Gütersloh Englische Rugbyspielerin debütiert in der deutschen Nationalmannschaft

Am Sonntag spielt Mary Dixon in Katowice gegen Polen und Tschechien

Robert Becker
Wolfgang Temme

Gütersloh. Eine Engländerin im Trikot der deutschen Nationalmannschaft? Im Rugby geht das. Mary Dixon aus Gütersloh, 16 Jahre alt und beim Wiedenbrücker TV aktiv, wurde für das deutsche U 18-Team nominiert, das am Sonntag in Polen zwei Länderspiele gegen Polen und Tschechien bestreitet. "Richtig verstehen kann ich das auch nicht. Aber offenbar sind die Regeln nicht so streng, weil es Frauen-Rugby ist und dann noch U 18." Der Gütersloherin, die auf der Isle of Whight als Tochter eines Engländers und einer aus Irland stammenden Mutter geboren wurde, ist es recht. Am Donnerstag fliegt sie von Düsseldorf aus nach Katowice, wo die beiden Freundschaftsspiele im so genannten 7er-Rugby ausgetragen werden. Eingebunden sind die Partien in ein gemeinsames Trainingscamp mit dem Frauenteam. Melvine Smith, "Head Coach of Women's 7s Rugby", so die offizielle Positionsbezeichnung durch den Deutschen Rugby-Verband (DRV), hat dazu 13 Nachwuchsspielerinnen eingeladen. "Per E-Mail", verrät Dixon, die bisher keinen persönlichen Kontakt mit dem Trainer hatte. Sie erwartet kein Zuckerschlecken, denn Smith kündigt "intensive Trainingseinheiten" an. Ziel des Lehrgangs sei vor allem, alle Spielerinnen auf einen Stand zu bringen, was die Spielphilosophie und das Spielsystem angeht. "Dazu soll an allen Bereichen rund um die Verteidigungsarbeit und die Sicherung des Ballbesitzes gearbeitet werden", so der Coach. Dass die 2016 olympisch gewordene 7-er-Variante des ansonsten mit 15 Akteuren gespielten Rugby schneller und für alle Beteiligten aktionsreicher ist, gefällt Mary Dixon ebenso wie der Körperkontakt in ihrer Sportart. "Ich bin vor allem eine Schnelle, die viel läuft, aber ich kann auch Tackling", sagt sie. Blaue Flecken und kleinere Blessuren sind für sie "völlig normal". Ernsthaftere Verletzungen hat sie bisher keine erlitten. Mit dem Rugby begonnen hat Mary Dixon bereits im Alter von sechs Jahren. Nach einer mehrjährigen Pause feierte sie 2016 ein Comeback. Sie schaute bei einem Turnier ihres älteren Bruders Aidan (18), inzwischen Jugendtrainer in Wiedenbrück, zu und war sofort wieder begeistert. Recht bald wurde sie in die NRW-Auswahl berufen, mit der sie bereits drei Partien bestritt. "Es wird bestimmt anstrengender, denn das Niveau ist höher" Dass in Polen mit Maike Drewenskus und Mara-Laureen Krause aus Dortmund zwei NRW-Kolleginnen dabei sind, gibt ihr in dem neuen Umfeld ein wenig Sicherheit. An die sportliche Aufgabe geht sie mit gemischten Gefühlen heran. "Es wird bestimmt anstrengender, denn das Niveau ist höher", sagt sie. Angst hat sie aber keine: "Ich freue mich auf die Herausforderung." Einen regelmäßigen Spielbetrieb gibt es beim Wiedenbrücker TV für ihre Altersklasse derzeit nicht. Mary Dixon trainiert gemeinsam mit Jungen in einem gemischten U16-Team, das lediglich Freundschaftsspiele bestreitet. Auch ihr jüngerer Bruder Henry (15) gehört dazu. Quelle der Rugby-Begeisterung in der Familie ist Vater Henry. Früher bei der Armee in Rheindahlen stationiert, kam er 2012 nach Gütersloh, übernahm Traineraufgaben beim WTV und betreute die U 18-Auswahl von Nordrhein-Westfalen. Inzwischen ist er ebenso wie seine Frau Veronica als Lehrer am Einstein-Gymnasium in Rheda tätig. "Ich habe aber nicht unbedingt vor, später Rugbyspielerin zu werden", wiegelt die 16-jährige Mary lächelnd ab. Nach dem für 2019 geplanten Abitur am Evangelisch-Stiftischen Gymnasium, das sie für die Dauer des Trainingscamps vom Unterricht freigestellt hat, hat sie ein "Studium in Richtung Biologie" ins Auge gefasst. Mit dem anderen Auge schielt sie vorerst aber noch auf interessante Rugby-Termine. Gerne würde sie sich für die Europameisterschaft im April in Frankreich empfehlen. Auch das Olympic-Turnier in Ungarn im August reizt sie und ungeachtet ihrer britischen Nationalität sagt sie den deutschen Funktionären zu: "Wenn sie mich nominieren, spiele ich."

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