Ein Werder-Fan im Glück: „Sie haben nicht nur gut gespielt, sondern sogar gewonnen“, sagte Andreas Brandwein nach dem Bremer 2:1-Sieg in Hoffenheim. - © Foto: NW
Ein Werder-Fan im Glück: „Sie haben nicht nur gut gespielt, sondern sogar gewonnen“, sagte Andreas Brandwein nach dem Bremer 2:1-Sieg in Hoffenheim. | © Foto: NW

Stadionsafari Wie Queen Arjen Robben die Show stahl

Stadionsafari: Heimisches Trainerduo zieht Bilanz

Bielefeld. Nach sieben Tagen Fußball bis zum Abwinken freute sich Andreas Brandwein, „dass meine Familie mich überraschenderweise noch wiedererkannt hat“.

Carsten Johanning hatte dagegen immer noch nicht genug. „Es war lange vorher abgesprochen, dass ich mit einigen Spielern am Sonntag nach Bremen zur Partie Werder gegen Leverkusen fahre – und das habe ich dann auch gemacht.“

Die beiden Freunde und Fußballtrainer – Brandwein coacht den VfL Theesen, Johanning die Spvg. Steinhagen – hatten sich in der „Englischen Woche“ der Bundesliga auf eine achttägige Stadion-Safari von Leverkusen über München bis Amsterdam begeben und ihre Eindrücke täglich festgehalten.

Kritik an schwachen Spielen

In der Rückschau äußern sie sich einigermaßen kritisch.
„Leider haben wir sehr viele schwache Spiele gesehen, in denen beide Teams nur darauf aus waren, kein Tor zu kassieren, und so gut wie nichts für die Offensive getan haben“, meinte Brandwein, der vor allem von den Schalkern enttäuscht war.

Die hatte das Trainer-Duo beim 1:1 in München und beim 1:0 gegen Mönchengladbach beobachtet. „Mir tun die vielen Fans von S04 leid, die mit so viel Herzblut dabei sind und so wenig geboten bekommen“, sagte Brandwein. Beide Spiele hätten ihn an den italienischen Catenaccio der 1980er-Jahre erinnert – „und für so etwas würde ich in Zukunft kein Geld mehr ausgeben“.

Anregungen aus der Fußball-Arena

Carsten Johanning sah das ein wenig anders. „Die Fünfer-Kette mit drei defensiven Mittelfeldspielern davor werde ich auch mal anwenden, wenn ich ganz dringend noch einen Punkt brauche“, nahm er sogar noch Anregungen aus der Arena mit.

Information

Die Idee

Die beiden Trainer Andreas Brandwein (VfL Theesen) und Carsten Johanning
(Spvg. Steinhagen) besuchten innerhalb von acht Tagen sieben Fußballspiele. Dafür fuhren sie einmal quer durch Deutschland und zwischendurch sogar in die benachbarten Niederlande. Unter dem Titel "Stadionsafari" schildern die Trainer für nw.de ihre Eindrücke.

Und dass Mannschaften, die mehr darauf aus seien, das Spiel des Gegners zu zerstören, bei dieser Taktik blieben, wenn sie damit Erfolg hätten, sei ihnen schließlich nicht zu verdenken. „Das ist zwar unansehnlich, aber in der Bundesliga steht halt Effektivität an erster Stelle“, so Johanning weiter.

Auch die Partien Leverkusen – Dortmund (0:0) und Ajax Amsterdam – Alkmaar (0:1) waren fußballerisch keine Offenbarung. „Im Spiel 5:2 ist Ajax Weltmeister, sie strahlen allerdings keinen Funken Torgefahr aus“, stellte Brandwein fest, der sich in den Niederlanden „phasenweise bei einem U-19-Spiel“ wähnte.

Gute Spiele von Hoffenheim

Dagegen kamen die beiden Trainer bei Augsburg – Hoffenheim und Hoffenheim – Bremen schon mehr auf ihre Kosten. „Da ging es deutlich mehr nach vorne“, erklärte Brandwein, der sich natürlich besonders darüber freute, dass sein Lieblingsklub Werder Bremen im Kraichgau nicht, wie von ihm erwartet, eine Klatsche verabreicht bekam, sondern als Sieger vom Platz ging.

Trotz gelegentlich magerer Fußballkost erklärte die Reisegruppe ihren 8-Tage-Trip für gelungen. „Das Drumherum zu erleben, die Atmosphäre in den verschiedenen Stadion aufzusaugen und die unterschiedliche Fankultur im Süden und im Westen mitzubekommen – das alles hat schon Spaß gemacht“, meinten Brandwein und Johanning unisono.

Dabei war ihnen das anerkannte Highlight der ersten drei Rückrundenspieltage, Wolfsburgs furioses 4:1 gegen die Bayern, gleich zum Auftakt durch die Lappen gegangen: Sie blieben bei der Anreise durch das verschneite Ostwestfalen schon vor der niedersächsischen Landesgrenze im Schnee-Chaos hängen.

„Eine Karte für die Partie zu haben, nicht hinzukommen und dieses tolle Spiel dann nur im Fernsehen anschauen zu können – das war schon die Härte“, sagte Johanning.

Queen besser als Arjen Robben

Ohne dieses Top-Event avancierte die einzige nicht-fußballerische Veranstaltung, die Brandwein und Johanning gebucht hatten, unverhofft zum Highlight der Woche. „Adam Lambert und Queen in der Münchener Olympiahalle waren wirklich vom Allerfeinsten“, meinte Brandwein. So stahl am Ende Brian May tatsächlich Arjen Robben die Show. Und das bei zwei Fußballtrainern!

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