Mittelstreckler der SV Brackwede: Amanal Petros und die drei neuen SVB-Starterinnen Jana Palmowski (von links), Nele Weike und Lea Weike. - © Claus-Werner Kreft
Mittelstreckler der SV Brackwede: Amanal Petros und die drei neuen SVB-Starterinnen Jana Palmowski (von links), Nele Weike und Lea Weike. | © Claus-Werner Kreft

Bielefeld Bielefelder Mittelstreckler mit Zukunft

Leichtathletik-Forum: Petros könnte die Kreisrekorde von Sansar (Freiluft) und Wrenger (Halle) bald löschen. Noch früher setzten Heuing und Wulsch die Frauen-Maßstäbe

Claus-Werner Kreft

Bielefeld. Nach einer Blütezeit in den 70-er und 80-er Jahren hatte die olympische Laufdistanz 1.500 Meter längere "Durststrecken" durchgemacht. Jetzt aber steht sie in der heimischen Szene wieder höher im Kurs - nicht nur, weil Langlauf-Ass Amanal Petros gelegentlich über 1.500 m antritt und vor zwei Jahren in Leverkusen den westdeutschen Hallentitel mit 3:51,94 Minuten gewann. Am vergangenen Wochenende war Bielefeld bei den NRW-Meisterschaften nur mit sechs Aktiven vertreten, aber fünf von ihnen liefen die siebeneinhalb Hallenrunden. Da fehlte Petros noch, der U-23-Vizeeuropameister (10. 000 m) war gerade erst zurückgekehrt vom vierwöchigen Höhentraining in Kenia, wo u.a. auch Deutschlands aktuell zweitbester Marathonläufer Hendrik Pfeiffer dabei war. "Wir haben gut und viel trainiert, von anfangs 160 km wurde der wöchentliche Umfang um je 20 km erhöht. Die Zeit dort war auch ein großes Erlebnis", berichtete der Brackweder mit leuchtenden Augen, als er Dienstag in die Seidensticker Halle gekommen war, um eine Serie schneller Langsprints zu absolvieren. »Die Zeit in Kenia war ein großes Erlebnis« Sie dienten der Vorbereitung auf einen internationalen Start beim hochklassig besetzten IFAM-Hallenmeeting am Freitag in Gent. Für ihn hat die SV Brackwede vorsorglich eine Doppelmeldung für 1.500 und 3.000 m abgegeben. Doch es zeichnet sich ab, dass Petros im Elitelauf A über 3.000 m startet - die Strecke, die er dann auch bei der Hallen-DM in Dortmund laufen wird. Sonst wäre er auf 1.500 m ausgewichen, mit besten Chancen, als erster Bielefelder "indoor" das Zeitlimit von 3:50 Minuten zu unterbieten. Den Kreishallenrekord hält seit vollen drei Jahrzehnten Burkhard Wrenger (BTG, 3:50,15). Dagegen sind die Jugendrekorde noch ganz frisch: Mit 4:02,44 Min. verbesserte TSVE-Talent Clemens Erdmann vor knapp drei Wochen auf einen Schlag die Hallenbestmarken der U 20 (bisher Magnus Mühlenweg 4:04,63/2004) und der U 18 (Bernd Meyer 4:08,0/1982). Draußen im Stadion sind bislang sechs Bielefelder unter 3:50 Minuten geblieben (siehe Bestenliste). Den Rekord hält noch immer der jetzt auf den Marathon spezialisierte Ex-Eintrachtler Elias Sansar (3:46,10). Hinter ihm und dem Rekord-Anwärter Petros (bislang 3:46,72) teilen sich je vier frühere Läufer der BTG und des PSV die Plätze 3 bis 10. Die vier Minuten, einst internationale Traumgrenze für die Meile (1609 m), haben 15 weitere Bielefelder unterboten. Als erster schaffte das der spätere Olympiavierte über 800 m, Paul Schmidt vom OSC Arminia. Seine 1955 in Göteborg gelaufene Zeit (3:55,4) reicht mittlerweile nicht mehr für die Top Ten. Dort hält sich aber noch Wolfgang Zur, der 1961 als 19-Jähriger Deutscher Juniorenmeister wurde - mit 3:52,1 Min., dem bis heute gültigen Uralt-Kreisjugendrekord. Die Top-10-Frauenstatistik dominieren Spitzenläuferinnen aus der goldenen BTG-Dekade unter Trainer Peter Hartmann (1976 bis 1985). In ihre "Phalanx" brachen später nur zwei ein: Sigrid Wennemar (LC Balsam) und die Deutsche B-Jugendmeisterin des Jahres 1998, Lisa Rotsel (LG/PSV). Bemerkenswert ist, dass Kreishallenrekordlerin Sigrid Wulsch (4:13,15 Min./1984) etwas schneller lief als Freiluftrekordlerin "Tille" Heuing (4:14,70/1976). Das BTG-Trio mit Zeiten unter 4:20 Minuten vervollständigte Steffi Böker. Wie bei der männlichen Jugend sind auch hier die Kreishallenrekorde der U 20 und U 18 identisch: Schon 1976 erzielte Annegret Büscher (BTG) 4:36,6 - eine harte Nuss für die aus Minden zur SVB gewechselten Zwillingsschwestern Lea (Westfalenmeisterin 2018) und Nele Weike (NRW-Vize 2018). Der dritte aktuelle Brackweder Neuzugang, Jana Palmowski (29), kann im Sommer vielleicht die 4:30 Minuten angreifen. Ihre größten Erfolge hatte sie bisher als 3000-m-Hindernisläuferin: 2016 wurde sie DM-Achte, ihre Bestzeit (10:25,90 Min.) lief sie in den USA. Zum Vergleich: Der Bielefelder Kreisrekord steht bei 11:16,05.

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