Redaktionsgast: Marcel Machill interessiert sich als Professor für Journalistik natürlich für „red.web", das Redaktionssystem der Neuen Westfälischen. - © Andreas Frücht
Redaktionsgast: Marcel Machill interessiert sich als Professor für Journalistik natürlich für „red.web", das Redaktionssystem der Neuen Westfälischen. | © Andreas Frücht

Gütersloh HVW-Vizepräsident Machill fürchtet um den Spielbetrieb im Handball

„Schiedsrichter zu oft die Buhmänner“

Uwe Kramme

Gütersloh. Für Marcel Machill macht der respektvolle Umgang aller Beteiligten miteinander ein gutes Handballspiel aus. "Aber wie oft habe ich es schon erlebt, dass eine Mannschaft in einem Spiel sechs Siebenmeter verworfen hat und der siebte, den wir Schiedsrichter in der Schlussphase angeblich noch hätten geben müssen, spielentscheidend gewesen sein soll. Wir werden dann als die Schuldigen für die Niederlage hingestellt, kritisiert, womöglich sogar beschimpft." Dabei seien Schiedsrichter doch auch nur Sportler, die an diesem Spiel teilnehmen, ohne die es dieses Spiel noch nicht einmal geben würde, merkt der 49 Jahre alte Gütersloher an. "Aber natürlich machen auch Schiedsrichter Fehler" "Aber natürlich machen auch Schiedsrichter Fehler." Bereitwillig räumt Machill ein, dass selbstverständlich auch der Umgang mit solchen Fehlern, das berühmte Fingerspitzengefühl und das Einfühlungsvermögen die Atmosphäre auf dem Spielfeld bestimmen würden. "Und was vergebe ich mir denn, wenn ich einem Spieler sage: Ich habe das Foul aus meinem Blickwinkel nicht erkannt, aber ich schaue beim nächsten Angriff genau hin", sagt das Mitglied des Leistungskaders im Handball-Verband Westfalen, der Spiele bis zur Männer-Verbandsliga und bis zur Frauen-Oberliga leitet. Als Schiedsrichter-Lehrwart des Kreisverbandes Gütersloh würde er dem Nachwuchs jedenfalls immer raten: "Gebt es doch ruhig zu, wenn ihr das Gefühl habt, einen Vorteil abgepfiffen zu haben, weil ihr nicht noch diesen einen Moment gewartet habt. Das ist nicht schlimm." Auf der Gegenseite erwarte er aber auch Verständnis von den Akteuren dafür, dass nicht jeder Schiedsrichter in der Kreisliga wie seine Kollegen in der Oberliga alle Feinheiten drauf hat. Der Umgang mit den Schiedsrichtern im Handball bewegt Machill über die eigenen Einsätze und die Lehrtätigkeit hinaus. "Unser Sport steht vor einer großen Herausforderung", stellt er als Vizepräsident Recht des Handballverbandes Westfalen fest. "Denn weil Schiedsrichter zu oft die Buhmänner sind, finden sich immer weniger junge Leute, die bereit sind, sich als Schiedsrichter zu engagieren." Die Folgen sind für Machill erheblich: "Im Kreis Gütersloh ist der Schiedsrichtermangel nur noch nicht so offensichtlich, weil die unteren Spielklassen nicht mehr mit Schiedsrichtern besetzt werden und ältere mehr Spiele pfeifen, als sie müssen." Um gegenzusteuern setze der Kreisverband auf einen Mix aus Förderung und Forderung. "Unser Konzept sieht unter anderem vor, dass junge Schiedsrichter bei ihren ersten Einsätzen von erfahrenen Spielleitern begleitet werden", erklärt Machill. "Das greift auch, wenn sie in die nächste Leistungsklasse aufsteigen." Zugleich erhöht der HVW den Druck auf die Clubs, Schiedsrichter zu werben."Unsere neue Ordnung sieht vor, dass jeder Verein für jede Mannschaft einen Schiedsrichter und ab einer bestimmten Leistungsklasse ein Schiedsrichtergespann stellen muss. Schafft er das nicht, wird seiner klassenhöchsten Mannschaft ab der Saison 2020/2021 pro fehlendem Schiedsrichter ein Punkt abgezogen." Der als Professor für Journalistik an der Universität Leipzig tätige Machill, schlägt von seinen Sorgen um das Schiedsrichterwesen gleich den Bogen zum größten Problem des Handballs in Deutschland: "Es gibt von Jahr zu Jahr weniger Spieler und Mannschaften." Einer der Gründe aus seiner Sicht: "An den Schulen wird kaum noch Handball gespielt, weil er als zu gefährlich und als zu anspruchsvoll gilt. "Aber auch weil das Regelwerk kompliziert ist, lassen Lehrer lieber Volleyball oder Fußball spielen." "Unser Sport steht vor einer großen Herausforderung" Dass immer weniger Handball an Schulen gespielt wird, schmerzt Machill besonders. "Denn ich bin in den Verein gegangen, weil wir an der Schule Handball gespielt haben." Bereits mit 18 habe er dann den Schiedsrichterschein gemacht und sei 2007 wieder mit der Pfeiferei angefangen, als ihn der Berufsweg nach Gütersloh geführt hätte. "Mich fasziniert es, dass ich auf dem Spielfeld dafür sorgen kann, dass es fair zugeht", erklärt Machill. Er habe dabei die Erfahrung gemacht, dass es darauf ankäme, gleich in den ersten zehn Minuten für klare Verhältnisse zu sorgen, indem zum Beispiel Stoßen in der Luft, oder Reißen am Trikot konsequent geahndet würde. "Aber, wir sind keine Maschinen", kommt der Schiedsrichter aus Leidenschaft sofort wieder auf sein Thema, den respektvollen Umgang aller Sportler inklusive der Zuschauer miteinander, zurück.

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