Frontmänner: Heiner Kollmeyer (l.) und Hans-Hermann Kirschner wurden auf der Jahreshauptversammlung im Juni zusammen mit Helmut Delker in den dreiköpfigen Vorstand des FC Gütersloh gewählt. - © Henrik Martinschledde
Frontmänner: Heiner Kollmeyer (l.) und Hans-Hermann Kirschner wurden auf der Jahreshauptversammlung im Juni zusammen mit Helmut Delker in den dreiköpfigen Vorstand des FC Gütersloh gewählt. | © Henrik Martinschledde

Gütersloh Heiner Kollmeyer und Hans-Hermann Kirschner sind mit der Entwicklung des FC Gütersloh zufrieden

Interview: Die Vorsitzenden schauen vorsichtig optimistisch in die Zukunft des Fußball-Oberligisten

Uwe Kramme

Hätten Sie vor einem Jahr für möglich gehalten, Vorsitzender des FC Gütersloh zu werden? Hans-Hermann Kirschner: Ich glaube, es war im Januar, als ich diesen speziellen Anruf von Heiner Kollmeyer bekommen habe. Ich meine, nur gesagt zu haben, dass ich im Hintergrund helfen würde, das größte Problem zu lösen, Sponsoren zu finden. Heiner Kollmeyer: Vielleicht nicht gleich Vorstand, aber gedanklich bin ich schon im Dezember 2015 eingestiegen, als der damalige FCG-Vorsitzende Andre Niermann laut überlegt hatte, den Verein vom Spielbetrieb abzumelden. Wir hatten damals bei der CDU erkannt, dass wir das Heidewaldstadion nicht ausbauen können, wenn da keiner mehr spielt. Sind Sie zufrieden, mit dem was sie erreicht haben? Kollmeyer: Der Aufwand hat sich gelohnt, insbesondere weil sich ein Team gefunden hat, das mit einer gewissen Besessenheit daran arbeitet, diesen Verein am Leben zu halten. Mut gemacht haben die vielen Aufmunterungen von Leuten, die uns gesagt haben, Gütersloh braucht Oberligafußball und ein Stadion. Kirschner: Die Zukunft des Vereins stand tatsächlich auf des Messers Schneide. Es waren ja keine Drohgebärden die wir kommuniziert hatten. Wir waren wirklich der Meinung, dass wir es nicht schaffen. Was war dann entscheidend? Kirschner: Das letzte Heimspiel in der letzten Saison gegen Erndtebrück, als sich drei, vier neue Sponsoren, un- ter anderem unser neuer Trikotsponsor, gemeldet haben. Die Spendenlobby mit DFB-Präsident Reinhard Grindel im März war also gar nicht die erwartete Initialzündung? Kollmeyer: Es war nicht dolle, was danach eintrudelte. Ich hatte 500 Euro zu verbuchen und Hans-Hermann etwas mehr. Aber die große Anerkennung für diese Veranstaltung in der Skylobby hat uns weitergeholfen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Thomas Hagedorn im Vorfeld erklärt hatte, uns zu helfen. Wie steht der FCG am Ende dieses aufregenden Jahres da? Kirschner: Unsere Hoffnung, mit mehreren Großsponsoren das Paket leicht schultern zu können, hat sich nicht bewahrheitet. Aber wir haben eine große Anzahl kleinerer Sponsoren gewinnen oder zurückgewinnen können. Rund 60 sichern jetzt unser Budget. Mit den Drei-Jahres-Verträgen, die wir mit ihnen abgeschlossen haben, können wir bis 2020 zwar bescheiden, aber sicher arbeiten. Die Rede war von einem Finanzbedarf von 360.000 Euro pro Saison . . . Kirschner: . . . ja, für das laufende Jahr. Hinzu kamen die Altverbindlichkeiten von 150.000 Euro. Aus der Summe resultierte unser Anspruch, 500.000 Euro einsammeln zu wollen. Wir sind dann ein bisschen heruntergegangen, aber aus heutiger Sicht kann man sagen, dass wir die 500.000 geschafft haben. Die Verbindlichkeiten sind getilgt, der FCG ist schuldenfrei? Kirschner: Wir sind absolut schuldenfrei und haben sogar ein kleines Polster für den Rest der Saison. Mit welchem Jahresetat wird künftig kalkuliert? Kirschner: Alles zusammen gerechnet liegt der bei 400.000 Euro. Kollmeyer: Man darf aber nicht vergessen, dass wir keine Altverbindlichkeiten mehr vor der Brust und deshalb für das ein oder andere mehr Luft haben, ohne große Sprünge machen zu können. Wie hat sich die Jugend entwickelt? Ihren Fortbestand zu sichern. war ja der Ansporn für die Rettungsinitiative. Kollmeyer: Wir haben etwa 250 Spieler, und bis auf die A-Jugend liegen wir gut. Oliver Eichstädt leistet hervorragende Arbeit. Aber es fehlt noch an Personal, Trainern und Betreuern. Die Jugendabteilung gleichzeitig in der Breite und in der Spitze zu entwickeln, ist das eine große Herausforderung? Kirschner: Natürlich, insbesondere wenn die Jugendarbeit den Senioren zugute kommen und ein fließender Übergang stattfinden soll. Das ist momentan gar nicht der Fall. Aber es ist unser Ziel, wieder eine A-Jugend zu melden und sie so leistungsstark zu machen, dass sie Spieler für uns herausbringen kann. Natürlich wissen wir, dass es Jahre dauern wird, bis wir Bezirks- oder noch höheres Niveau erreicht haben. Die Zuwächse im E- und D-Jugendbereich sind aber schon erfreulich. Ist der Verlust der Leistungsstärke im Jugendbereich die