Tempobolzer: Im Vorjahr hängte der siegreiche Eyob Solomun (Nr. 1419) in Wiedenbrück auch Elias Sansar (1302) und Stanley Kipkogei (r.) ab. - © Henrik Martinschledde
Tempobolzer: Im Vorjahr hängte der siegreiche Eyob Solomun (Nr. 1419) in Wiedenbrück auch Elias Sansar (1302) und Stanley Kipkogei (r.) ab. | © Henrik Martinschledde

Rheda-Wiedenbrück Starkes Favoritenfeld beim 24. Wiedenbrücker Christkindllauf

LG Burg rechnet mit über 1.100 Teilnehmern

Wolfgang Temme

Rheda-Wiedenbrück. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier - aber dann steht das "Christkind" nicht etwa vor der Tür, sondern im Ziel. Vier Runden à 2,5 Kilometer müssen die Teilnehmer am Wiedenbrücker Christkindllauf absolvieren, bevor es die verdiente Bescherung in Form einer guten 10-Kilometer-Zeit oder einer guten Platzierung gibt. Am heutigen Freitag erlebt der Kultlauf durch die weihnachtlich illuminierte Innenstadt seine 24. Auflage. Um 19 Uhr erfolgt der Startschuss auf der Langen Straße, wo die Zuschauer mit Wunderkerzen stets ein stimmungsvolles Spalier bilden. Genießen wird das ein riesiges Feld. Die 1.100 freien Startnummern waren bei der Online-Anmeldung in drei Minuten vergriffen. Im Vorjahr registrierte die LG Burg, zusammen mit der Kreissparkasse Veranstalter, mit 1.244 Startern und 1.210 Finishern eine Rekordbeteiligung. Diese Marke wird nicht wieder angestrebt. "Es war stellenweise extrem voll auf der Strecke", erinnert sich Martin Masjosthusmann. Weil es in den letzten Tagen zahlreiche Absagen von erkälteten Startnummerninhabern gab, darunter die Hermannslaufzweite Stephanie Fritzemeier aus Bielefeld, rechnet der Sprecher des Organisationsteams "nur" mit 1.100 bis 1.150 Teilnehmern. Erstmals werden sogar 30 Plätze für Nachmelder zur Verfügung gestellt, die heute von 15.00 bis 16.30 Uhr im Stadthaus vergeben werden. Für alle geht es darum, in der speziellen Atmosphäre ein schönes Lauffest zu feiern, das mit der After-Race-Party im Hohenfelder Brauhaus fortgesetzt wird. Für viele geht es aber auch darum, auf der amtlich vermessenen Strecke eine gute Zeit zu erzielen. Die LG Burg belohnt die Top-5 der Männer und Frauen mit Siegprämien von 125 bis 25 Euro. Für Streckenrekorde gibt es 100 Euro extra. Nach einem Blick in die Startliste rechnet Martin Masjosthusmann allerdings nicht mit neuen Bestmarken. "Die Zeiten von Amanal Petros und Ilona Pfeiffer liegen bereits auf einem sehr hohen Niveau." Während die 41-jährige Rekordhalterin aus Dissen, die den Christkindllauf sieben Mal gewonnen hat, wieder am Start ist, begnügt sich Petros bestenfalls mit der Zuschauerrolle. Der 21-Jährige bereitet sich auf die Cross-Europameisterschaft am nächsten Wochenende in Chia (Italien) vor. "Sie freut sich sehr auf die Stimmung in Wiedenbrück" Dennoch gibt es bei den Männern ein starkes Favoritenfeld. Angeführt wird es von Robiel Weldemichael aus Delbrück, im Vorjahr Zweiter mit 31:35 Minuten. Der aus Eritrea stammende 24-Jährige steigerte seine persönliche Bestzeit in diesem Jahr auf 31:08 Minuten. In der aktuellen Topform ist er weder vom neunmaligen Sieger Elias Sansar (Detmold) zu schlagen, noch vom starken Vorjahresvierten Stanley Kipkogei (SV Brackwede). Auch Jan-Simon Hamann ist aktuell wohl nicht in der Lage, Weldemichael das Wasser zu reichen. Der deutsche Marathonmeister von 2012, der 2010 und 2011 in Wiedenbrück die Ära Sansar beendete, hat sich bei der LG Burg persönlich um eine Startnummer bemüht und dabei 32 Minuten als derzeitiges Leistungsvermögen angegeben. Der 30-jährige Hamann bestreitet eines seiner letzten Rennen für den USC Bochum. Zum 1. Januar 2017 wechselt er in seine Heimatstadt und startet für den neuen Klub "hamburg running". Vielleicht macht aber doch Eyob Solomun einen Strich durch alle Rechnungen. Der Vorjahressieger von der SG Wenden kündigte vor vier Wochen nach Platz zwei beim Gütersloher DJK-Halbmarathon seinen Start in Wiedenbrück an, hat sich aber noch nicht bei der LG Burg gemeldet. Aussichtsreichster heimischer Läufer ist der 18-jährige Verler Tom Harder. Bei den Frauen sind in Abwesenheit von "Titelverteidigerin" Mealat Yemane die Gütersloherin Melanie Genrich (SV Brackwede) und Laura Lienhart (Menden), Zweite bei der Isselhorster Nacht 2016, Kandidatinnen fürs Treppchen. Die Favoritenrolle nimmt aber Semnet Asrat Ayano ein. Die 26-Jährige, vor eineinhalb Jahren aus Äthiopien geflohen, startet für den PSV Grün-Weiß Kassel, wo sie vom früheren Marathon-Bun- destrainer Winfried Aufenanger betreut wird. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Ayano in Deutschland zu integrieren und sie zu alter Stärke zurückzuführen. 2011 lief sie die 10 Kilometer in 34:04 Minuten. "Ihr derzeitiges Potenzial liegt bei 36 Minuten", weiß Aufenanger, seit sein Schützling im September bei der DM in Hamburg mit 36:13 Minuten 25. wurde. "Sie freut sich sehr auf die weihnachtliche Stimmung in Wiedenbrück", sagt der Coach. Darin unterscheidet sich Semnet Asra Ayano nicht von den anderen Läufern.

realisiert durch evolver group