Vorstand: Dirk Schott, Jochen Scholz, Ulrich Thiemann und Dirk Hildebrandt (v.l.) führen den Stadtsportverband. - © Maria Siggemann
Vorstand: Dirk Schott, Jochen Scholz, Ulrich Thiemann und Dirk Hildebrandt (v.l.) führen den Stadtsportverband. | © Maria Siggemann

Verl SSV Verl: Kraftprobe bei der Jahreshauptversammlung sorgt für Kopfschütteln

Jochen Scholz bleibt nach Kampfabstimmung gegen eine vom Turnverein Verl völlig überraschend nominierte Gegenkandidatin an der Spitze des Stadtsportverbandes

Maria Siggemann

Verl. Von wegen "business as usual": Die Jahreshauptversammlung des Stadtsportverbands Verl verlief alles andere als gewöhnlich. Als beim Tagesordnungspunkt "Wahlen" alle mit der glatten Wiederwahl des seit 14 Jahren als Vorsitzender amtierenden Jochen Scholz (SC Verl) rechneten, sorgte der TV Verl mit der Nominierung einer Gegenkandidatin für große Verblüffung. Der mit Abstand größte Sportverein der Stadt (3.084 Mitglieder) schickte Maja Kraft ins Rennen. "Das hätten man vielleicht vorher absprechen sollen, dann hätte ich den Posten vielleicht sogar abgegeben", reagierte Scholz sichtlich irritiert, als Coletta Siedenhans vom Vorstand des TV Verl die Kandidatin vorschlug. Kraft ist im Turnverein als Judotrainerin tätig und leitet seit Jahren als hauptamtliche Angestellte das Kursprogramm. Spannung versprach die Wahl, weil der TV Verl insgesamt 16 stimmberechtigte Delegierte stellen kann. Die 14, die am Mittwochabend an der Versammlung teilnahmen, standen zwar geschlossen hinter Maja Kraft. Das reichte jedoch nicht, denn sämtliche 17 anwesenden Vertreter der anderen 23 Vereine votierten für Scholz. "Das Ergebnis ist knapp, aber dennoch eindeutig", stellte Verls stellvertretener Bürgermeister Josef Dresselhaus als Wahlleiter fest. Später zeigte sich Jochen Scholz immer noch fassungslos über die unerwartete Gegenkandidatur. "Ich verstehe nicht, warum sie nicht mit mir gesprochen hat. Ich mache diesen Job seit 14 Jahren. Mein Vorgänger Kurt Bock hat fünf Jahre gebraucht, um einen Nachfolger zu finden. Wenn sie den Vorsitz machen möchte, hätte man doch darüber reden können." Auch bei den Vertretern der anderen Vereine herrschte allgemeines Kopfschütteln. "Das war sehr undiplomatisch und zeugt nicht gerade von Professionalität", sagte einer der Delegierten. Eine Gespräch zwischen den Beteiligten fand am Abend nicht mehr statt, denn Maja Kraft verließ den Tagungsraum sofort nach dem Ende der Veranstaltung. Gestern erklärte sie auf Nachfrage, es gebe ihrerseits und auch von Seiten des TV Verl aus keinerlei Kritik an der Amtsführung von Jochen Scholz: "Ich habe kandidiert, weil ich ein Anhänger von Demokratie und demokratischen Abstimmungen bin." Auch die anderen Positionen im 20-köpfigen Gesamtvorstand blieben nahezu unverändert. Die langjährigen Beisitzer Heidrun Büteröwe (72, TV Verl), Karl Nielen (68, Wasserwanderfreunde) sowie Markus Pollmeier (47, Verl-Gütersloh Yaks) gaben ihre Posten unter dem dankenden Applaus der Delegierten ab.

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