Blättern in einem alten Ordner: Hier hat Michael Schnetzer die erste Satzung des SV Spradow aus dem Vereins-Gründungsjahr 1970 aufbewahrt. - © Thorsten Mailänder
Blättern in einem alten Ordner: Hier hat Michael Schnetzer die erste Satzung des SV Spradow aus dem Vereins-Gründungsjahr 1970 aufbewahrt. | © Thorsten Mailänder

Bünde Von Dauerverlierern und Seriensiegern

Generation Ascheplatz, Folge 7: Michael Schnetzer ist Gründungsmitglied des SV Spradow. Er war Spieler und Jugendtrainer und hat fast alle Posten im Vorstand inne gehabt

Thorsten Mailänder

Bünde. Als am 27. März 1970 in der ehemaligen Gaststätte Schmalgemeyer der SV Spradow gegründet wurde, war Michael Schnetzer nicht einmal zehn Jahre alt. Einen reinen Fußballverein gab es in Bünde-Spradow bis dahin nicht. Die Fußballer waren eine Abteilung des TuS Spradow, der viele Jahre später in der Handballsportgemeinschaft (HSG) TuS/EK HSG Spradow aufging.

"Es gab damals irgendeinen Krach beim TuS Spradow, der scheinbar so hefig war, dass sich die Fußballer als SV Spradow 1970 selbstständig machten", erinnert sich Schnetzer. Sein Vater Norbert meldete Sohn Michael nach der Gründungsversammlung sofort beim neuen Verein an. "Mein Vater war der Meinung ich müsse dazugehören, denn wir haben damals immer nur gebolzt. Der Spradower Sportplatz war nicht weit von unserem Zuhause entfernt", sagt Schnetzer. Er hat drei Brüder und vier Schwestern. Von den Jungen haben drei beim SV Spradow gekickt, während die Mädchen nichts mit dem Fußball zu tun hatten. "Michael und ich sind die letzten Mohikaner", sagt Andreas Schnetzer, der heute als Geschäftsführer für den SV Spradow tätig ist.

Von der Gründung des Vereins 1970 dauerte es noch zwei weitere Jahre bis der Verein am geregelten Spielbetrieb teilnahm. Der Erfolg ließ noch länger auf sich warten, denn in ihrer ersten Saison verloren die Kicker vom Herzogweg alle ihre Spiele. "Die höchste Niederlage war 0:21. Den Gegner weiß nicht mehr", erzählt Michael Schnetzer.

Doch beim SV Spradow hatte man Geduld und es stellten sich die ersten Erfolge ein. Martin Maschmann hatte Mitte der 1970er Jahre eine Jugendabteilung gegründet. "Wir besetzten alle Altersklassen von der A-Jugend bis zur F-Jugend. Martin Maschmann hat damals eine fantastische Arbeit geleistet. Leider ist er schon vor einigen Jahren verstorben", fügt Schnetzer hinzu. Als 1981 der SV Spradow in die Kreisliga B aufstieg, hatte der Verein den Trend aus den Gründerjahren umgekehrt und legt eine verlustpunktfreie Serie hin. "Diese Tatsache sorgte sogar bundesweit für Aufsehen", sagt das Gründungsmitglied des SV Spradow stolz.

Trainer der Mannschaft war Lothar Mohrarend, der zuvor erfolgreich als A-Jugendtrainer des Bünder SV tätig gewesen war. Der Verein brachte Talente für die Region hervor, von denen gerade der BSV profitierte. Die wohl bekanntesten Spieler waren die Skupin-Brüder Ralf und Thomas sowie Ralf Altemeier. Als aktiver Spieler und als Jugendtrainer hatte Michael Schnetzer maßgeblichen Anteil am Aufschwung des Vereins. In den 1980er Jahren hatte der SV Spradow auch eine Mädchen- und eine Frauenmannschaft, die sich beide wacker schlugen.

Der SV Spradow richtete in diesen Jahren Jugendturniere und Sportfeste aus, immer auf dem Aschenplatz am Herzogweg. "Unvergessen bleibt ein Spiel der Kinder gegen die Mütter, dass erst im Strafstoßschießen entschieden wurde", schwelgt Michael Schnetzer in Erinnerungen. Dieses Spiel ist bis heute in Form einer DVD mit einer Vertonung der Nachwelt erhalten geblieben.

Als sich Martin Maschmann mit einigen Vorstandsmitgliedern überwarf und seine Tätigkeit für den SV Spradow beendete, begann der leise Fall beim SVS. "Ich weiß bis heute nicht, warum Martin Maschmann ging", ist Schnetzer ein wenig traurig. 1998 stand der Verein vor seiner Auflösung und wurde in letzter Minute von Mitgliedern der Altliga gerettet. Eine Jugendabteilung hat der SVS schon seit längerer Zeit nicht mehr. "Auf Asche will heute kein Jugendlicher mehr spielen. Potenzial wäre im Ortsteil vorhanden", sagt Schnetzer nüchtern. Der Verein hat heute noch eine Seniorenmannschaft in der Kreisliga B und ein Altligateam, dass im letzten Jahr auf dem "gefürchteten" Ascheplatz erstmals Stadtmeister in Bünde würde.

Michael Schnetzer hat beim SV Spradow nach seiner aktiven Zeit nahezu alle Funktionen, außer dem ersten Vorsitzenden, ausgefüllt. "Ich werde wahrscheinlich kein Amt mehr beim SV Spradow übernehmen, aber den Verein weiterhin positiv begleiten", sagt ein zufriedener Michael Schnetzer, der sich nun intensiv seiner Familie widmet. Verständlich, denn der 55-Jährige ist seit September Großvater von Drillingen, hinzukommen zwei weitere Enkelkinder.

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