der D-Jugend und fuhr mit ihnen bis zu A-Jugend zahlreiche Meisterschaften und Pokalsiege ein. Seine Zeit in Südlengern und mit dieser Mannschaft sind in den Erinnerungen von Karl-Heinz Eckert sehr positiv und tief verankert.

Der 15. Februar 2002 wurde hingegen zum "Schwarzen Freitag" für den vielseitigen Sportfunktionär. Seit Monaten hatten die Vorstände des SV SW Ahle und des VfL Holsen, deren Vereine bereits erfolgreich in einer Jugendspielgemeinschaft verbunden waren, mit viel Herzblut verhandelt. Nun sollte die vorbereitete Fusion zum SC Bünde beschlossen werden. Die nötige 75-Prozent-Mehrheit wurde aber auf der zunächst in Ahle anberaumten Versammlung verfehlt. "Wochenlange Arbeit war für die Katz. Alle Verhandlungsführer waren maßlos enttäuscht vom Verhalten einiger Ahler", so Eckert, der auch nach 14 Jahren nur mit dem Kopf schüttelt, wenn er daran denkt. "Die Holser Jugendabteilung ist aber später gestärkt aus der Sache hervor gegangen", sagt der 79-Jährige.

Im Jahre 2010 zog sich Karl-Heinz Eckert aus der aktiven Vorstandsarbeit beim VfL zurück. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler würdigte die langjährige Arbeit des Mannes aus Südlengern, der seit über einem halben Jahrhundert in Hosen lebt, mit dem Bundesverdienstkreuz, verliehen vom damaligen Landrat Christian Manz.

Zum Sportplatz geht Karl-Heinz Eckert inzwischen nur noch sporadisch. Sein "VfL" feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Als vor ein paar Tagen der DSC Arminia Bielefeld in Holsen aus diesem Anlass gastierte, war er natürlich vor Ort. "Sonst begnüge ich mich damit, alle wichtigen Ergebnisse am Sonntagabend abzufragen", sagt Karl-Heinz Eckert, der zufrieden zurückblicken kann. Er hat seine ehrenamtliche Arbeit zwei echten "Dorfvereinen" gewidmet, wo tatsächlich noch auf "Asche" gespielt wurde und wird.

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