Stadtduell: Die Jöllenbecker Christian Niehaus, Moritz Klapdohr und Jakob Röttger (v.l.) verfolgen den TSG-Toptorschützen, Julius Hinz, beim Wurf. Beide Bielefelder Derbys gingen an die TSG, im Hinspiel wehrte sich der TuS 97 jedoch verbissen. - © Christian Weische
Stadtduell: Die Jöllenbecker Christian Niehaus, Moritz Klapdohr und Jakob Röttger (v.l.) verfolgen den TSG-Toptorschützen, Julius Hinz, beim Wurf. Beide Bielefelder Derbys gingen an die TSG, im Hinspiel wehrte sich der TuS 97 jedoch verbissen. | © Christian Weische

Bielefeld Viele Highlights in der Handball-Oberliga

TSG A-H Bielefeld und TuS 97 sorgten für volle Hallen, sportlich erfüllten sie jedoch nur Minimalziele

Bielefeld. Als 3.400 Fans die Seidensticker-Halle bevölkerten und im Derby der TSG A-H Bielefeld gegen den TuS Spenge für eine Oberliga-Rekordkulisse sorgten, wurde die 24:27-Niederlage der Bielefelder nur zu einem ersten Schönheitsfleck auf der Weste. Nach einem Traumstart mit 16:0 Punkten hatten die Bielefelder vielleicht einen Satzball verpasst. „Spenge hatte bis dahin schon vier Minuspunkte. Wer weiß, wie sie es aufgenommen hätten, wenn sie gegen uns erneut verloren hätten", meinte TSG-Geschäftsführer Christian Sprdlik. Trainer Michael Boy erkannte: „Danach haben die Konkurrenten gesehen, dass wir nicht unverwundbar sind." »Wir hatten gute Spiele, die unsere starke Vorbereitung bestätigt haben« Die Entwicklung ging in eine andere Richtung, als Fans und Verantwortliche erwartet hatten: Spenge gab keinen Punkt mehr ab, die TSG tat sich dagegen häufig schwer. Nach einem Auftakt in Hurra-Manier, bei dem Siege mit zehn Toren Vorsprung an der Tagesordnung waren, rumpelte sich die Mannschaft von Trainer Michael Boy zu knappen Erfolgen gegen Loxten (28:27) und Soest (24:22) und verlor schließlich gegen Mennighüffen. Spielmacher Marius Kastening, der im Spenge-Spiel verletzt raus musste und später nur noch schleppend zu alter Form fand, meinte: „Zu Anfang hatten wir sehr gute Spiele, die unsere starke Vorbereitung bestätigt haben." Immerhin: Der Aufstiegskampf blieb eine knappe und spannende Angelegenheit – bis zum Rückspiel in Spenge. Das Bild, wie die Bielefelder nach dem vernichtenden 27:36 völlig konsterniert und mit hängenden Köpfen durch die Reihen der jubelnden Spenger aus der Halle schlichen, hat sich eingebrannt. „Uns hat die Klasse gefehlt, mit dem Druck umzugehen. Diese Stärke konnten wir im Laufe der Saison nicht entwickeln", fand Kastening. Spektakuläre Verpflichtungen, ein Zuschauerrekord, große Show bei Heimspielen – für Hingucker hat die TSG im ersten Jahr ihrer Erneuerung gesorgt. „Und Platz zwei – mit großem Abstand – ist in einer solch starken Liga nicht von Pappe." Das ist die Bilanz von Michael Boy, der den Klub jetzt aber verlassen muss. TuS-97-Trainer Sven-Eric Husemann ist im Recht, wenn er eine Saison mit „Höhen und Tiefen" skizziert – wobei die negativen Momente, sprich die deutlichen Niederlagen, gefühlt überwiegen. Immerhin konnten sich die Bielefelder auf eine gewisse Heimstärke berufen: In der Realschulhalle konnten auch die am Ende besser platzierten Mannschaften aus Loxten, Mennighüffen, Hemer und Gladbeck geschlagen werden. „Die herausragende individuelle Qualität unserer Konkurrenten hatten wir nicht", merkte Sven-Eric Husemann zurecht an. Leon Ludwigs, der verletzungsbedingt erst ab Mitte November eingesetzt werden konnte, kam schwer in Tritt und erreichte selten sein höchstes Niveau. Und auch Nils Grothaus, der immerhin starke 104 Feldtore erzielte, spielte nicht konstant gut. »Wir waren bestrebt, den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen« Auch wenn die Bielefelder nie auf einem Abstiegsrang standen – die Gefahr, die Liga nicht zu halten, war omnipräsent. Der Highlight-Sieg gegen den VfL Gladbeck, gegen den der TuS überraschend mit 30:21 gewann, ließ die Bielefelder im Saisonendspurt kurzzeitig verschnaufen. Wenige Tage später beendete die Absichtserklärung der HSG Augustdorf/Hövelhof, demnächst mit Handball Lemgo II gemeinsame Sache zu machen und auf einen Startplatz in der Oberliga zu verzichten, den Abstiegskampf schlagartig. „Wir waren dennoch bestrebt, den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen, was uns ja auch gelungen ist", erklärte Husemann und bilanzierte: „Wir haben die Punkte geholt, die wir gebraucht hätten." Auch wenn es im Saisonendspurt noch zwei deutliche Auswärtsniederlagen gegen LiT Tribe Germania und Meister Spenge setzte, erzwangen die Bielefelder gegen das abgeschlagene Schlusslicht Gevelsberg-Silschede die Punkte 19 und 20.

realisiert durch evolver group