Fußball hautnah: Über 1.000 Anhänger säumten 1958 in Kirchlengern den "Marktplatz" und sahen zu, wie Friedel Scheiding (Mitte vor dem Tor) einen Treffer für die Rot-Weißen erzielte. - © Privat
Fußball hautnah: Über 1.000 Anhänger säumten 1958 in Kirchlengern den "Marktplatz" und sahen zu, wie Friedel Scheiding (Mitte vor dem Tor) einen Treffer für die Rot-Weißen erzielte. | © Privat

Kirchlengern. Generation Ascheplatz, Folge 8: Werner Ramhorst und Friedel Scheiding kickten auf dem Marktplatz

Sie sind treue Besucher der Heimspiele des FC RW Kirchlengern

Thorsten Mailänder
Freunde fürs Leben: Werner Ramhorst (79) und Friedel Scheiding (77) spielten bereits in den 1950er Jahren für RW Kirchlengern. - © Thorsten Mailänder
Freunde fürs Leben: Werner Ramhorst (79) und Friedel Scheiding (77) spielten bereits in den 1950er Jahren für RW Kirchlengern. | © Thorsten Mailänder

Kirchlengern. Wenn an diesem Wochenende in der geheizten Bünder Siegfried-Moning-Halle die D-Junioren des FC Rot-Weiß Kirchlengern auf den Nachwuchs namhafter Vereine beim Storelights-Cup treffen, wird sich keiner der Jugendlichen vorstellen können, unter welchen Bedingungen Werner Ramhorst und Friedel Scheiding Anfang der 1950er Jahre gespielt haben.

Seit 65 Jahren ist der 77-jährige Scheiding Mitglied bei RWK. "Ich war schon noch früher dabei. Spielerpass und Vereinsmitgliedschaft waren nicht so wichtig, Hauptsache man konnte mitspielen", erinnert er sich. Friedel Scheiding spielte in der Saison 1951/52 in der ersten Schülermannschaft (heute C-Jugend), die einen neuen Satz Trikots bekam. "Jeder Schüler musste 500 Rasierklingen verkaufen, damit uns ein Gönner die Sportgarnitur überließ", erzählt Scheiding.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam Werner Ramhorst aus Ostpreußen mit seinen Eltern in den Kreis Herford und lebte zunächst in Bieren. Beim VfR Bieren, einem Vorgängerverein des SV Rödinghausen, kickte der junge Werner zwei Jahre. Durch einen Umzug nach Kirchlengern kam Ramhorst 1956 zu Rot-Weiß Kirchlengern, wo er auf Friedel Scheiding traf.

Die Meistermannschaft von 1956/57: Friedel Scheiding (stehend v. l.), Horst Möntmann, Heinz Ramhorst, Werner Ramhorst, Dieter Brandmeier, Siegfried Manfraß, Günter Thal, Günter Paul, Trainer Kurt Reibetanz, sowie Gerd Anker (knieend v. l.), Karl-Heinz Kruse und Horst Pöhl. - © privat
Die Meistermannschaft von 1956/57: Friedel Scheiding (stehend v. l.), Horst Möntmann, Heinz Ramhorst, Werner Ramhorst, Dieter Brandmeier, Siegfried Manfraß, Günter Thal, Günter Paul, Trainer Kurt Reibetanz, sowie Gerd Anker (knieend v. l.), Karl-Heinz Kruse und Horst Pöhl. | © privat

»In Bünde gab es

den Elsesportplatz

und in Kirchlengern

das Stadion«

Es entwickelte sich eine Freundschaft, die seit 60 Jahren besteht. "Wir feiern seither jedes Jahr unsere jeweiligen Geburtstage zusammen, aber natürlich nicht immer auf den Tag genau", so Friedel Scheiding. Am 11. Februar wird Werner Ramhorst seinen 80. Geburtstag begehen. "Ich werde mit meiner Frau Maritta in die Sonne auf die Kanarischen Inseln fliegen, aber die Feier wird nachgeholt", verspricht Ramhorst.

In den Nachkriegsjahren hatte die alte Gemeinde Kirchlengern zwei Sportplätze, auf denen der FC Rot-Weiß spielte. Es existierte das Elsestadion, gebaut 1950, und der Sportplatz "Marktplatz". "Damals gab es in Bünde den Elsesportplatz und in Kirchlengern das Stadion, heute ist es umgekehrt", lacht Scheiding. Der "Marktplatz" lag im Bereich zwischen der Mindener Straße und Bad Oeynhauser Straße. Hier befindet sich heute eine Siedlung, die noch die Straßen-Namen "Am Markt" und "Alter Markt" hat. "Mitte der 1950er Jahre wurde der Platz an der Else neu eingesät und musste zwei Jahre ruhen, so dass nur auf dem Marktplatz gespielt wurde", sagt Werner Ramhorst.

»Dieser Untergrund war bei unseren

Gegnern gefürchtet«

Der Platz hatte "Schwarze Asche" und etwas Rasen am Rand als Untergrund. Die Schlacke entstand bei den Elektrizitätswerken Minden-Ravensberg (EMR) bei der Verbrennung von Kohle im Kraftwerk Kirchlengern. "Dieser Untergrund war bei unseren Gegnern gefürchtet", stellt Werner Ramhorst fest, der meist Mittelstürmer spielte. "Umkleidekabinen und eine Sportplatzumrandung gab es dort nicht", ergänzt der ehemalige Rechtsaußen Friedel Scheiding und erzählt, dass auf diesem Marktplatz kein Wochenmarkt abgehalten wurde, sondern zweimal im Jahr eine Kirmes stattfand. "Dieser Jahrmarkt war fast so groß wie der Blasheimer Markt", sagt Scheiding.

Trotz vieler Widrigkeiten haben Ramhorst und Scheiding den "Marktplatz" in guter Erinnerung. Im Jahr 1957 wurde die Meisterschaft in der ersten Kreisklasse für die Rot-Weißen eingefahren. Als Ende der 1950er Jahre der Sportplatz an der Else wieder genutzt konnte, hatte der "Marktplatz" als Sportfeld ausgedient und wurde noch einige Jahre als Festplatz genutzt. Heute ist Gelände komplett bebaut.

Nach der Beendigung ihrer aktiven Zeit übernahmen beide Fußballer Verantwortung im Verein. Werner Ramhorst war über 20 Jahre Jugendleiter und der ehemalige Maschinenschlosser Friedel Scheiding wurde für die Altliga als Obmann verantwortlich. "Wir zollen dem jetzigen Vorstand großen Respekt und freuen uns über den Aufschwung des Vereins bis in die Landesliga. In der Rückrunde wird unsere Mannschaft die nötigen Punkte holen und erneut den Klassenerhalt schaffen", sagt Friedel Scheiding und Werner Ramhorst nickt zustimmend.

Zusammen mit etlichen anderen Personen aus ihrer Fußballer-Generation besuchen die beiden alle die Heimspiele der ersten Mannschaft. Im Rhythmus von rund acht Wochen treffen sich diese Sportfreunde regelmäßig und schwelgen in den Erinnerungen, vergessen aber die Gegenwart nicht. Werner Ramhorst und Friedel Scheiding wurden für ihre Verdienste für Rot-Weiß Kirchlengern schon vor einigen Jahren mit der goldenen Vereinsnadel ausgezeichnet.

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