größte Strafe für die Misswirtschaft des alten FCG? Kollmeyer: Ja, wenn man das mit der Anziehungskraft auf junge Spieler vergleicht, die der FCG hatte, als er noch die stärkste Jugendabteilung im Fußballkreis stellte. Es wird lange dauern, da wieder anzuknüpfen. Im Moment wäre es sogar vermessen zu sagen, wir wollen da wieder anknüpfen. Ziel unseres Engagements ist eine funktionierende Nach-wuchsabteilung mit überkreislich aktiven Mannschaften, aber auch mit einem integrativen, sozialpädagogischen Charakter. Vielleicht erfahren wir so ja auch noch mehr Akzeptanz und Unterstützung. Im ersten Halbjahr 2017 hatte der FCG genug Punkte, aber zu wenig Geld. Im zweiten scheint es eher umgekehrt zu sein. . . Kirschner: . . . der Vorstand hat bisher logischerweise das Hauptaugenmerk auf Finanzen, Organisation und Vereinsentwicklung gelegt. Auch in Ermangelung eigener Kompetenz haben wir uns nicht so sehr um den sportlichen Bereich der 1. Mannschaft gekümmert. Wir haben gedacht, Trainerteam und Spieler werden das schon wieder schaukeln. Dass sich die Saison zuletzt so desaströs entwickelt hat, gefällt uns umso weniger, als die Identifikation mit diesem Verein immer auch über den Erfolg der ersten Mannschaft transportiert wird. Was wollen Sie tun? Kirschner: Der Erfolg ist im Moment nicht da, und wir können ihn nicht erzwingen, schon gar nicht mit unbegrenzten finanziellen Mitteln. Aber wir haben das Ziel, die Oberliga zu halten. Unter Umständen könnte der 15. Tabellenplatz schon reichen, obwohl wir gut beraten wären, noch ein, zwei Plätze zu klettern. Wir schauen, ob wir in der Winterpause vier, fünf Spieler verpflichten können. Kollmeyer: Vielleicht haben wir auch die Auftaktsiege überschätzt und gedacht, es geht einfach so weiter. Leider mussten wir deshalb das Phänomen beobachten, dass die Zuschauerzahl zurückgeht. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus für die neue Saison? Kirschner: Wir haben auch mit Blick auf die Kompetenzen, die wir im Vorstand haben, Tim Brinkmann als Sportlichen Leiter eingestellt. Dieser langjährige Spieler des FCG soll eine sportliche Erneuerung einleiten. Das heißt konkret? Kirschner: Möglichst viele junge Spieler aus der Region holen und eine attraktive Mannschaft, mit der sich die Zuschauer noch mehr identifizieren können, aufbauen. Wie geht es mit den Trainern Fatmir Vata und Marc Hunt weiter? Kirschner: Wir haben beiden mitgeteilt, dass wir die neue Saison nicht mehr mit ihnen planen. Das war nicht einfach, denn sie haben sich mit dem Klassenerhalt große Verdienste um den Verein erworben und wir hoffen und glauben, dass ihnen das in dieser Spielzeit wieder gelingt. Kollmeyer: Vor uns liegt eine nicht ganz einfache Phase der sportlichen Neuorientierung. Auch auf der Trainerposition suchen wir deshalb einen jungen, ehrgeizigen Mann, der bereit ist, mit bescheidenen Mitteln einen Neuanfang mitzugehen. Mit welcher Zielsetzung soll der angegangen werden? Kirschner: Wir erwarten ein weiteres Aufbaujahr, aber ein sicherer Mittelfeldplatz sollte das erste Ziel sein. Kollmeyer: Im Moment verbietet es sich doch, von einem Spitzenplatz oder sogar von der Regionalliga zu sprechen. Der SC Verl hat dort zum Beispiel einen Etat, der ist viermal so hoch wie unserer. Um ernsthaft über die 4. Liga nachdenken zu dürfen, müssten wir ganz andere Zusagen von unseren Sponsoren bekommen. Kirschner: Angesichts der Vorgeschichte des FCG und dem Wissen, dass es keinen Supersponsor geben wird, kann es nur darum gehen, dass wir wirtschaftlich solide bleiben und uns den sportlichen Erfolg Stück für Stück erarbeiten. Wir werden jedenfalls nur das Geld ausgeben, das wir einnehmen. Geduld zu haben, heißt ja nicht, dass man keinen Ehrgeiz hat. Oberligateam, Jugendabteilung, Vereinsverwaltung - es gibt beim FC Gütersloh aber auch viel aufzuarbeiten... Kollmeyer: Deswegen wol- len wir mal in den nächsten zwei, drei Jahren die alten Baustellen aufräumen. Dann können wir uns auf einem sportlich und finanziell gefestigten Fundament neu orientieren. Kirschner: Was wir uns aber leisten können müssen, ist die Oberliga. Da fängt leistungsorientierter Sport an, den braucht man, um Fußball in Gütersloh als Standortfaktor zu verkaufen. Das Problem ist natürlich, dass der Sprung von dieser Oberliga in die Regionalliga gigantisch ist. Ihn zu schaffen, geht nur über Sponsoren. Da muss man sich fragen, unter welchen Umständen Gütersloh in der Lage ist, das zu stemmen. Der oberste Grundsatz heißt also weiter Solidität? Kirschner: Absolut. Finanziell gesehen hat man uns in diesem Jahr die letzte Chance gegeben. Wir müssen damit sehr sensibel umgehen. Alles andere muss sich entwickeln.

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