Herzebrock-Clarholz Bastian Rudolf und Nikola Strachowa gewinnen 25. Clarholzer Hochsprungmeeting

Leichtathletik: Spannendes Duell auf hohem Niveau

Wolfgang Temme

Herzebrock-Clarholz. Welcher deutsche Hochspringer möchte nicht gern in die Fußstapfen von Mateusz Przybylko treten? Beim 15. Clarholzer Sparkassen-Meeting gelang das gestern gleich zwei Youngstern. Chima Ihenetu (17) vom SC Neubrandenburg löschte bei seinem U20-Sieg mit 2,13 Meter den acht Jahre alten Meeting-Jugendrekord des WM-Fünften aus (siehe nebenstehenden Bericht). Und der 22-jährige Bastian Rudolf löste den 2,35-Meter-Flieger aus Leverkusen, der seinen "Titel" wegen eines Nationalkader-Lehrgangs nicht verteidigen konnte, mit 2,16 Meter als Sieger des Männerwettbewerbs ab. Bei den Frauen ging der Sieg nach Tschechien: Nikola Strachova (23) steigerte sich auf 1,84 Meter und scheiterte erst an der neuen Meeting-Rekordhöhe von 1,86 Meter. Als Siggi Klapper dem besten Springer seine Siegprämie von 70 Euro (in Worten: siebzig) überreichte, blickte der Cheforganisator der LG Kreis Gütersloh auf einen spannenden Wettkampf zurück. In der von Jan Mathmann und Co. zur Hochsprung-Arena umgebauten Halle der Wilbrand-Schule, wo laute Musik, rhythmisches Klatschen und die Anfeuerung von Moderator Stefan Schwenke die Stimmung gelegentlich zum Kochen brachte, lieferte sich Rudolf ein enges Duell mit dem höhengleichen Niederländer Douwe Amels. "Ich habe überhaupt nicht mit dem Sieg gerechnet", sagte der letztjährige DM-Vierte, der die Siegeshöhe von 2,16 Meter im ersten Versuch meisterte und damit seine persönliche Bestleistung einstellte. "Geiler geht?s eigentlich nicht", schwärmte der angehende Wirtschaftsingenieur, der sein Studium an der TH Dresden jetzt zugunsten der Leichtathletikkarriere hintanstellt, von der beflügelnden Stimmung in Clarholz. Fast hätte die ihn auch über 2,19 Meter getragen, doch es reichte nicht ganz. Douwe Amels gestand seine Enttäuschung ein. "Ich kann höher, aber mein Anlauf hat heute irgendwie nicht geklappt", sagte er. Der 26-Jährige lebt in Leverkusen, lässt seine Tätigkeit als Rechtsanwalt ruhen und konzentriert sich ganz auf Hochsprung. Ziel ist die Qualifikation für die Europameisterschaft in Berlin, wofür die Niederländer 2,26 Meter springen müssen. Nach drei Monaten guten Trainings hatte sich Douwels, dessen Bestleistung aus dem Jahr 2013 bei 2,28 Meter steht, für Clarholz mindestens eine deutliche Annäherung erhofft. Andre Düsterhöft, Zehnkämpfer der LG Kreis Gütersloh, sprang in einer anderen Etage, schlug sich mit 1,97 Meter aber wacker. "Für den ersten Wettkampf bin ich zufrieden", sagte der 24-Jährige. Richtiggehend "happy" war Nikola Strachova. Die Vorjahresdritte hatte die 1,84 Meter-Latte schon zweimal gerissen, als ihr der frühere LG-Gütersloh-Coach Georg Cadek vor dem dritten Anlauf noch einen letzten Tipp gab. Den setzte die Technologie-Studentin aus Prag perfekt um und jubelte über eine neue persönliche Bestleistung. Cadek (73), Entdecker von Mateusz Przybylko, jubelte mit und freute sich als Tscheche, beim Interview mit der Siegerin dolmetschen zu können. Publikumsliebling Hannelore Desmet ("Die Atmosphäre war wieder toll") konnte ihren Vorjahressieg nicht wiederholen. Mit 1,78 Meter musste sich die 28-jährige Belgierin sogar mit Rang drei hinter der höhengleichen Viktoria Gottlieb begnügen. Die 22-Jährige vom TV Wattenscheid wurde von Sabine Braun (52) gecoacht, der SiebenkampfWeltmeisterin von 1991. Noch prominenter ist ein Gast, der überraschend am Samstag in die Clarholzer Halle auftauchte: Heike Henkel, Hochsprung-Olympiasiegerin von Barcelona 1992, schaute beim Training des NRW-Kaders zu.

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