Wände voller Erinnerung: Walter Szepanski kann zu jedem Foto etwas erzählen. Der 83-Jährige hat sich neben seinem Haus in Muckum ein „privates Sportlerheim“ eingerichtet. - © Thorsten Mailänder
Wände voller Erinnerung: Walter Szepanski kann zu jedem Foto etwas erzählen. Der 83-Jährige hat sich neben seinem Haus in Muckum ein „privates Sportlerheim“ eingerichtet. | © Thorsten Mailänder

Bünde Das Herz schlägt für zwei Klubs

Generation Ascheplatz, Folge 5: Der FC Muckum und der SV Ennigloh sind sein Leben. Walter Szepanski kam in 1950er Jahren aus dem Ruhrgebiet nach Bünde

Thorsten Mailänder

Bünde. Wer den ehemaligen Fußballspieler Walter Szepanski besuchen möchte, muss sich in die tiefsten Felder des Bünder Ortsteils Muckum begeben. Dort angekommen, staunt man nicht schlecht, denn neben seinem Haus steht ein "privates Sportlerheim".

Es gibt einen großen Raum für mehrere Personen. Hinter einem Vorhang geht es in einen kleineren Bereich mit mehreren gemütlichen Sitzgelegenheiten. Hier gibt es auch, etwas versteckt, eine Theke. "Dies waren alles mal Stallungen", erklärt Walter Szepanski die Vergangenheit seiner Räume. Überall hängen Fotos, Wimpel, Pokale oder andere Andenken. Nach dem Vorbild einer Kneipe in Berlin, vermutlich "Holst am Zoo", hat Szepanski eine ganze Wand seinen Gästen gewidmet, die sich dort verewigt haben.

Walter Szepanski wurde am 31.März 1932 in Gelsenkirchen geboren. Er lernte das Fußballspielen bei der SG Wattenscheid 09. "Wir waren 1951 zu einem Freundschaftsspiel auf dem Sportfest in Muckum. Hier habe ich meine spätere Frau Gerda kennen gelernt. Einige Jahre haben wir mit der SG Wattenscheid 09 hier hintereinander gespielt", sagt der 83-Jährige.

1955 kehrte der Bergarbeiter der Liebe wegen dem "Pütt" den Rücken und machte das ländliche Muckum zu seiner neuen Heimat. Er wohnte zunächst zwei Jahre auf dem Flur von Horst Glösemeier, der später die Diskothek "Wilhelmshöhe" gründete. Walter Szepanski spielte anfangs knapp zwei Jahre beim FC Muckum in der zweiten Kreisklasse (heute Kreisliga B). "Ich war Torwart, ich konnte aber auch Verteidiger spielen", beschreibt Walter Szepanski seine fußballerischen Qualitäten, auf die die Verantwortlichen des SV Ennigloh 09 (einer der Vorgängervereine des Bünder SV) schnell aufmerksam wurden.

Anfang des Jahres 1957 wechselte er zum SV Ennigloh, wo Szepanski Mitglied der legendären "Zentner-Elf" wurde. Kurt Zentner kam ursprünglich auch aus dem Ruhrgebiet und hatte sich beim DSC Arminia Bielefeld einen Namen gemacht. Kurt Zentner wurde Spielertrainer beim SV Ennigloh 09 und formte eine der erfolgreichsten Mannschaften in der Vereinsgeschichte. Die "Zentner-Elf" schaffte 1959 den Aufstieg in die Landesliga, damals die zweithöchste Amateurklasse. Walter Szepanski hütete bis Anfang der 1960-er Jahre das Tor beim SV Ennigloh und wurde dann von Friedrich-Wilhelm "Fitte" Busch abgelöst. Ein anderer Mitspieler Szepanskis wurde später deutschlandweit bekannt. "Ulle war unser Schlauster, er kam mit 18 Jahren von der SG Bünde 08 nach Ennigloh zurück", sagt Walter Szepanski und meint damit den Verteidiger Fritz Pleitgen, den ehemaligen Intendanten des Westdeutschen Rundfunks.

"Viele Sportplätze waren damals katastrophal. Die schlimmsten Äcker gab es im Kreis Minden, wie in Haddenhausen und in Gorspen-Vahlsen. In Dützen weideten die Kühe bis kurz vom Anpfiff. Es ging härter zu als heute, denn bei uns floss schnell mal Blut. Viele Verletzungen von heute kannten wir gar nicht", schildert Szepanski die damaligen Bedingungen.

Der SV Ennigloh 09 und die SG Bünde 08 fusionierten 1973 zum Bünder SV 08/09. Dem neuen Verein schloss sich der ehemalige Arbeiter der Bünder "Staloton-Werke" nicht an, er kehrte zum FC Muckum zurück. Hier wirkte er über 25 Jahre als Altligaobmann und verwaltete bis vor rund zehn Jahren das Sportlerheim. Walter Szepanski organisierte viele Fahrten der Altliga des FC Muckum und Treffen seiner früheren Sportkameraden. Unvergessen ist für viele das Wiedersehen mit der "Zentner-Elf" im Gasthof "Gerland" 25 Jahre nach dem Aufstieg in die Landesliga.

Nach einem schweren Unfall im letzten Jahr besucht Walter Szepanski die Spiele seines FC Muckum nicht mehr. "In bin zu 70 Prozent erblindet. Es hat so keinen Zweck mehr", sagt "Szepan", wie ihn viele Freunde nennen, realistisch. Er freut sich jedoch immer, wenn Besuch in seine "Hütte" kommt. "Sie haben mich nicht vergessen und helfen mir in vielen Dingen. Die Muckumer Gerd Brinkmann und Wolfgang Wilmsmann sind besonders treue Freunde", sagt Walter Szepanski, der gern alle seine Sportfreunde und Gönner an dieser Stelle genannt hätte. "Gönner sind keine Sponsoren. Es waren Leute, die den Spielern im Vereinslokal Sieker nach einer guten Leistung mal ein Fünf-Mark-Stück oder einen Schein ohne Aufsehen zusteckten", schwelgt der ehemalige Torwart des SV Ennigloh und des FC Muckum nochmals in Erinnerungen.

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