In die Jahre gekommen: Hans-Ulrich Lohse steht am alten Sportplatz in Düingdorf, auf dem seine fußballerische Laufbahn einst begann. Die verwitterten Häuschen dienten noch bis vor wenigen Jahren als Ersatzbank. - © Foto: Björn Kenter
In die Jahre gekommen: Hans-Ulrich Lohse steht am alten Sportplatz in Düingdorf, auf dem seine fußballerische Laufbahn einst begann. Die verwitterten Häuschen dienten noch bis vor wenigen Jahren als Ersatzbank. | © Foto: Björn Kenter

Generation Ascheplatz (1) Neue Serie über Amateurfußball-Fans: Hans-Ulrich Lohse liebt den TuS Bruchmühlen

Hans-Ulrich Lohse steht seit 60 Jahren zum TuS Bruchmühlen

Thomas Vogelsang
Gruppenmeister 1964: Als Spieler war der junge Hans-Ulrich Lohse (stehend 5. v. r.) mit dem SV Germania Westkilver-Bruchmühlen erfolgreich. - © privat
Gruppenmeister 1964: Als Spieler war der junge Hans-Ulrich Lohse (stehend 5. v. r.) mit dem SV Germania Westkilver-Bruchmühlen erfolgreich. | © privat

Rödinghausen. „Man soll im Dorf bleiben!“ Dieser Satz von Hans-Ulrich Lohse sagt eigentlich alles über ihn aus. Der 70-Jährige ist Bruchmühlener durch und durch. Und das schlägt sich auch im sportlichen Bereich nieder, denn seit gut 60 Jahren schlägt Lohses fußballerisches Herz für den TuS Bruchmühlen.

Lohse, im niedersächsischen Teil der Ortschaft geboren und aufgewachsen, entdeckte als Zehnjähriger seine Leidenschaft für das runde Leder, nachdem er zuvor eher dem Reitsport zugetan war. Dies wiederum ergab sich, weil seine Familie im Ort neben einer Gaststätte auch eine Pferdezucht betrieb. Dann kam die Weltmeisterschaft 1954. „Wir haben die Spiele im benachbarten Vereinslokal des SV Germania Westkilver-Bruchmühlen gesehen und mitgefiebert, und auf dem Platz des Klubs am früheren Bahnhof haben wir uns dann immer zum Spielen getroffen“, erinnert sich Lohse.

Im Verein kannte man sich. Die Spieler kamen ausschließlich aus den Ortschaften Düingdorf und Bennien, die schon schon in Niedersachsen liegen, sowie dem westfälischen Westkilver. „Die meisten hatten ja damals auch kein Auto, sondern fuhren Fahrrad. Es war eine absolute Gemeinschaft, auch zwischen jung und alt. Altersunterschiede merkte man nicht. Und die Gemeinschaft stand auch über dem Erfolg. Früher war es eigentlich egal, ob man in der Kreisliga A oder B spielte“, sagt Lohse und erinnert sich an winterliche Trainingsabende in der Reithalle oder Gymnastik im Saal des Vereinslokals. „Wenn Schnee lag, haben wir mit Sägespänen aus einem benachbarten Sägewerk die Linien abgestreut und im Sommer oft noch kurz vor den Spielen die Maulwurfshügel auf dem Platz geplättet. Auf unseren Rasenplatz waren wir stolz, denn die meisten anderen Vereine spielten auf Asche.“

Vereinswechsel kam nie in Frage

So kam ein Vereinswechsel für ihn nie in Frage, auch nicht, als sich der SV Germania 1973 mit dem benachbarten TuS Ostkilver zum TuS Bruchmühlen zusammenschloss. Als ein Bruch der Kniescheibe 1976 die aktive Laufbahn des linken Läufers abrupt beendete, half er seinem Verein weiter ehrenamtlich, bis 1984 als Fußballobmann und danach bis 1998 als Hauptgeschäftsführer. Im Fußballkreis Herford erlangte Lohse aber vor allem Bekanntheit als Leiter der Frauenfußball-Abteilung, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Gisela mehr als drei Jahrzehnte lang maßgeblich prägte.

Information
Die Serie

Warum wird man Fan einer Amateur-Mannschaft? In der neuen Serie Generation Ascheplatz stellen wir Fans des Amateur-Fußballs vor. Sie haben eine besonders innige Bindung zu ihrem Klub, erinnern sich an die Spiele auf Ascheplätzen oder haben Auf- und Abstiege erlebt und sind ihrer Mannschaft immer treu geblieben.

Berichten auch Sie uns davon, was Sie mit ihrem Herzensverein verbindet oder von den Erlebnissen zahlreicher Sonntagnachmittagen, die Sie am Rand der Fußballplätze der Region verbracht haben. Melden Sie sich bei der NW Bünde unter Tel. (0 52 23) 9 24-60 oder -58 oder per Mail an
lokalsport.buende@nw.de

Inzwischen tritt der Rentner kürzer, die Ämter sind in jüngere Hände weitergereicht. Zur Verfügung steht Lohse dem TuS aber noch als Schiedsrichter, und das schon seit 1991. „Damals fehlten dem Klub Schiedsrichter, und ich wollte mit gutem Beispiel vorangehen“, blickt er auf die Anfänge seiner Karriere an der Pfeife zurück.

Vorliebe gilt dem Hamburger SV

Den derzeitigen Aufstieg des benachbarten SV Rödinghausen zu einer lokalen Fußball-Großmacht sieht Lohse gelassen. „Das ist mir ganz ehrlich ziemlich egal, weil ich zum SVR nie größere Verbindungen hatte, weder positive noch negative.“
Im Profibereich gilt seine Vorliebe dem Hamburger SV. Ansonsten sieht sich Lohse auch durchaus gern Spiele in unteren Amateurklassen der weiteren Umgebung an. „Manchmal fahre ich sonntags erst einmal hierhin oder dorthin und gucke ganz entspannt zu.“

Am Ende landet Hans-Ulrich Lohse dann aber doch meist wieder am Platz des TuS Bruchmühlen in Ostkilver. „Es kann sein, dass das Spiel dann schon läuft und ich fragen muss, wie es steht. Aber der Verein bleibt immer mein Verein. Und ich hoffe, dass sich solche Vereine wie der TuS auch in Zukunft trotz allgemein rückläufiger Spielerzahlen doch noch weiterhin halten können.“

Copyright © Neue Westfälische 2017
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group