Zwiespalt: Die Harsewinkeler Handball wissen um ihre große Chance, aufzusteigen. Trainer Manuel Mühlbrandt muss einerseits die daraus erwachsene Euphorie nutzen und für die notwendige Konzentration sorgen. - © Henrik Martinschledde
Zwiespalt: Die Harsewinkeler Handball wissen um ihre große Chance, aufzusteigen. Trainer Manuel Mühlbrandt muss einerseits die daraus erwachsene Euphorie nutzen und für die notwendige Konzentration sorgen. | © Henrik Martinschledde

Harsewinkel TSG Harsewinkel sieht gute Chancen im Kampf um den Aufstieg

Trainer Manuel Mühlbrandt traut dem Verbandsligazweiten TSG Harsewinkel sportlich den Aufstieg zu, hält die Oberliga aber für eine sehr große Herausforderung

Uwe Kramme

Harsewinkel. Es kommt zwar selten vor, aber als seine TSG Harsewinkel mit dem 39:22-Sieg gegen die SpVg. Steinhagen im letzten Spiel vor der Osterpause auf den 2. Tabellenplatz der Handball-Verbandsliga gestürmt war, hatte es Manuel Mühlbrandt die Sprache verschlagen: "Ja, was soll ich jetzt noch sagen." Der Trainer, der bis dahin immer nur von "Punkten für den Klassenerhalt" gesprochen und betont hatte, dass seine junge Mannschaft nach der rasanten Entwicklung vom Abstiegskandidaten zu einem Spitzenteam in nur einem Jahr noch sehr fragil sei, um nur ja keinen Erfolgsdruck aufzubauen, rang sich dann aber doch noch eine Perspektive für die letzten sechs Saisonspiele ab: "Wenn wir weiter so fokussiert bleiben, dann ist jetzt alles möglich." Tatsächlich eröffnet die Tabellensituation den Harsewinkelern tolle Aussichten. Die Meisterschaft scheint zwar an LiT Tribe Germania II (31:9 Punkte) vergeben zu sein. Doch weil der Spitzenreiter nicht aufsteigen darf, da die 1. Mannschaft schon in der Oberliga spielt, ist der Kampf um den zweiten Platz und damit um den direkten Aufstiegs zwischen der TSG (26:14), TuRa Bergkamen (24:16), TV Emsdetten II (24:16) und SuS Oberaden (23:17) eine heiße Kiste. Dass sich Mühlbrandt ("Aber natürlich greifen wir zu, wenn sich die Chance ergibt") beim Thema Aufstieg zurückhält, hat aber nicht nur mit der Leistungsdichte in der Verbandsliga, die den Endspurt unwägbar macht, zu tun. "Selbst die HSG Spradow ist doch mit 22:18 Punkten noch nicht raus aus dem Rennen und die wollte in dieser Saison wirklich nur drin bleiben", gibt der TSG-Coach zu bedenken. Der tief im westfälischen Handball verwurzelte Experte rechnet aber auch gleich die Chancen eines Verbandsligisten, der mit vielleicht 16, 17 oder 18 Miesen aufsteigt in "dieser saustarken Oberliga" hoch und kommt zu dem Schluss: "Ganz ehrlich, mit den aktuellen Kadern hat eigentlich keiner der Kandidaten eine Chance, sich da oben zu behaupten." Ob die Konkurrenten sich im Falle eines Falles verstärken könnten, wisse er nicht. "Aber ich kenne unsere Möglichkeiten", sagt Mühlbrandt. "Mit Albert Kreismann und Thomas Fröbel vom TV Verl stehen zwei Neuzugänge fest. Beide helfen uns weiter. Aber darüber hinaus wird es schwierig, denn wir können nur mit einer tollen, jungen Mannschaft locken und nicht mit einem vollen Portemonnaie." Dabei muss für die neue Saison - egal in welcher Liga - unbedingt Ersatz für Alexander Kaup her. Der zweite Torwart nimmt ein Studium in Hamburg auf und kann nicht mehr regelmäßig trainieren. "Außerdem gilt es - und zwar bei allem was wir machen- immer, die Belange der ganzen Handballabteilung im Blick zu behalten", sagt Mühlbrandt. "Und die sucht händeringend Jugendtrainer, Betreuer sowie Helfer für alles Mögliche und das alles kostet." Dankbar und zufrieden registrieren der Chefcoach und Teammanager Heiner Obermeyer zwar, dass die Zuschauerzahlen im und damit auch die Einnahmen wegen der guten Leistungen gestiegen sind. "Aber davon, dass die Sponsoren Schlange stehen, um uns zu helfen, kann nun wirklich keine Rede sein. Da müssen wir noch ganz viel Überzeugungsarbeit leisten."

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