Ehrgeiz: Malik St Claire, der in dieser Saison schon 25 Treffer erzielte, will seine Qualitäten als schneller Linksaußen auch weiterhin für die TSG Harsewinkel in der Verbandsliga einbringen. - © Henrik Martinschledde
Ehrgeiz: Malik St Claire, der in dieser Saison schon 25 Treffer erzielte, will seine Qualitäten als schneller Linksaußen auch weiterhin für die TSG Harsewinkel in der Verbandsliga einbringen. | © Henrik Martinschledde

Harsewinkel Nach rassistischen Beleidigungen: St. Claire bleibt dem Handball treu

Malik St. Claire von der TSG Harsewinkel hat die rassistischen Beleidigung im Spiel bei der HSG Porta verarbeitet und kann es kaum erwarten, wieder zu spielen

Uwe Kramme

Harsewinkel. Malik St. Claire wird den 21. Januar 2018 so schnell nicht vergessen. Im Verbandsligaspiel bei der HSG Porta wurde der 19-jährige Handballer der TSG Harsewinkel von der Tribüne aus rassistisch beleidigt und mit Affenlauten verunglimpft, als die Schiedsrichter ihn nach einem Ellbogenschlag ins Gesicht seines Gegenspielers des Feldes verwiesen hatten. "Zunächst habe ich nur versucht, diesen schlimmen Vorfall auszublenden", sagt er. "Aber mittlerweile habe ich ihn dank der Hilfe meiner Teamkollegen und unserer Zuschauer, die sehr mitfühlend waren, ganz gut verarbeitet." Das Heftigste seien für ihn die Affenlaute gewesen", so St. Claire. "Am liebsten hätte ich deshalb die Halle verlassen, als mich die Schiedsrichter auf genau diese Tribüne geschickt hatten: "Ich habe mich dann aber doch zu unserer 2. Mannschaft und meinem ehemaligen Jugendtrainer Timo Schäfer gesetzt." Vor seinem Foul ("Es sahschlimmer aus, als es war") sei die Stimmung in der Halle angesichts der Bedeutung der Partie zwar aufgeheizt gewesen, aber nicht über das gewöhnliche Maß hinaus. "Darauf, dass das Andere dann passiert ist, hätte ich gerne verzichtet", ergänzt der in Oakland (Kalifornien) als Sohn eines Jamaikaners geborene und nach der Trennung seiner Eltern in Harsewinkel, der Heimat seiner Mutter, aufgewachsene Malik St. Claire. "So etwas will ich auch nie wieder erleben", sagt der talentierte Handballer, für den die Beleidigungen umso schlimmer waren, als er in seinem geliebten Sport zum ersten Mal mit solchen Auswüchsen konfrontiert wurde. "Als Jugendspieler, haben sie mal zu mir ?du Neger? gesagt, aber das war damals dummes Jungengerede, mehr nicht." So betroffen er zunächst gewesen sei, so schnell hätte sich die Erkenntnis durchgesetzt, sich nicht unterkriegen zu lassen, sagt Malik St. Claire. "Handball bleibt mein Ding, aufhören war nie eine Überlegung. Und ich habe auch meinem Bruder Mattes, der in der A-Jugend spielt, gesagt, da musst du drüber stehen, wenn dir so etwas mal passieren sollte. Sonst gewinnen ja die, die rumbrüllen." "Ich muss lernen, nicht mehr so ungestüm zu sein" Dass der Vorfall in Porta ein großes Thema in den lokalen Zeitungen und in den sozialen Medien war, findet Malik St. Claire gut, weil das vielleicht einige zum Nachdenken gebracht hätte: "Allerdings wäre ich gerne nicht der Betroffene gewesen." Arrangiert hat sich St. Claire mit der Sperre für drei Spiele, die er für seine Rote Karte in Porta aufgebrummt bekam. "Zugucken ist schrecklich. Und im Training Gas geben zu müssen, obwohl du weißt, dass du am Wochenende nicht spielst, erst recht ", berichtet der wegen seiner Schnelligkeit bevorzugt auf Linksaußen und auf der vorgezogenen Abwehrposition eingesetzte Spieler. "Aber ich muss wohl lernen, nicht mehr so ungestüm in die Zweikämpfe zu gehen, damit mir so etwas nicht noch mal passiert." Ehe sein Wunsch ("Schnell wieder Handball spielen") in Erfüllung geht, muss Malik St. Claire noch bei den Heimpartien der TSG Harsewinkel am Sonntag gegen den TV Emsdetten II und in der Woche darauf gegen den CVJM Rödinghausen zuschauen. Weil beide Gegner direkte Konkurrenten der eigenen Mannschaft im Kampf um einen Spitzenplatz in der Verbandsliga sind, fürchtet der ehrgeizige Spieler, dass ihm das Zuschauen genauso schwer fallen wird wie das Warten auf den erhofften Ausbildungsplatz als Zimmerer oder Tischler.

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