Getroffen: Der Bielefelder Profiboxer Emin Atra (r.) im Kampf gegen Nikola Matic. Im Gerry-Weber-Stadion in Halle gewann er im Februar 2016. - © Andreas Zobe
Getroffen: Der Bielefelder Profiboxer Emin Atra (r.) im Kampf gegen Nikola Matic. Im Gerry-Weber-Stadion in Halle gewann er im Februar 2016. | © Andreas Zobe

Bielefeld Profiboxer Emin Atra bereitet sich auf einen Kampf in Bielefeld vor

Peter Burkamp

Bielefeld. Am Anfang ging es buchstäblich Schlag auf Schlag. Nach seinem Debütsieg als Profi am 27. Juni 2015 stieg Emin Atra bis zum Jahresende noch fünf Mal in den Ring. Sechs weitere Kämpfe folgten 2016. Im dritten Jahr seiner Karriere hat sich der 28-Jährige Faustkämpfer nach einem Sieg im März dieses Jahres rar gemacht. Bewusst, sagt sein Manager Talip Ipek: "Das Profiboxen stand in dieser Zeit nicht so gut da. Vor allem wegen der Afolabi-Geschichte. Da haben wir uns gezielt zurückgehalten." Ola Afolabi, vor wenigen Jahren noch ein Weltklasse-Cruisergewichtler, der neben anderen auch schon drei Mal gegen den in Bielefeld aufgewachsenen Marco Huck gekämpft hatte, unterlag sehr offensichtlich mit Vorsatz gegen den "Selfmade-Millionär und Ex-Bierzelt-Boxer" (spiegel-online) Mario Daser. Ipek sind solche Auswüchse der Branche ein Gräuel. Er plädiert für Seriosität im Boxsport. Ipek und sein Schützling Emin Atra haben es sich auf die Fahnen geschrieben, um Titel der vier großen und anerkannten Weltverbände WBO, WBA, WBC und IBF kämpfen zu wollen. Im Frühjahr 2018 soll es soweit sein. Atra will sich erstmals um einen internationalen Titel bewerben. In Bielefeld. "Wer den Markt verstanden hat, kämpft nicht irgendwo. Warum sollen wir auswärts antreten, wenn wir den Kampf auch hier ausrichten können", sagt Ipek. Das sei man auch den vielen Fans schuldig, die Atra bislang stets treu in fremde Hallen begleitet haben. Die Auszeit hat das heimische "Team Emko" dazu genutzt, die Infrastruktur hinter den Kulissen weiter zu verbessern und erste Gespräche wegen einer passenden Lokalität für den Boxabend - eine "große Halle" (Ipek) soll es werden - zu führen. Gelegenheiten, seinen Rekord (13 Kämpfe, 13 Siege) zu verbessern, hätte es für Atra durchaus gegeben, berichtet Talip Ipek. "Wir hatten einige Angebote. Man hat gemerkt, dass der Name Atra hoch gehandelt wird." So sei neben anderen auch eine Anfrage aus England eingetroffen. "Wir hätten in London gegen Anthony Yarde um den Interkontinental-Titel der WBO boxen können", erzählt Ipek: "Das wäre jedoch ein bisschen verfrüht gewesen, außerdem wollen wir einen Kampf dieser Größenordnung lieber in Eigenregie durchziehen." So geht es zunächst am 2. Dezember weiter. In der Rattenfänger-Halle in Hameln will Emin Atra seinen im Juli 2016 errungenen Deutschen Meistertitel nach Version des BDB verteidigen. Der Gegner werde kurzfristig vor dem Termin bekanntgegeben. Der Kampf in Hameln gilt als Zwischenschritt, im Frühjahr soll es dann eine Nummer größer sein. "Wir wollen unseren Worten auch Taten folgen lassen", sagt Talip Ipek. Ziel ist es, Emin Atra in den Ranglisten in höhere Regionen zu bringen. Im Supermittelgewicht liegen aktuell noch einige namhafte Boxer sowohl in der deutschen als auch in der Weltrangliste (laut boxrec.com) vor Atra, der 12. in Deutschland und 105. in der Welt ist. Artur Abraham, Tyron Zeuge, der am 2. Dezember um den WM-Titel der WBA kämpft, Jürgen Brähmer und Vincent Feigenbutz weisen mehr Punkte als der Bielefelder auf. Eine clevere Planung der nächsten Ringauftritte soll Atras Position verbessern. Das hat der 28-Jährige in einem anderen Bereich bereits getan. "Emin ist technisch noch versierter geworden. Er hat die ganz Zeit durchtrainiert und ist in guter Verfassung", berichtet Talip Ipek. Atras Leistung und Ergebnisse in den nächsten Kämpfen werden zeigen, wohin der Weg des Bielefelder Profis führen wird.

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