Bünde/Hiddenhausen Dressur-Richter Klaus Harms geht in sportliche Rente

Reitsport: Der Ehrenvorsitzende des RuF Bünde hat die Altersgrenze von 80 Jahren erreicht. Sein Weg führte ihn vom Stalljungen bis zum Richter bei Grand-Prix-Prüfungen in der Dressur

Bünde/Hiddenhausen. In der Dressur ist der deutsche Reitsport seit Jahrzehnten in der Weltspitze vertreten. Nicht nur die Reiterinnen Isabell Werth, Nicole Uphoff und Heike Kemme waren sichere Lieferanten für Goldmedaillen bei Weltmeisterschaft und Olympischen Spielen, die männlichen Kollegen Harry Boldt oder Dr. Reiner Klimke waren ähnlich erfolgreich. Klaus Harms vom Reit-und Fahrverein Bünde hat alle deutschen Spitzen-Dressur-Reiter mit kritischen Blick als Turnierrichter beäugt. Diese Karriere neigt sich nun dem Ende und Harms hat den Schluss selbst mit herbei geführt. Am 18. Februar feierte der gebürtige Düsseldorfer seinen 80. Geburtstag. Er wuchs in Wilhelmshaven auf und kam im Alter von zehn Jahren in den Raum Bielefeld und Versmold. „Ich habe die Altersgrenze von 80 Jahren für Richter auf der Verbandsebene mit unterstützt. Nun trifft es mich selbst“, sagt Harms freundlich und schmunzelt. Klaus Harms saß am letzten Wochenende beim Reitturnier in Spenge-Wallenbrück zum letzten Male im Kreis Herford im Richterhäuschen. Auf nationaler Ebene stehen für ihn noch Dressurturniere in Paderborn, im Siegerland und zwei Veranstaltungen in Ankum an. Derzeit weilt Klaus Harms beim einem dieser Turniere in Ankum. Der in Hiddenhausen-Oetinghausen wohnende Reitsportler blickt für die heimische Region auf eine beispiellose Laufbahn zurück. Harms begann als Stalljunge auf einem Bauernhof, wo die Tiere unter der Woche auf dem Acker zur Arbeit eingesetzt wurden und am Sonntag als Turnierpferde dienten. Sein erster Verein war der Bielefelder Reitclub. Schon in den 1950er Jahren trat er dem Bünder Reitverein bei. In seinem neuen Wohnort gab es eine „Ausstelle Hiddenhausen“ des Reit-und Fahrvereins Bünde. „Ursprünglich hieß der Verein ,von-Hindenburg Hiddenhausen’, der durch die Gleichschaltung in der NS-Zeit zum Reiterverein Bünde kam“, erzählt Harms aus der Geschichte des Reitervereins Bünde in dunkelsten Zeiten. Harms war als Reiter in der Dressur bis zur Klasse M erfolgreich. An der Landesreitschule in Münster wurde der Oetinghauser zum Ausbilder ausgebildet. Noch größer sind seine Erfolge als Turnierrichter, wo es bis zu den Turnieren des Grand Prix schaffte. „Ich war in ganz Deutschland und in den Nachbarstaaten zu den Dressurturnieren unterwegs. Ich habe alle namhaften Reiter kennengelernt“, sagt Harms. Auf ganz große internationale Turniere, wie die Olympischen Spiele, hat er aber aus beruflichen Gründen verzichten müssen. „Die Neutralität ist die wichtigste Eigenschaft eines Richters“, sagt der 80-Jährige, der besonders oft im Weser-Ems-Gebiet tätig war. Vor acht Jahren gab Harms den Vorsitz des Bünder Reitervereins ab, den er von 1974 bis 2008 inne hatte. Der Verein ernannte Klaus Harms im Gegenzug zum Ehrenvorsitzenden. Unzählige Ehrungen durch die Reiterverbände wurden dem „Richter“ in den letzten Jahre zuteil. Durch seine Ehefrau Marlies erhielt Klaus Harms immer die nötige Unterstützung für seine ehrenamtlichen Tätigkeit. „Reich wird man als Turnierrichter nicht. Es gibt 80 Euro vom Veranstalter. Dieses Geld geht meist schon für die Unterbringung drauf“, sagt Klaus Harms, der nun bald mehr Zeit auf seinem privaten Reitgelände an seinem Haus in Oetinghausen mit seiner Frau verbringen kann.

realisiert durch evolver group