Voller Einsatz: Mieke Kröger (l.) - hier bei einem Rennen in den Niederlanden - fährt ab morgen bei einem 5-Etappen-Rennen in Großbritannien mit, um für die Deutschen Straßenmeisterschaften in Form zu kommen. - © Roth/AUGENKLICK
Voller Einsatz: Mieke Kröger (l.) - hier bei einem Rennen in den Niederlanden - fährt ab morgen bei einem 5-Etappen-Rennen in Großbritannien mit, um für die Deutschen Straßenmeisterschaften in Form zu kommen. | © Roth/AUGENKLICK

Bielefeld Mieke Kröger ist auf dem Weg zur Straßen-DM

Die Saisonhöhepunkte für Radsportler stehen kurz bevor

Hans-Joachim Kaspers

Bielefeld. Langsam, aber sicher wird es für die Radsportler Zeit, sich für die Saisonhöhepunkte in Form zu bringen. Das gilt natürlich auch für die Bielefelderin Mieke Kröger vom RV Teutoburg Brackwede, die seit Beginn dieses Jahres für das dänische Profiteam Virtu Cycling fährt. "Ab Mittwoch bin ich für fünf Tage bei der OVO Energy Women's Tour in Mittelengland unterwegs", erzählt Kröger. Die große Etappenrundfahrt, die an der Ostküste der britischen Insel beginnt und im Snowdonia-Nationalpark in Wales endet, führt durch malerische Landschaften, für die die Studentin der Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften aber kaum ein Auge haben wird. "Ich will mir in England den letzten Schliff für die Deutschen Meisterschaften Ende Juni/Anfang Juli in Einhausen holen", sagt sie. Im Hessischen wird Kröger sich vor allem auf das Einzelzeitfahren der Frauen-Elite konzentrieren - ein Wettbewerb, in dem sie auch im September bei der WM in Innsbruck starten möchte. Die Konkurrenz ist allerdings bärenstark - allen voran streben auch die schon mit WM-Medaillen in dieser Disziplin dekorierten Lisa Brennauer und Trixi Worrack nach dem Titel und der damit verbundenen WM-Qualifikation. "Das Niveau im Zeitfahren ist echt hoch. Da vorne mit dabei zu sein, wird eine echte Herausforderung", schätzt die Bielefelderin ihre Chancen realistisch ein. »Wir wurden in China wie ganz große Stars behandelt« Für sie spricht allerdings, dass sie sich 2015, als die Deutsche Meisterschaft an gleicher Stelle ausgetragen wurde, den Titel sicherte, ein Erfolg, "auf dem man natürlich aufbauen kann". Ihr kommt entgegen, dass der 30-Kilometer-Kurs in der Rheinebene beinahe topfeben ist und deshalb wie geschaffen für eine "Rouleurin" scheint, wie sie Kröger nun einmal ist. Ihre Qualitäten als Zeitfahrerin hat die 24-Jährige in dieser Saison übrigens schon unter Beweis gestellt: Im Mai wurde sie mit ihrem Team Virtu Cycling in der Nähe von Kopenhagen dänische Meisterin im Mannschaftszeitfahren. Ihre anderen radsportlichen Aktivitäten in diesem Frühjahr liefen dagegen mehr unter der Überschrift: "Dabei gewesen". So lernte sie Ende April kennen, wie man Frauenradsport in China populär zu machen versucht. Bei der Tour of Chong Ming Island, einer dreitägigen Etappenfahrt in der Nähe von Schanghai, sei schon die Teampräsentation eine Supersache gewesen, berichtet Kröger: "Wir wurden wie ganz große Stars behandelt." Das Renngeschehen gestaltete sich anschließend allerdings eher langweilig, da alle drei Etappen für Sprintankünfte ausgelegt waren. "Das war natürlich genau das Richtige für mich", meint die alles andere als den Sprintertyp verkörpernde Bielefelderin selbstironisch - immerhin konnte sie sich aber über den Gesamtsieg ihrer langjährigen Bahnvierer-Mitstreiterin Charlotte Becker freuen. Auch bei der anschließenden Bira-Tour im Baskenland riss Mieke Kröger keine Bäume aus: "Es war aber wichtig, viele Kilometer unter Wettkampfbedingungen zu absolvieren - einfach um die Beine für die jetzt kommenden wichtigen Aufgaben zu bekommen." Zu denen zählt ab dem 6. Juli auch der Giro d?Italia Femminile, auch Giro Rosa genannt, für den sie von Virtu Cycling nominiert worden ist. Der Rennstall erwartet von ihr natürlich in erster Linie eine gute Platzierung im Auftaktzeitfahren - vielleicht sogar den Sprung ins rosa Trikot, wenngleich die Strecke mit 16 Kilometern wohl ein wenig zu kurz für Kröger sein dürfte. Auf den folgenden neun Etappen sind dann auch zwei schwere Bergankünfte im Programm, unter anderem der berühmt-berüchtigte Monte Zoncolan in den Karnischen Alpen mit bis zu 22 Prozent Steigung, an dem sich vor wenigen Wochen beim Giro der Männer wieder das eine oder andere Drama abspielte. Mieke Kröger wird diesen Scharfrichter mit einem 34er-Kettenblatt und einem 32er-Ritzel angehen - und freut sich tatsächlich im Voraus auf diese Tortur! "Nach einem Kilometer im Berg kann das aber schon ganz anders aussehen", sagt sie. Dann schau?n wir mal.

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