Genesungswünsche von allen Seiten: Florian Hengsbach (r.), Kreisläufer der HSG Augustdorf/Hövelhof, hier in einer Spielszene aus dem Jahr 2015 gegen Menden/Lendringsen, wurde nach seinem Unfall im Spiel gegen den TuS 97 mehrfach operiert. - © Paul Cohen
Genesungswünsche von allen Seiten: Florian Hengsbach (r.), Kreisläufer der HSG Augustdorf/Hövelhof, hier in einer Spielszene aus dem Jahr 2015 gegen Menden/Lendringsen, wurde nach seinem Unfall im Spiel gegen den TuS 97 mehrfach operiert. | © Paul Cohen

Bielefeld Handballszene zeigt sich betroffen über Hengsbach-Verletzung

HSG Augustdorf/Hövelhof verbreitet vorsichtigen Optimismus

Gregor Winkler

Bielefeld. Die Ereignisse des Oberliga-Derbys zwischen der HSG Augustdorf/Hövelhof und dem TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck, sie haben die Handballszene in OWL geschockt. Quälend lange Minuten war Florian Hengsbach nach einem Zusammenprall mit einem eigenen Mitspieler auf dem Feld behandelt und noch in der Nacht zweimal an der Halswirbelsäule operiert worden. Die Partie gegen den TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck wurde abgebrochen. Spekulationen über den Zustand des Augustdorfers verbieten sich selbstverständlich, zumal die Familie um Zurückhaltung bat. Von Vereinsseite wurde aber im Laufe des Mittwochs ganz vorsichtiger Optimismus verbreitet. »Im ersten Moment hat man die Situation gar nicht so erfasst« Unabhängig von der Schwere der Verletzung: Von spontanen Gedanken kann sich niemand frei machen. Unweigerlich kommen Bilder vergangenen Unfälle, wie der des legendären Jo Deckarm im Jahr 1979 oder der Zusammenprall von Johann Pettersson mit dem gegnerischen Torwart im Jahr 2001 in den Kopf. "Im ersten Moment hat man die Situation nicht so erfasst. Aber als dann sogar die Sanitäter beraten mussten, wie sie weiter vorgehen, und sich nicht getraut haben, ihn zu bewegen, da wurde uns allen schnell bewusst, dass es etwas Schwerwiegendes sein muss", beschreibt TuS-97-Kapitän Leon Ludwigs die Situation aus der Witex-Halle. Verletzungen kommen vor - das gilt für den Sport genau so wie für den Alltag. Immer wieder machen auch Ereignisse Schlagzeilen, bei denen Spiele länger unterbrochen werden müssen, um Verletzte zu versorgen. Risse, Frakturen und manchmal sogar offene Brüche hat wohl jeder Handballer schon mit erlebt. Was den Fall vom vergangenen Samstag so erschreckend macht, ist die Ungewissheit. "Eine Verletzung der Halswirbelsäule ist noch einmal eine ganz andere Ebene, als ein Kreuzbandriss", sagt Carl-Moritz Wagner. Der Kreisläufer der TSG A-H Bielefeld hat gerade erst eine schwere Knieverletzung auskuriert. Bereits am Samstagabend verbreitete sich die Nachricht vom Spielabbruch über die sozialen Netzwerke. "Alle hoffen natürlich, dass die Verletzung reversibel ist. Die ganze Handballfamilie zeigt sich betroffen und solidarisch, ohne jetzt übertrieben neugierig zu sein", beschreibt Wagner. Aus allen Klubs, ob nun unmittelbar betroffen, als Liga-Kontrahent indirekt von den Ereignissen tangiert oder einfach nur Teil der Handballszene kommen Genesungswünsche via Internet und Smartphone. "Ich hatte allein am Dienstag 60 SMS", sagt Augustdorfs Trainer Micky Reiners. Auch die Entscheidung der Klubs, das Spiel abzubrechen, und die Zusage des Staffelleiters Andreas Tiemann, eine Neuansetzung zu veranlassen (die Partie hätte nach den Regeln auch für beide Teams als verloren gewertet werden können), fand ausnahmslos Verständnis und Zustimmung. Am Samstag wird die Saison weiter gehen. "Der Unfall beschäftigt uns alle. Aber aus dem Mannschaftskreis war auch zu hören, dass es keinen verunsichert. Leider kann so etwas immer und überall passieren", sagt Leon Ludwigs. "Man darf jetzt keine Angst haben", meint auch Wagner, der zugibt "bei der Beschreibung des Vorfalls einen ordentlichen Schauer gehabt zu haben." Die Gedanken aller Handballer, das wird deutlich, wenn man sich in der Szene umhört, sind in diesen Tagen bei Florian Hengsbach.

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