Gesprächspartner: Bernhard Hartmann (l.), Geschäftsführer des SC Wiedenbrück, diskutierte in Frankfurt mit DFB-Präsident Reinhard Grindel und Michael Welling (r.), Vorsitzender von RW Essen, über die Struktur der Regionalliga. - © Lars Heidrich/Funke-Mediengruppe
Gesprächspartner: Bernhard Hartmann (l.), Geschäftsführer des SC Wiedenbrück, diskutierte in Frankfurt mit DFB-Präsident Reinhard Grindel und Michael Welling (r.), Vorsitzender von RW Essen, über die Struktur der Regionalliga. | © Lars Heidrich/Funke-Mediengruppe

Rheda-Wiedenbrück Beim DFB-Boss: Geschäftsführer des SC Wiedenbrück trifft Reinhard Grindel

Bernhard Hartmann diskutierte in Frankfurt mit Reinhard Grindel über die zukünftige Struktur der Regionalliga

Rheda-Wiedenbrück. Seit 2009 ist Bernhard Hartmann Geschäftsführer des SC Wiedenbrück, derzeit befindet er sich mit dem Fußballklub in der achten Regionalligasaison. Längst hat sich der 53-jährige Gütersloher auf westdeutscher Ebene einen Namen gemacht als Experte für die Organisation des Spielbetriebs und die strukturellen Themen dieser Spielklasse. Nun fand seine Kompetenz auch Niederschlag auf höchster Ebene: Hartmann wurde vom Deutschen-Fußball-Bund zusammen mit Michael Welling, dem Vorsitzenden von RW Essen, nach Frankfurt eingeladen, um mit DFB-Präsident Reinhard Grindel über die Zukunft der Regionalliga zu diskutieren. Grindel plädiert für eine Beibehaltung der fünfgleisigen Regionalliga Moderiert und begleitet wurde das schon am vergangenen Mittwoch geführte drei-stündige Gespräch von Journalisten der Funke-Mediengruppe. Die größte Neuigkeit betrifft die heftig attackierte Aufstiegsregelung: Grindel plädiert für eine Beibehaltung der fünfgleisigen Regionalliga, schlägt aber in Abweichung vom bisherigen Modus (die Meister und ein Vizemeister ermitteln in Relegationsspielen drei Aufsteiger in die 3. Liga) ein Aufstiegsrecht für vier der fünf Regionalligameister vor. Die konkrete Ausgestaltung will Grindel alsbald mit den betroffenen Vereinen und Verbänden besprechen. Ihm schwebt aber ein abschließender Beschluss des DFB-Vorstands bereits im Dezember und die Einführung der neuen Aufstiegsregelung schon zur Saison 2018/2019 vor. Der westdeutsche Fußball-Verband hat seine Regionalligisten zwecks Meinungsbildung für den 21. September nach Duisburg eingeladen. Eine Aufstiegsrunde mit Hin- und Rückspielen Bernhard Hartmann („Es gibt keine Lösung, die alle befriedigt") könnte sich damit anfreunden, wie er in dem vom „Reviersport" veröffentlichten Interview erklärt: „Die Aufstiegsregelung, wie wir sie jetzt kennen, findet niemand gut. Es kann nicht sein, dass Waldhof Mannheim im Relegationsspiel in Meppen einen Elfmeter an den Pfosten schießt und deshalb nicht aufsteigt. Alles andere ist deshalb besser." Der beim FC Gütersloh groß gewordene Funktionär fände aber auch eine Lösung sympathisch, wie sie früher in der drittklassigen Amateur-Oberliga praktiziert wurde: Eine Aufstiegsrunde mit Hin- und Rückspielen. Vehement sprach sich Hartmann in dem Gespräch gegen den Vorschlag von Michael Welling aus, der die Einführung einer zweigleisigen 4.?Liga forderte. „Das wäre gleichbedeutend mit dem Abstieg des SC Wiedenbrück und hätte insgesamt den sportlich unverschuldeten Abstieg von 52 Vereinen in die Fünftklassigkeit zur Folge." »Technisch und organisatorisch haben wir eine Grenze erreicht« Auf die Frage von Welling, ob die Regionalliga für den SC Wiedenbrück das Höchste der Gefühle wäre antwortete Hartmann eindeutig: „Technisch und organisatorisch haben wir eine Grenze erreicht. Wir haben unser Stadion mit Eigenmitteln, ohne Zuschüsse der Kommune oder des Landes regionalligatauglich gemacht und 850 000 Euro, die wir durch Sponsoren generiert haben, investiert. Wir haben 3.000 Plätze. Unser Etat für den gesamten Verein beträgt 1,5 Millionen Euro. Mehr geht nicht, da ist Schluss für uns." Auch bei Reinhard Grindel, der die Regionalität der vierthöchsten Spielklasse wahren will, stieß Welling auf Ablehnung. „Der Übergang von Profi- und Amateurfußball ist zwischen 3.?Liga und Regionalliga gut aufgehoben. Es ist unser sportpolitischer Ansatz, dass Spieler in der Regionalliga weiterhin ihren Ausbildungen oder Berufen nachgehen können", sagte der DFB-Präsident. »Positives Signal« Bernhard Hartmann wertete das Gespräch als „positives Signal" dafür, dass der DFB an einem Konsens interessiert ist. „Man muss alle mit ins Boot nehmen", bekräftigte er. Dem Geschäftsführer des SC Wiedenbrück ist klar, dass er in Frankfurt nicht nur für den eigenen Klub argumentierte: „Ich glaube, dass Michael Welling und der DFB verstanden haben, worum es für die kleinen Vereine geht." Weil es gerade für die kleinen Vereine ein finanzieller Kraftakt ist, in der Regionalliga zu bestehen, begrüßt Bernhard Hartmann auch eine Initiative, für die der DFB bundesweit und gerade von großen Klubs wie RW Essen oder Waldhof Mannheim mit Häme und Spott bedacht wurde – die „Integration" einer chinesischen U20-Auswahl in die Regionalliga Südwest. Konkret bedeutet das, ein Freundschaftsspiel gegen die Chinesen zu bestreiten und dafür vom DFB 15.000 Euro zu erhalten. Hartmann: „Mein Vorstand sagte mir: Geschäftsführer, die so eine Idee ablehnen, müsste man eigentlich entlassen, da sie Regionalligavereine um eine hohe Zusatzeinnahme bringen."

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