Gefragter denn je: Johannes Krause, hier im Spiel gegen LiT Tribe Germania, muss das Spiel der TSG A-H Bielefeld nach der Verletzung von Marius Kastening vermehrt von der Spielmacherposition führen. Auch in der Abwehr fehlt ihm Nebenmann Gustav Rydergård. - © Andreas Zobe
Gefragter denn je: Johannes Krause, hier im Spiel gegen LiT Tribe Germania, muss das Spiel der TSG A-H Bielefeld nach der Verletzung von Marius Kastening vermehrt von der Spielmacherposition führen. Auch in der Abwehr fehlt ihm Nebenmann Gustav Rydergård. | © Andreas Zobe

Bielefeld Handball-Oberligist TSG muss Verantwortung neu verteilen

Arne Schütforth

Bielefeld. Die Derbyniederlage gegen den TuS Spenge sollte bei Tabellenführer TSG A-H Bielefeld nicht lange Thema bleiben. "Wir haben uns kräftig geärgert, wollen jetzt aber eine neue Serie starten", berichtet TSG-Trainer Michael Boy. Schwerwiegender als die mentale Verarbeitung der ersten Saisonniederlage wiegen die Verletzungen der Schlüsselspieler: Marius Kastening - Kreuzbandzerrung und Prellung des Schienbeinkopfes im linken Knie - sowie Gustav Rydergård, der weiter an einem Muskelfaseriss in der Wade laboriert, fallen gegen die HSG Augustdorf/Hövelhof und überhaupt vor Weihnachten aus. Trainer Michael Boy steht so vor der Aufgabe, Verantwortung neu zu verteilen. "Durch die Ausfälle werden andere Spieler viel Spielzeit bekommen", meint Boy. Kreisläufer Tim Schuwerack, der nach starken Leistungen zuletzt gegen Spenge nicht berücksichtigt wurde und darüber sehr unglücklich war, drängt sich besonders auf. "Das Thema ist ausgeräumt. Tim wird eine große Aufgabe bekommen", sagt Boy. »Wir können die TSG nicht über das ganze Feld scheuchen« Eine wichtige Stellung nimmt in Augustdorf auch Johannes Krause ein. Der Halblinke wird "das Kommando übernehmen müssen", fordert Boy. Mit seiner Routine soll Krause dem Spiel Struktur verleihen. "Mit Til Kirsch haben wir aber eine weitere Alternative", erinnert Boy. Trotz des Wechsels auf der Spielmacherposition der Bielefelder scheint Augustdorf weiter der klare Underdog zu sein, und auf den ersten Blick spricht wenig dafür, warum ausgerechnet die "Sandhasen", immerhin Tabellenvorletzter, dem Spitzenreiter ein weiteres Bein stellen sollten: "Wir haben gerade gegen Jöllenbeck ein immens wichtiges Spiel verloren. Unser Selbstvertrauen ist nicht besonders ausgeprägt", formuliert HSG-Trainer Micky Reiners. "Realistisch betrachtet geht es für darum, sich möglichst teuer zu verkaufen. Zu gewinnen, wäre eine riesige Überraschung", meint Reiners, der aber Zeuge der ersten Saisonniederlage der TSG gegen den TuS Spenge war. "Wir haben nicht die gleiche Qualität wie Spenge und können die TSG nicht 40 Minuten über das ganze Feld scheuchen", meint Reiners und dürfte damit die offensive 4:2-Abwehr der Spenger ansprechen, mit der sie die TSG aus dem Konzept brachten. Dass der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck im Auswärtsspiel beim VfL Gladbeck befreit aufspielen kann, lässt Tabellenrang elf nicht zu, auch wenn die Jöllenbecker jüngst gegen die von Reiners trainierten Augustdorfer gewinnen konnten. "Wir wollen mit dem selben Kampfgeist hinfahren", meint TuS-97-Trainer Sven-Eric Husemann. Hoffnung, die aktuell auf Rang vier platzierten Gastgeber ärgern zu können, wecken auch die sieben Treffer von Kapitän Leon Ludwigs zuletzt gegen Augustdorf. Doch der dort vorgelebte Kampfgeist verursachte auch Blessuren: Jakob Röttger musste sich eine Platzwunde nähen lassen und wird aktuell als fraglich gelistet. Till Kraatz fällt auf Grund einer gerissenen Sehne im kleinen Finger sechs Wochen aus. Immerhin müssen sich die Nord-Bielefelder - anders als die TSG A-H Bielefeld - nicht mit der Favoritenbürde belasten und können ohne zu große Erwartungen ins nördliche Ruhrgebiet fahren. "Vor der Saison habe ich Gladbeck im Favoritenkreis gesehen. Mittlerweile sind sie tabellarisch auch dort angekommen. Gegen Spenge konnte Gladbeck zu Hause einen Punkt holen - eine wirklich schwere Auswärtsaufgabe", meint Husemann.

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