Mexico-City/Bünde Schnittger verabschiedet sich als Weltmeisterin aus Ennigloh

Schwimmen: Maike Naomi Schnittger siegt bei der Para-WM über 50 und 100 Meter Freistil. Ab Januar 2018 startet die Pr. Oldendorferin nicht mehr für die TG Ennigloh

Thorsten Mailänder

Mexico-City/Bünde. Ein schweres Erdbeben erschütterte am 19. September 2017 um 13.14 Uhr Mexico-City, die Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes. Maike Naomi Schnittger, in Preußisch Oldendorf wohnende und viele Jahre für die TG Ennigloh startende Schwimmerin mit eingeschränkter Sehkraft, befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Stadt. Die 23-Jährige bereitete sich vor Ort auf den Start der Para-Schwimm-Weltmeisterschaften vor. Schon einen Tag nach der Naturkatastrophe wurden die Weltmeisterschaften abgesagt und für Dezember neu terminiert. "Wir mussten zwei Monate weiter im Training bleiben. Unser Schwimmteam verkleinerte sich von elf auf fünf Personen", erzählt Maike Naomi Schnittger und lobt ihre überragenden Physiotherapeuten. Die erneute Vorbereitung beschreibt die Pr. Oldendorferin als besonders schwierig. "Nur durch die guten Kontakte zu den mexikanischen Freunden hatten wir vernünftige Trainingsmöglichkeiten und konnten ins Wasser. Mexico-City liegt in 2.400 Meter Höhe. Die Luft ist hier sehr dünn. Die Vorbereitungen waren suboptimal", erinnert sich die Schwimmerin. Ihr Ziel war von Anfang an eine Medaille. Anfang Dezember standen die Schwimmwettkämpfe auf dem Programm. Schnittger wurde zunächst Weltmeisterin über 100 Meter Freistil in einer Zeit von 1:01,50 Minuten. Zwei Tage später holte sie sich den Titel über die 50 Meter Freistil in 28,68 Sekunden und stand überglücklich bei den Siegerehrungen auf dem Podest. "Ich habe für diese zwei Minuten im Wasser monatelang gekämpft. Es waren die schwersten Rennen in meinem bisherigen Leben", sagt die Doppelweltmeisterin. Inzwischen ist Schnittger nach Deutschland zurück geflogen und hat mit ihrer Familie Weihnachten gefeiert. Vor wenigen Tagen ist Maike Schnittger an ihre Trainingsstätte nach Potsdam zurückgefahren. Hier bereitet sie sich auf die neue Saison vor. Höhepunkt soll im August die Europameisterschaft in Dublin werden. Ab dem 1. Januar startet die Ausnahmeschwimmerin nun nicht mehr für ihren Heimatverein TG Ennigloh, sondern nur noch für den Potsdamer SV. Hier erhofft sich die neue Weltmeisterin die beste sportliche Förderung in ausgewogener Abstimmung mit ihrer Sehbehinderung. "Ich habe meine Entscheidung mit dem Vorstand besprochen und man hat mir vollstes Verständnis entgegen gebracht. Meine Freunde werden immer in Ennigloh bleiben,", so Schnittger leicht wehmütig. Der Vorstand der TG Ennigloh hat für den 2. März 2018 eine Ehrung angekündigt. "Die Leistungen von Maike Naomi Schnittger werden im Rahmen unserer Jahreshauptversammlung gebührend gewürdigt. Sie hat in Potsdam durch das Schwimmen und ihr Studium dort inzwischen ihren Lebensmittelpunkt gefunden", sagt TGE-Vorsitzender Jürgen Bungert respektvoll über die mehrfache Sportlerin des Jahres in Bünde aus seinem Verein.

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