Steht sonst mit beiden Beinen im Leben: Magdalena Gippert an ihrem Paradegerät, dem Schwebebalken. - © Thorsten Mailänder
Steht sonst mit beiden Beinen im Leben: Magdalena Gippert an ihrem Paradegerät, dem Schwebebalken. | © Thorsten Mailänder

Bünde Magdalena Gippert ist die älteste Kunstturnerin in der Regionalliga-Riege des BTW Bünde

Die Rheinländerin möchte mit ihrem Team den Aufstieg in die zweite Bundesliga schaffen

Thorsten Mailänder

Bünde. Mit 24 Jahren ist Magdalene Gippert die mit Abstand älteste Turnerin in der Regionalliga-Riege des BTW Bünde. Als sie jedoch auf dem Bünder Bahnhof aus dem Zug steigt, muss man sie nicht unbedingt für eine Turnerin halten. Sie wäre auch als reisender Fußballfan durchgegangen. Deutlich sichtbar trägt sie einen Schal des 1.FC Köln. "Damit kann man sich endlich wieder sehen lassen", freut sich die junge Frau, die bedauert, dass sie kaum Zeit findet ins Rhein-Energiestadion in Köln zu gehen. Der Weg führt die Studentin, die seit dem Wintersemester an der Universität Bielefeld ihren Master im Fach Psychologie macht, zunächst in das Café eines Supermarktes in Bahnhofsnähe. Hier wird sie nicht nur das Gespräch mit der Neuen Westfälischen führen, sondern auch für die Uni lernen. Das Training der Kunstturnerinnen des BTW Bünde in der Geräteturnhalle an der Holser Straße beginnt erst um 15.30 Uhr. In Osnabrück hatte die 1,63 Meter große Turnerin ihren Bachelor in Psychologie gemacht. Gippert, die im Januar 1992 in Engelskirchen, einem Vorort von Köln, geboren wurde, kam erst im Alter von gut acht Jahren zum Turnen. "Zunächst habe ich das Turnen klassisch als Breitensport betrieben. Seit ich 14 Jahre bin, turne ich im Leistungssport", erzählt "Maggie", wie sie beim BTW genannt wird. Sie war unter anderem für die TS 79 Bergisch Gladbach und den Troisdorfer Turnverein aktiv. Inzwischen bestimmen nur noch das Studium und das Turnen ihr Leben. Ein Jahr verbrachte die junge Frau zwischendurch im US-Bundesstaat Ohio, wo viermal wöchentlich vier Stunden trainiert wurde. Rund fünfmal in der Woche kommt Gippert von Bielefeld für dreieinhalb Stunden Training mit dem Zug nach Bünde. "Als arme Studentin habe ich kein Auto", sagt die Sportlerin augenzwinkernd. "Maggie ist turnverrückt und kommt manchmal auch zum sechsten Mal in der Woche in die Halle, was sie eigentlich nicht müsste", sagt ihre Trainerin Marion Bohlmeier über ihre Mannschaftsführerin der Regionalliga-Riege. Gibbert ist mit 24 Jahren gegenüber dem "Küken" Naile Tam (12) doppelt so alt wie ihre jüngste Mannschaftskollegin. "Ich bin zwar die Turn-Oma, aber das Alter spielt bei uns keine Rolle. In der Mannschaft sind wir alle gleich", sagt Gippert. Vehement verneint sie, eine Art Co-Trainer Marion Bohlmeiers zu sein. Trotzdem ist die junge "Oma" der verlängerte Arm der Chef-Trainerin. "Maggie findet klare Worte, die bei den Mädchen dann richtig ankommen, wenn es etwas falsch läuft", so Marion Bohlmeier, die eine erfreuliche Entwicklung beim nationalen und internationalen Turnen sieht. Es gefällt der erfahrenen Trainerin, dass ältere Turnerinnen, die über 18 Jahre sind, wieder mehr berücksichtigt werden. Gibbert will noch mindestens zwei Jahre für den BTW Bünde aktiv sein und in dieser Zeit mit ihrer Mannschaft in die zweite Bundesliga aufsteigen. Spitzenturnerinnen beim BTW verdienen mit dem Sport kein Geld, trotz des hohen Trainingspensums von fast 20 Stunden pro Woche. Die Turnerin lobt die guten Bedingungen in ihrem Club. "Der Förderverein sorgt für gute Unterbringungen bei den Auswärtswettkämpfen", sagt Marion Bohlmeier. Nach der Beendigung ihres Studiums möchte die Rheinländerin in der Forschung arbeiten und promovieren. Stellt sich noch die Frage nach dem Lieblingsgetränk von Magdalena Gibbert - Weizen, Pils, Kölsch oder besser nur Wasser? Die Antwort kommt schnell und dürfte in der Bünder Gastronomie schwer zu bekommen sein: "Kölsch! Natürlich!"

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